Ein Sommerfest der Begegnung, bei dem gemeinsam gegessen, getrunken und gefeiert wird, soll in Besigheim dazu beitragen, dass sich Vorurteile über Geflüchtete auflösen und einem gemeinsamem Miteinander möglichst nichts mehr im Weg steht. Am Samstag feierten deshalb Einheimische und Flüchtlinge zusammen rings um die Besigheimer Flüchtlingsunterkunft „Im Wasen“ ihr zweites Sommerfest, nachdem das letzte schon ein schöner Erfolg war.

Isval aus Nigeria ist der heimliche Michael Jackson in der Besigheimer Flüchtlingsunterkunft „Im Wasen“. Er beherrscht den „Moonwalk“ wie sein Vorbild und versammelt beim zweiten Sommerfest am Samstag schnell eine Menschentraube um sich. Amur wird begleitet von der Hausband, einem exzellenten Keyboarder, einem E-Gitarristen und einem Harfenspieler, der aus einem Holzkasten selbst sein Instrument gebaut hat. Die Instrumente gehören ebenfalls in die Unterkunft.

Stolz auf ihre Band

Die Bewohner sind sichtlich stolz auf die Band ohne Namen, die sich im Flüchtlingsheim gebildet hat. Pastor Lutz Althöfer der evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde in Besigheim ist zugleich Mitglied im Freundeskreis Asyl, dem Träger des Sommerfestes. Er teilt die Verantwortung mit Gerlinde Tempel und Norbert Langer vom Freundeskreis. Langer ist Leiter der Fahrradwerkstatt. Gemeinsam mit den Sozialarbeitern, die in der Unterkunft arbeiten, wurde alles abgestimmt. „Mit im Boot ist auch der Besigheimer Wartesaal“, erzählt Althöfer. Von jeder Institution sind Vertreter zum Sommerfest gekommen. Die Stadt Besigheim ist natürlich auch mit im Boot und stellte die Bierzeltgarnituren. Hier gibt es also eine Menge Bereitschaft zur Mitarbeit, eine Ideenschmiede, wie man so ein Fest mit attraktiven Inhalten füllt.

Die Organisation eines solchen Festes fördert auch den Gemeinschaftsgeist zwischen den Bewohnern der Unterkunft. Denn wer gemeinsam Kuchen backt und Salate vorbereitet, hat eine gemeinsame Aufgabe.

Beim letzten Sommerfest waren statt der Reggae- und Hiphopband der Posaunenchor mit von der Partie und eine Trommelgruppe, die zur Unterkunft selbst gehörte. Doch die hat sich inzwischen aufgelöst, lässt Pastor Althöfer wissen. „Es ist hier eben ein Kommen und Gehen hier, und das gehört dazu“, kommentiert Pastor Althöfer. Und trotzdem ist vielen Flüchtlinge dieses Fest schon jetzt sehr wichtig geworden, weil es ihr Fest ist, in Zeiten der Flucht eine Gelegenheit zur Identifikation mit seiner Umwelt.

Leckeres aus aller Welt

Beim internationalen Büfett stellte jeder daher auch nur das Beste auf den Tisch. Es duftet, wie es in einer einheimischen Küche wohl nie durften wird. „Das ist das Konzept des Festes: Es geht darum, einen offenen Raum für Begegnung zu schaffen zwischen Besigheimern und Geflüchteten“, erklärt Pastor Althöfer.

Berührungsängste abbauen

Sozialarbeiterin Ann-Katrin Fischer nennt beim Namen, was schließlich zu der Idee des Sommerfestes geführt hat: „Wir haben mitbekommen, dass es Ängste gibt in der Bevölkerung, und diese Berührungsängste wollen wir abbauen und den Besigheimern zeigen: Schaut hier leben ganz normale Menschen wie ihr auch, Familien wie Alleinstehende. Da braucht man keine Berührungsängste zu haben“, betont sie.