Es ist ein dicker Packen Papier, mit dem sich die Vertreter der Kommunen des Gemeindeverwaltungsverbandes Besigheim am Montag beschäftigen mussten. Auf 117 Seiten sind dort die Stellungnahmen und Einwände zum Entwurf für den Flächennutzungsplan zusammengefasst. Allein drei Regierungspräsidien (Stuttgart, Tübingen für die Forstwirtschaft und Freiburg für die Geologie) haben Stellungnahmen abgegeben. Naturschutzverbände, Energieunternehmen, Anlieger, aber auch einfache Bürger haben sich an dem Verfahren beteiligt.

Besigheim, Freudental, Gemmrigheim, Hessigheim, Löchgau, Mundelsheim und Walheim haben in einem Entwurf ihre Wünsche für die Entwicklung bis zum Jahr 2035 formuliert. Insgesamt 26 neue Wohnbauflächen mit einem Umfang von etwa 92 Hektar sind darin aufgelistet. Manches wird wohl Wunsch bleiben, lässt sich aus den Einwänden folgen.

Bedenken gegen Umfang

So stellt der Planungsausschuss des Verbandes Region Stuttgart unumwunden fest: „Bis zum Vorliegen einer nachvollziehbaren Begründung bestehen Bedenken gegen den Gesamtumfang der Wohnbauflächenausweisung.“ Anhand eigener Orientierungswerte wäre aus Sicht der Region „die Entwicklung von rund 26 Hektar Wohnbaufläche zu begründen“, heißt es in der Stellungnahme.

Den Machern des Flächennutzungsplans wirft der Verband zudem bei der Berechnung des Bedarfs und der Anfertigung der Pläne handwerkliche Fehler vor. Er fordert die Gemeinden auf, die tatsächliche Entwicklung der Bevölkerung „belastbar einzuschätzen“. Diesen Einwand haben die Verbandskommunen allerdings einkalkuliert, wie aus der Vorlage für die Sitzung hervorgeht, um später angesichts der Einwände eine Auswahl treffen zu können.

Besigheim hatte im Vorentwurf etwa 22 Hektar als Wohnungsbauschwerpunkt ausgewiesen, darunter auf dem Ziegelei-Gelände (4,4 Hektar), im Schimmelfeld (neun Hektart) und im Westen der Stadt. Darin wird die Stadt von der Region bestärkt. Besigheim folge damit einer „regionalplanerischen Zielvorgabe“, stellt der Verband fest. Heftige Einwände hat er dagegen gegen den Bau von Weinbau und Seilbahn am Niedernberg. Beides liegt in einem regionalen Grünzug.

Das trifft auch auf die 2,7 Hektar große Fläche zu, die Freudental als Baugebiet „Alleenfeld“ ausgewiesen hat. Der Region ist das Gelände wohl zu groß. Es sei auf den ermittelten Bedarf der Gemeinde auszurichten, heißt es. Gegen die Ausweisung eines Baugebiets in den Weinbergen von Gemmrigheim (3,2 Hektar) äußert die Region sogar förmliche Bedenken.  Gleiches gilt für ein Baugebiet in Hessigheim „nördlich der Felsengartenkellerei“ und weitere Flächen im Ort, die Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete berühren.

Bienen und Eidechsen

Umfangreich fällt auch die Stellungnahme des Landratsamtes in Ludwigsburg aus. Erwartungsgemäß äußert die Behörde vor allem aus Sicht des Natur- und Artenschutzes erhebliche Bedenken gegen einzelne Vorhaben. So sei eine Bebauung des Ziegelwerks in Besigheim wegen des Vorkommens von Wildbienen „so nicht möglich“. Im Ingersheimer Feld bedrohe eine Bebauung geschützte Arten wie Wendehals, Grünspecht und Zauneidechsen, im Schimmelfeld grenze sie an Streuobstwiesen an.

In Freudental sieht das Landratsamt eine Umfahrung der Gemeinde im Südosten aus Landschaftsgründen „sehr kritisch“. In Gemmrigheim und Hessigheim ist es auch aus Sicht des Landratsamtes der Landschaftsschutz, der gegen neue Baugebiete spricht. Löchgau würde seine Markung gar um 20 Prozent vergrößern, werden alle Wünsche umgesetzt. Das führe zu erheblichen Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes und des Naturhaushaltes. In Mundelsheim sind Biotope in Trockenmauern von den Baugebieten bedroht.

Jetzt liegt es an den sieben Kommunen des Verwaltungsgebietes ihre Fläschenwünsche auf den tatsächlichen Bedarf hin zu überarbeiten und ihn mit Regierungspräsidium und Regionalverband abzustimmen. Ein Beschluss soll im Sommer 2020 gefasst werden.

Ottmarsheimer Höhe als Schwerpunkt


Bedenken äußert der Verband Region Stuttgart auch gegen die Ausweisung von Gewerbeflächen durch Hessigheim und Mundelsheim. Dem Verband fehlt in diesem Fall, ähnlich wie bei einigen Wohnbaugebieten, eine nachvollziehbare Begründung. Zustimmung gibt es dagegen für die Ausweisung von 8,8 Hektar in der Erweiterung des Gewerbegebietes auf der Ottmarsheimer Höhe. Diese Fläche befinde sich in einem regionalen Gewerbeschwerpunkt. Nahe an der Autobahn sind die Industrieflächen ganz im Sinne der Region. sol