Freiberg / Heike Rommel  Uhr

Ein Hauch vom Amerika der 50er-Jahre wehte drei Tage lang über dem dritten Rockabilly-Festival rund um den „Gaumantanz“ in Freiberg am Neckar. Geschätzte 8000 bis 10 000 Besucher sorgten dafür, dass zur Musik von acht Bands vor der Bühne die Post abging.

Die meisten Bands hatte Hagen Offterdinger von ihrer Europa-Tournee abgezwackt und das war gut für die „Rockabilly Days“, bei denen weder die Konzerte noch das Campen ewas kosteten. So manchen Auftritt bekam der Musik-Manager auch zum Freundschaftspreis, weil er mit der Band „Pine Stripes“ selber durch die Lande zieht.

Der Initiator und Ideengeber für das Festival, Florian Lutz, weiß, was die Besucher nach Freiberg treibt: „Sie haben den Rockabilly im Kopf.“ Nicht nur als Musikstil, sondern als Lebensart. Erkennbar wird das schon an den Straßenkreuzern, die Marcel Müller am Samstag nach einer großen Parade prämierte.

Cool und locker

Wie sind Rockabillies? „Cool und locker“ wie zum Beispiel Peter und Andrea Heiß mit ihren Kindern Anna-Luise und Linus aus dem hessischern Heppenheim. Sie kamen punktlich zum Auftritt des Headliners „Brea Burns and the Boleros“ aus Phoenix/Arizona, einem der Zentren des Rockabilly. Mit einem orangefarbenen, schnuckeligen Wohnwagen Baujahr 1966. Die elfjährige Luise war schon im Alter von drei Jahren auf einem Festival. Rockabilly war es für sie und ihren neunjährigen Bruder in Freiberg allerdings das erste Mal. Papa hatte nämlich erst kürzlich die „Stay Cats“ in Stuttgart gehört und dort von den „Rockabilly Days“ erfahren. Mit seiner Festival-Laune steckt er Frau und Kinder an. Eine Tolle, sagt Peter Heiß, könne er leider nicht mehr tragen, aber auf die langen Koteletten, die unter seinem Hut hervor luken, ist er mächtig stolz.

Eine Art Familientreffen

Neben Familie Heiß bauen Ulf Muckel und Melanie Braun aus Pforzheim gerade ihr Vorzelt auf. „Haben die Ehre, Grüßgott“, steigen Peter und Anita Ruoff aus Neckartenzlingen aus ihrem Chevrolet Baujahr 1937 aus. Man kennt sich auf den „Rockabilly-Days“ mit Familien-Charakter.  Beim kostenlosen Tanzworkshop können sich Nellia und Dietmar Ehrentraudt, ehemals Deutscher Meister im Boogie-Woogie, vom Hüftschwung noch was abgucken. Peter und Anita Ruoff leben den Rockabilly schon seit 40 Jahren. Für ihre Begeisterung war einst eine Clique verantwortlich, in welcher das Auto zur Musik passen musste.

Peter Ruoff war auch mal beim legendären „Viva Las Vegas“. „Das geht eine ganze Woche lang und ist so ähnlich wie in Freiberg“.Manche Fans treffen sich in aller Herren Länder immer wieder, erzählt er. Das Schönste am Rockabilly einer ausgefallenen, aber recht überschaubaren Gemeinschaft: „Es entstehen Freundschaften auf der ganzen Welt.“

Auch das Ehepaar Knob aus Hannover gehört zur Freiberger Festival-Familie. Seit Donald Trump hat sie es zwar nicht mehr so mit Elvis Presley, ist aber trotzdem gespannt darauf, was der Elvis-Interpret Nils Strassbourg mit dem „Roll Agents“ zum Besten gibt. Unverzichtbar beim Konzert: Petticoats, verspielte Kirschen- oder Blumenkleider, kurze Hosen, Sonnenbrillen und süßer Haarschmuck sowie Hütchen bei den Damen, Pomade, Pomade und nochmal Pomade in allen Duftnoten bei den Herren. „Vom Rockabilly kommt so schnell keiner mehr los“, sagt der Hannoveraner und kauft an einem der Merchise-Stände noch schnell Pomade.

Sauber und gut riechend

Sich schön und sauber machen, gehört beim Rockabilly übrigens nicht nur zum Menschen. Auch Autis wie dem Chevrolet wird ein Wohlfühlprogramm beim Car Barber gegönnt und zwar eine Handwäsche mit kuschelweichem, duftendem Waschlappen mit anschließender Hochglanzpolitur. „Let‘s shine bright“ lautet das Motto. Car Barbar Baha Güner aus Bietighjeim beschreibt das Gefühl: „Sauber und gut riechend. Der Mann und sein Auto eben.“