In der Neckartalgemeinde Walheim war es früher so wie in den allermeisten schwäbischen Ortschaften: Kirchweih (schwäbisch Kirbe oder Kirwe) wurde als großes Volksfest gefeiert, es gab Schießbuden, Schiffsschaukeln, Karusselle und Buden mit Zuckerwatte, gebrannten Mandeln und Magenbrot. Und der Kirbe-Tanz war nicht zuletzt für Junggesellen eine willkommene Gelegenheit, auf Brautschau zu gehen. „Früher, wenn draußen ausgschafft war“, erzählt Hubert Nägele, der Besitzer des Walheimer Traditionsgasthofs „Zur Post“, „begann die gemütliche Zeit, und Kirbe war noch etwas Besonderes, worauf man sich das ganze Jahr über gefreut hat.“

Knallvolle Gastwirtschaften

Dem Gastwirt bleibt in der knallvollen Gaststube am verregneten Kirbesonntag nur wenig Zeit, von früher zu schwärmen. „Es hat sich halt vieles verändert. Es gibt heute viel mehr Möglichkeiten wegzugehen und sich zu vergnügen, und jeder hat ein Auto und einen Computer“, betont der Gastronom, der bis vor zwei Jahren neben der Gaststätte, die er in der dritten Generation führt, noch eine Metzgerei betrieben hat. Am Kirbewochenende unterstützt ihn sein Sohn, der die Gaststätte nicht übernehmen möchte und lieber als Förster arbeitet.  Den traditionellen Kirbekuchen hätten sie vor zwei Jahren auch abgeschafft, einfach deshalb, weil er immer weniger verlangt wurde, berichtet Hubert Nägele. Geblieben sei aber die gesellige Zusammenkunft von Bürgern aus dem Flecken und der Umgebung, ebenso das typische Kirbe-Speisenangebot, das Wildgerichte und Gans beinhalte. Bei der diesjährigen Kirbe-Weinprobe sei der Andrang sehr groß gewesen.

In der Sportvereinsgaststätte „Auf der Burg“ haben Familie Widmann und Team alle Hände voll zu tun, denn die geräumige Gaststätte ist am Sonntag zur Mittagszeit bis auf den letzten Platz belegt. „Wir machen immer Wildschwein- und Rehbraten“, erzählt die Wirtin. Zum Kirbewochenende „Auf der Burg“ gehört traditionell auch ein Kirbe-Binokel-Turnier am Samstagabend.

Ein dritter Kirbe-Hotspot Walheims ist das Kleintierzüchterheim, das inzwischen vom Team des Café Bricklebrit um Jürgen Kunz bewirtschaftet wird. Das schwäbische Lieder- und Geschichtenhauses Café Bricklebrit hat die Lokalität gepachtet, der BZ-Redakteur steht selbst am Herd und macht hier diverse kulturelle Veranstaltungen, erzählt Janita Greschner, die Schriftführerin und Ausstellungsleiterin des Kleintierzüchtervereins. Sie kann auch fachkundig über die neben den Gasträumen ausgestellten Stallhasen und Hühner berichten.