Besigheim / Uwe Deecke  Uhr

Es war kein gutes Bienenjahr 2019. Der Winter war zu trocken, der Mai zu kalt und oftmals zu regenreich, so dass die Bienen dann einen hohen Eigenbedarf hatten. „Alle Imker hier haben fast nichts“, fasst Thomas Pulli das Jahr zusammen, in dem man weit entfernt ist von den 15 Kilo Honig oder mehr pro Bienenvolk.

Die Besigheimer Hobbyimkerin Dorothea Pulli und ihr Mann Thomas, beide vom Besigheimer Imkerverein, möchten das wichtige und etwas in Vergessenheit geratene Thema Bienen wieder ins Bewusstsein bringen.

Bereits zum fünften Mal

Zum fünften Mal veranstaltete Dorothea Pulli das Sommerferienangebot des Bündnis Mensch und Umwelt (BMU), das sich um die faszinierende Welt der Bienen drehte. Zehn Kinder zwischen 7 und 14 Jahren waren da, auch ein Flüchtlingskind vom Wasen nahm an dem Tag teil. Im kleinen Garten der Pullis waren Schautafeln aufgebaut, auf denen die Welt der Bienen dargestellt war. Zu sehen war das kurze Leben einer Honigbiene, die in den 40 Tagen ihres Daseins zunächst mit Putzen, Brutpflege, Wabenbau, dann mit Sammeln von Nektar und der Stockwache beschäftigt ist. Auch was passiert, wenn es einmal keine Bienen mehr gibt, zeigte eine Tafel. Die Apfel- oder Kirschernte fällt zu 60 Prozent aus, wenn die Blüten nicht von Bienen bestäubt werden.

Doch zunächst ging es um die ganz praktischen Dinge, die man beim Umgang mit Bienen beachten sollte. Dass man im Fall eines Stichs gleich den Stachel entfernen und Spucke auf die Wunde muss, erklärte die Hobbyimkerin zu Beginn. „Warum tragen Imker immer weiß?“ wollte Dorothea Pulli von den Kindern dann wissen. „Wegen dem Bär“, wusste Dustin, denn der Bär liebt Honig und wird von Bienen gefürchtet. Keine dunkle Kleidung war daher auch die Vorgabe für die Teilnahme am Samstagmittag, auch die Bienengiftallergiker wurden vorgewarnt. „Was ist der Unterschied zwischen einer Biene und einer Hummel?“, lautete die nächste Frage. Eine Biene fliegt erst ab 10 Grad, und für sie geht es darum, den Wintern zu überleben. Hummeln fliegen „querbeet“, während Bienen gezielt eine Sorte anfliegen. Das wichtigste, was eine Biene aber mache, sei die Bestäubungsleistung, so Dorothea Pulli.

In Schutzkleidung zum Stock

Mit weißer Imkerjacke, Handschuhen, Besen und Stockmeißel ging es dann zu dem Bienenvolk, das die Pullis im Mai aus einer Hecke in Gemmrigheim holen mussten. Der Deckel wurde entfernt, der Stock eingeräuchert und die Rahmen konnten herausgezogen werden, an denen man die Arbeit der Bienen erkennen konnte. Man bekomme hierbei auch gelbe Hände vom wichtigen Kittharz, erklärte Pulli, das als Propolis auch verkauft wird.

Auch ein Bienenkasten wurde zusammengebaut und Honig wurde in der Edelstahlmaschine geschleudert, die von Hand betrieben wird. Dabei wird der Honig an die Wand des Kessels geschleudert, fließt nach unten und kommt dort aus dem Hahn in ein Sieb, wo er gefiltert wird. Anschließend durfte das Resultat im kleinen Eimer probiert werden.

Am Ende des Nachmittags bekamen alle Teilnehmer ein kleines Gläschen Honig mit nach Hause. Und auch den Stempel für das städtische Ferienprogramm gab es hier – natürlich in Form einer Biene.