Es ist auf den ersten Blick nicht erfreulich, was Geschäftsführer Hans-Georg Schiller am Donnerstag bei der Generalversammlung der Felsengartenkellerei in der Stadthalle Alte Kelter in Besigheim bekannt gab: Die Genossenschaft hat 2014 einen Verlust von 1,028 Millionen Euro eingefahren. 5,34 Millionen Liter Wein wurden im vergangenen Jahr verkauft, das sind 375.000 Liter weniger als im Jahr zuvor. Der Umsatz sank um etwa 1,5 Prozent auf 17,1 Millionen Euro. Die Felsengartenkellerei wird den Verlust aus den Rücklagen ausgleichen. Abstriche an dem Traubengeld, das den Mitgliedern ausgezahlt wird, gibt es nicht, betonte der Geschäftsführer.

Einer der Gründe für dieses Minus ist die quantitativ eher geringe Ernte des Jahres 2013. Ein anderer sind die hohen Investitionen der Genossenschaft, die rund sechs Millionen Euro für den Bau einer neuen Lagerhalle, von Büros und weiterer Räume ausgegeben hat, wie die BZ berichtete. Für diese Investitionen bewilligte die EU Fördermittel von etwa 25 Prozent, hob Vorstandschef Götz Reustle hervor.

Trotzdem sprach Geschäftsführer Schiller, der nach einer Satzungsänderung in den Vorstand aufrücken wird, gestern von einem Absatz- und Umsatzrekord. Weil sie nicht genügend Wein hatte, musste die Felsengartenkellerei ihre Lieferungen an die "Weingilde Besigheim GmbH" zwar zurückfahren. Diese hundertprozentige Tochter kaufte jedoch etwa drei Millionen Liter Wein in Württemberg auf und vermarktete ihn an einen großen Kunden aus dem Lebensmitteleinzelhandel in Norddeutschland. Unter dem Strich setzte die Weingilde 4,16 Millionen Liter Wein ab. Bei einem Umsatz von 9,92 Millionen Euro erzielte sie einen Bilanzgewinn von 435.000 Euro. Weingilde und Genossenschaft haben damit insgesamt 8,4 Millionen Liter Wein (plus 12,9 Prozent) zu einem Preis von 24,17 Millionen Euro (plus 11,2 Prozent) verkauft.

Die Felsengartenkellerei hatte die GmbH nach mehreren knappen Ernten gegründet, um die Wünsche eines Großkunden, dessen Name Schiller nicht nennen wollte, befriedigen zu können. Als Erzeugergenossenschaft sei es der Felsengartenkellerei selbst nicht erlaubt, Wein in diesem Ausmaß zuzukaufen, erläuterte Klaus Schrempf, der Aufsichtsratsvorsitzende. Klagen von Kollegen über dieses Vorgehen habe es nicht gegeben, sagte Schiller. Warum auch? Die Genossenschaft konnte ihre guten Kundenkontakte nutzen, und der Markt in Württemberg wurde von Übermengen entlastet. Und außerdem: "Wir zahlen gut", sagte Schiller.

Nachdem die neuen Gebäude mittlerweile bezogen sind, liegt der Schwerpunkt der Investitionen in diesem Jahr auf der Technik. Bis zur Lese will die Kellerei fünf neue Tankpressen anschaffen und installieren. Ein Kleintanklager wird errichtet, die Traubenannahme umgebaut. Vier Holzgärständer, in denen hochwertige Weine ausgebaut werden, stehen bereits. Ziel der Investitionen sei es, die Qualität der Weine weiter zu steigern, betonte Kellermeister Reiner Bucher. Die neue Technik wird weitere rund drei Millionen Euro kosten, auch die wird laut Reustle von der EU gefördert. "Wir werden qualitativ einen Sprung machen", ist der Vorstandschef sicher.

Jahrgang 2015 lässt sich gut an

Perspektiven Der neue Jahrgang lässt sich gut an, berichtete Götz Reustle, Vorstandschef der Felsengartenkellerei am Donnerstag anlässlich der Generalversammlung. Von Frost- und Hagelschäden blieben die Wengerter bisher verschont. Die Vegetation ist etwa eine Woche voraus, verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt. Die Lese beginnt aller Voraussicht nach Mitte September. Die Trockenheit der vergangenen Woche sei für die Reben unproblematisch.

Ziele Mit etwa 8,2 Millionen Kilo Trauben fiel die Ernte 2014 deutlich höher aus als 2013. Die Felsengartenkellerei geht deshalb für 2015 von einem Plus bei Absatz und Umsatz aus und kann die Tochtergesellschaft Weingilde wieder besser beliefern. Sie will 5,8 Millionen Liter Wein verkaufen, zusammen mit der Weingilde sogar 8,5 Millionen Liter.