Senioren Es wird viel geredet und erzählt

Besigheim / Susanne Yvette Walter 12.01.2019

Sozialpädagogin Bettina Ongerth, Hausleiterin im Robert-Breuning-Stift in Besigheim wurde mit der Aufgabe einer Quartiersmanagerin betraut und leitet das Bürger- und Seniorenbüro. Sie spricht über die Resonanz auf die Einrichtung, die Senioren und ihren Angehörigen Hilfestellung geben will. „Das ist ganz unterschiedlich. Vieles wird auch telefonisch angefragt und abgewickelt. Und dennoch kommen auch Ratsuchende selbst ins Seniorenbüro, so dreimal im Monat durchschnittlich“, erzählt Bettina Ongerth.

Die Leiterin des Seniorenbüros vergibt auch telefonisch Termine und kommt auch zu ihren Kunden nach Hause. „Die häufigsten Fragen sind pflegerische Fragen. Dabei geht es um die Versorgung von Angehörigen zu Hause“, beobachtet sie. Die Demenz stehe dabei im Vordergrund. „Angehörige kommen auf uns zu und stellen fest, dass sich das betroffene Familienmitglied verändert habe, dass sein Verhalten viel mehr fordert als seither“, erklärt sie. Dann ist die Fachfrau gefragt: „Mir geht es zunächst darum, zu schauen, wie die Familienkonstellation aussieht, und dann sehe ich, wo der Bedarf konkret liegt. Geht es um eine pflegerische Versorgung, die durch einen ambulanten Dienst übernommen werden kann? Dann stellen wir den Kontakt her. In Besigheim gibt es beispielsweise Angebote zur Tagesbetreuung. Das kann überlasteten Angehörigen eine große Erleichterung bringen“, betont die Heimleiterin.

„In vielen Fälle gehe es auch rein um eine Unterstützung, was das Ausfüllen von Formularen angeht, um für den pflegebedürftigen Angehörigen eine entsprechende Pflegestufe zu bekommen“, beschreibt sie ihre Aufgaben im Seniorenbüro. Die Besucherzahl im Seniorenbüro selbst variiert sehr stark. „Mal kommt keiner, mal laufen zwei Beratungsgespräche auf einmal“, erzählt Ongerth. Die meisten Kunden melden sich wohl erst einmal telefonisch, um Kontakt aufzunehmen. Das hat sich geändert: In der Anfangszeit kamen viele spontan, um das Seniorenbüro in Augenschein zu nehmen“, macht sie deutlich.

Bettina Ongerth umreißt die Aufgabe des Seniorenbüros so: „Wir begleiten einen Kunden, bis er die richtige Betreuung gefunden hat. Wenn eine Maßnahme am Anfang nicht zielführend war, kann der Kunde eine andere ausprobieren.“ Dazu gehört, dass sie und ihre Kollegen sich genau mit einer Person befassen. Nur dann können sie sagen, ob zu ihrem Kunden ein Bewegungsprogramm passen könnte oder nicht. Bettina Ongerths Aufgabe ist es dann, nach klärenden Gesprächen Kontakt zu den Netzwerkpartnern aufzunehmen, die letztlich die Betreuung des Kunden übernehmen. „Einmal im Jahr setzen wir uns mit unseren Netzwerkpartnern zusammen, reflektieren und besprechen weitere Maßnahmen: Wo muss man etwas umstrukturieren? Soll man Vorträge anbieten zu bestimmten Themen? Das alles besprechen die Macher vom Seniorenbüro im Plenum mit den Partnern.“

Viel gesprochen, wenn auch auf einer völlig anderen Ebene, wird dazu im Erzähl-Café. „Das findet einmal im Monat mittwochs in der Cafeteria des Robert-Breuning-Stifts von 14.30 bis 16 Uhr statt und ist ein Kooperationsprojekt verschiedener Netzwerkpartner wie der Friedrich-Schelling-Schule und der evangelischen Kirchengemeinde, vertreten durch Diakonin Sibylle Zimmer. Außerdem haben wir eine Theaterpädagogin Sandra Willmann, die ein Thema nimmt wie zum Beispiel „Herbstzeit – Erntezeit“ und mit Senioren zu diesem Thema etwas einübt, zum Beispiel einen Sketch. Da kommen auch Senioren von außen dazu“, erzählt Ongerth. Beim Sommerfest und bei der Bewohner-Weihnachtsfeier wurde schon so mancher Sketch aufgeführt.

Mehr als Erfahrungsaustausch

Mit im Boot: Die Theatergruppe der Friedrich-Schelling-Schule, die immer mittwochnachmittags dabei ist im Erzähl-Café. „Zusammen haben die schon so manchen Sketch eingeübt“, berichtet die Leiterin. Im Erzähl-Café geht es also nicht nur darum, von anno dazumal zu erzählen und Erinnerungen aufzufrischen. Hier findet auch Theater statt, und hier ist Raum, um Erfahrungen von Generation zu Generation weiterzugeben. Ongerth: „Da entstehen oft ganz tolle Gespräche zwischen Schülern und Senioren – beide können voneinander lernen. Da machen Ältere die Erfahrung, dass sie ihr Wissen an die Jüngeren weitergeben können.“

Im Café gibt es seit vergangenem Jahr auch einen Erzählkoffer, den die Herrschaften ab 70 öffnen können. Darin finden sich Gegenstände von anno dazumal aus Haus und Garten. Das weckt Erinnerungen und darüber sprechen die Senioren dann mit Schülern. „Zum Beispiel haben wir eine Schiefertafel. Das kennen Kinder von heute gar nicht mehr“, weiß Bettina Ongerth. Bei den Älteren gehen da sämtliche Lampen an, und sie denken an ihre Schulzeit, als der Lehrer sogar noch den Rohrstock gezückt hat.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel