Besigheim Erzieher werden gehegt und gepflegt

Eine Erzieherin bei einer Sprachübung in einem Kindergarten in Essen.
Eine Erzieherin bei einer Sprachübung in einem Kindergarten in Essen. © Foto: Marcel Kusch
Michael Soltys 24.08.2018

Der Druck auf Besigheim, neue Plätze für die Kinderbetreuung zu schaffen, ist groß. Eine Lösung bietet sich mit dem Verein „Itzebitz“ an, der das Gebäude der früheren Druckerei Brett in eine Kita umbauen will. Fünf Kita-Gruppen und zwei Kindergarten-Gruppen sollen dort entstehen, schon im September 2019 will der Verein den Betrieb eröffnen, wurde bei der Präsentation im Gemeinderat möglich. Mindestens so hoch wie die Nachfrage nach Betreuungsplätzen ist aber auch die Sorge, wie das Personal dafür, sprich die Erzieherinnen, gewonnen werden kann. „Itzebitz“ allein braucht für die sechs Gruppen 18 bis 20 Personen, um den Betrieb sicherzustellen, sagte Katrin Haberland, im Verein zuständig für die pädagogische Konzeption, auf Nachfrage der BZ. Aus dem eigenen Haus – mittlerweile beschäftigt „Itzebitz“ in seinen beiden Kitas in Großbottwar und Murr 60 Frauen und Männer – seien bereits Bewerbungen eingegangen, auch von außen liege bereits eine Bewerbung auf dem Tisch.

Der Personalmarkt ist eng, die Auswahl unter Fachkräften gering, sagt Edeltraud Barth, die bei der Stadt Besigheim für die Kindergärten zuständig ist. Um pädagogisches Personal zu gewinnen, reichen der Gang auf die Messe oder die Schaltung von Anzeigen nicht. Die Stadt setzt auf die Ausbildung in ihren eigenen Kitas, über die Fachberater sei sie sehr gut mit den Schulen vernetzt, macht Barth deutlich. Quereinsteigern werde die Möglichkeit zur Fortbildung geboten, sie werden danach als Fachkraft anerkannt. Wenn es einmal ganz eng wird, wendet sich die Stadt auch schon einmal an eine Personalagentur. Und ganz wichtig: Die Stadt ist tariflich gebunden, auch das mache sie als Arbeitgeber attraktiv.

An den Tarif angelehnt

Das kann Katrin Haberland bei „Itzebitz“ nicht bieten, der Verein lehne sich lediglich an den Tarif für den öffentlichen Dienst an, macht sie deutlich, zahle dafür aber Beiträge zur Altersavorsorge und monatliche Einkaufsgutscheine. Umso wichtiger werden andere Vorzüge. An erster Stelle steht dabei das Verhältnis zu den Mitarbeitern, denen persönliche Ansprache und Wertschätzung entgegen gebracht werden. Als Fachkräfte werde ihnen der Raum geboten, sich mit ihren eigenen Erfahrungen und Kenntnissen in die Arbeit einzubringen. Dahinter stehe eine „Gesamtkonzeption für beide Häuser“, sagte Haberland. Viele der 60 „Itzebitz“-Mitarbeiter arbeiteten in Teilzeit, seien keine ausgebildeten Pädagogen oder arbeiteten im Ehrenamt.

Sich auf persönliche Weise in der Kita einzubringen, gehe an die psychische Substanz, weiß Haberland. Prävention und Gesundheitsförderung nehmen deshalb im „Itzebitz“ einen besonderen Stellenwert ein, Haberland sprach von einem betrieblichen Gesundheitsmanagement bei „Itzebitz“. Dazu gehören beispielsweise die Besichtigung des Arbeitsplatzes und dessen ergonomische Analyse, regelmäßige Unterrichtung in Gruppen, die Bezuschussung von Präventionskursen und die Kooperation mit Krankenkassen und mit Fitnessstudios, für deren Besuch „Itzebitz“ bis zu 200 Euro im Jahr dazu bezahlt. Sich auf diese Weise um die Mitarbeiter zu kümmern, das strahlt nach außen aus, so Haberland. In Großbottwar und Murr jedenfalls sei das Team komplett, offene Stellen, die nicht zu besetzen wären, gibt es nicht.

 „Konzept-e“, ein weiterer privater Anbieter von Betreuungsleistungen geht noch einen Schritt weiter. Das in Stuttgart ansässige Unternehmen, das in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern 40 Kitas betreibt, ist in Besigheim nahe der Friedrich-Schelling-Schule mit der Kita Abenteuerland vertreten. In zwei Gruppen ist dort Platz für bis zu 20 Kinder. Sechs Erzieher und die Teamleitung kümmern sich um die Belange der Jüngsten, „damit sind wir bestens besetzt“, sagt Christina Henning, die pädagogische Leiterin von „Konzept-e“, die ihren Sitz in München hat.

Thema Weiterbildung

Personal in einer Kleinstadt wie Besigheim zu finden, sei deutlich weniger problematisch als in Großstädten wie München, sagt Henning. Wie alle anderen Anbieter setzt sie darauf, den Erzieherinnen in der Arbeitszeit entgegen zu kommen, sprich die Teilzeit zu ermöglichen. Bis zum Jahr 2025 werde der Mangel an Fachkräften aber zunehmen, ist sie überzeugt. Um dem vorzubeugen, betreibt „Konzept-e“ seit mehreren Jahren eine eigene freie duale Fachschule für Pädagogik in Stuttgart und in Karlsruhe. Das Ausbildungsinstitut dient nicht zuletzt dazu, Quereinsteiger für den Beruf zu gewinnen, die dafür in den drei Jahren der Ausbildung eine Bezahlung erhalten. Weiterbildung sei ebenfalls ein großes Thema.

Und einfach die Gehälter erhöhen? Dieser Weg ist den privaten Trägern verwehrt. Zahlten sie mehr als den Tarif, konkurrierten sie mit den Kommunen. Die aber zahlen zu etwa zwei Dritteln die Betriebskosten der privaten Träger. Dabei verdiene ein anerkannter Erzieher mit 2900 bis 3100 Euro brutto gar nicht einmal so wenig, findet Christina Henning. Beim Gehalt habe sich in den letzten Jahren „eine ganze Menge getan“.

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