Besigheim / Susanne Yvette Walter  Uhr

Das Erzählcafé im Robert-Breuning-Stift, in dem sich Schüler und Senioren darüber austauschen, wie das Leben früher so lief und wie es heute geht, ist für beide Seiten ein Gewinn. Das Modell, das auf eine Kooperation der Senioreneinrichtung mit der Besigheimer Friedrich-Schelling-Schule zurückgeht, wurde jetzt für den Deutschen Engagementpreis nominiert.

„Weil heute in der Regel nicht mehr drei Generationen unter einem Dach leben und der Austausch zwischen Senioren, Kindern und Jugendlichen deshalb nicht mehr so stattfindet wie früher, haben wir im April 2018 das Erzählcafé ins Leben gerufen“, erinnert sich Diakonin Sibylle Zimmer an die Anfänge des Erzählcafés in der Cafeteria des Robert-Breuning-Stifts, das dort einmal im Monat abgehalten wird. Ende 2017/Anfang 2018 hatten  Mitglieder der Theater-AG der Friedrich-Schelling-Schule den Wunsch geäußert, mehr über ältere Menschen zu erfahren, „und dann gingen die Überlegungen auf beiden Seiten los“, so Sibylle Zimmer.

Auf dieser Basis ist zwischen der Theater-AG und dem Robert-Breuning-Stift eine Plattform entstandenn, auf der sich Kontakte zwischen Alt und Jung intensivieren können. „Immer wieder machen Schüler der Friedrich-Schelling-Schule auch ihr Sozialpraktikum hier“, erzählt Sibylle Zimmer.

„Die Kinder in der Theater-AG haben gemerkt, die Älteren haben viel zu erzählen und die Verantwortlichen vom Seniorenstift, der Schule und der evangelischen Kirchengemeinde haben sich an einen Tisch gesetzt und das Konzept für das Erzählcafé entworfen“, so Zimmer. Im April 2018 ging es los mit dem Thema „Meine Schulzeit“, berichtet die Diakonin. Seitdem findet einmal im Monat außerhalb der Schulferien das Erzählcafé zu verschiedenen Themen statt. Um „Konfirmation früher und heute“ ging es bereits und um „Kindheit im Krieg“, ein Thema, das sich die Senioren gewünscht haben.

Die Theater-AG der Schule besuchen Kinder der Klassen fünf bis acht, die mit dem Zweiten Weltkrieg noch nicht in der Schule in Berührung gekommen sind. „Die mussten wir erst einmal auf dieses Thema vorbereiten“, erläutert Zimmer. Zufällig ist sie auf ein Projekt des SWR gestoßen, eine Serie mit dem Titel „Kindheit im Krieg“. Einen Teil hat sich die Theater-AG angeschaut. „Das war ein Super-Einstieg in so ein schwieriges Thema, das uns erstmal Bauchweh gemacht hat“, erklärt die Diakonin.

 Im Erzählcafé findet viel Biografiearbeit statt, wie es Zimmer nennt. Beide Seiten profitieren davon, weil die Älteren sich bemühen, so zu erzählen, dass sie von der jüngeren Generation verstanden werden. Und die Schüler? „Die bemühen sich auch im Umgang sehr um die älteren Menschen, servieren ihnen  Kaffee und Kuchen und schauen, ob ihnen etwas fehlt“, hat die Diakonin beobachtet.

Und genau deshalb, weil bei diesem Modell die Zahnräder so selbstverständlich ineinander greifen, hat das Projekt bereits den Jugenddiakoniepreis „MachMit Award“ Baden-Württemberg erhalten und konnte sich dadurch nominieren lassen für den deutschen Dachpreis für freiwilliges Engagement. Bei einem Sieg würde das Projekt Erzählcafé in Besigheim mit 1000 Euro Preisgeld bedacht werden. „Nun geht es ins Rennen um den Preis der Preise für freiwilliges Engagement“, macht Sibylle Zimmer deutlich.

Als generationenübergreifendes Projekt nominiert

Der Deutsche Engagementpreis gilt als  Dachpreis für freiwilliges Engagement und wird  in fünf Kategorien vergeben. Er würdigt Einzelne, Initiativen, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen in ihrem Tun. „Zwischen 500 und 700 Projekte stellen sich bundesweit in allen fünf Kategorien vor“, erklärt Diakonin Sibylle Zimmer. Das Besigheimer Erzählcafé wurde in der Kategorie „generationenübergreifende Projekte“ nominiert. Außerdem gibt es die Kategorien „Chancen schaffen“, „Leben bewahren“, „Generationen verbinden“, „Grenzen überwinden“ und „Demokratie stärken“.  Bis zum 11. September wird bekannt gegeben, wer gewinnt. Danach gibt es laut Zimmer noch die Chance, einen Publikumspreis zu erreichen. suy