Besigheim Erster Schritt zu Schulsanierungen

Der Drache wacht vor dem Mittelbau der Friedrich-Schelling-Schule in Besigheim. Doch die Schule hat ein Platzproblem. Eine Lösung wäre ein parallel errichtetes Klassenzimmergebäude.
Der Drache wacht vor dem Mittelbau der Friedrich-Schelling-Schule in Besigheim. Doch die Schule hat ein Platzproblem. Eine Lösung wäre ein parallel errichtetes Klassenzimmergebäude. © Foto: Martin Kalb
Michael Soltys 15.05.2018

Rund 630 000 Euro gibt die Stadt Besigheim allein in diesem Jahr für die Unterhaltung (Reparaturen, Erneuerungen) und die Bewirtschaftung (Heizung, Strom, Wasser) ihrer Schulen aus. Doch damit ist es nicht getan. Einige Schulhäuser sind mehr als 40 Jahre alt, sie müssen umfangreich saniert werden. Brandschutzauflagen und die Unterrichtung mit modernen Medien machen weitere Investitionen notwendig. Was genau notwendig ist und in welcher Reihenfolge, das möchte die Stadt jetzt genauer wissen. Der Gemeinderat beauftragte deshalb drei Architekturbüros aus Besigheim mit einer Kostenzusammenstellung.

Steigende Schülerzahlen

Im Zentrum der Diskussion im Gemeinderat stand die Grundschule. Aus Sicht mehrerer Stadträte liegt es auf der Hand, dass die Schülerzahlen stark steigen werden, nicht zuletzt wegen der neuen Baugebiete im Bülzen. „Wir müssen noch viel machen“, sagte Christian Herbst von der SPD. „Die Grundschule hat keinen Platz mehr.“ Er vermisste generell einen Zeitplan für die Notwendigkeit von Sanierungen in den kommenden zehn Jahren. Ein Plan für die Installation von Medien an den Schulen sei ebenfalls dringend notwendig.

„Die Zeit arbeitet gegen uns“

„Es wird eine Welle kommen“, bekräftige Ulrich Gerstetter von der CDU die Sorgen des SPD-Stadtrates. Er möchte nicht erleben, dass es bei der Planung für neue Klassenräume „schnell, schnell, schnell“ gehen muss. „Wir können nicht innerhalb von zwei Jahren bauen“, sagte Gerstetter, der einen fertigen Plan ins Gespräch brachte. Achim Schober, ebenfalls CDU, forderte „aufs Tempo zu drücken“ und einen Medienentwicklungsplan zu erstellen, wenn möglich mit einer gemeinsamen Lösung für alle Schulen. Die Beauftragung der Architekten sei ein erster Schritt, sagte Schober, „die Zeit arbeitet gegen uns.“

Die Vorlage an den Gemeinderat und die Auftragsvergabe an die Architekten seien ein Versuch an verlässliche Zahlen zu kommen, entgegnete Bürgermeister Steffen Bühler. Für die Grundschule will die Stadt nach der Sommerpause eine konkrete Bedarfsplanung vorlegen, kündigte er an.

Welche Raumbedürfnisse es etwa an der Friedrich-Schelling-Schule gibt, müsse erst noch ermittelt werden, führte Stadtbaumeister Andreas Janssen aus. Damit ist das Beratungsunternehmen biregion beauftragt. Sollte sich herausstellen, dass mehr als drei neue Klassenräume notwendig sind, können parallel zum Mittelbau des Schulkomplexes ein kleines Klassenzimmergebäude erstellt werden, schlug Janssen vor.

Eine Marschrichtung hat sich die Stadt bereits im Sommer 2017 vorgegeben: Weiterführende Schulen werden nicht erweitert. Immer wieder war zuvor die Klage laut geworden, mit Schulerweiterungen besorge Besigheim das Geschäft der Nachbarkommunen, die ihre Kinder dorthin schicken, sich aber finanziell nicht beteiligen.

Zweiter Fluchtweg fehlt

Doch auch ohne solche hohen Investitionen bleibt noch genug zu tun. So fehlen beispielsweise Aufzüge, die Schulen sind nicht barrierefrei. Im Mittelbau der Friedrich-Schelling-Schule fehlt ein zweiter gesicherter Rettungsweg über ein Treppenhaus. Auch im Altbau fehlt ein zweiter Fluchtweg. Janssen sieht die Lösung in einer Stahltreppe vor der Süd- oder Nordfassade des Gebäudes. Damit könnte auch das Dachgeschoss erschlossen werden, wo es Platz für zwei weitere Klassenzimmer gibt.

Die Sanierung und Erweiterung der Realschule und die Renovierung nach der Brandstiftung im Jahre 2013 haben die Stadt bereits viel Geld gekostet. Allerdings sind immer noch etwa 60 Prozent der alten Fensterbandfassade „energetisch dringend sanierungsbedürftig“, stellt Janssen in seiner Vorlage fest. Die Stadt will allerdings ein neues Förderpaket der Bundesregierung abwarten. Vom Haupttreppenhaus müssen direkte Fluchtwege ins Freie gebaut werden. Der Musiksaal muss umfassend saniert werden, in Klassenträumen mangelt es an Schallschutz.

Im Gymnasium, wo die Fassadensanierung weit fortgeschritten ist, muss lediglich der erste Erweiterungsbau von 1972 noch saniert werden. Die Wände und Böden der Klassenzimmer müssen erneuert werden, möglicherweise ist auch eine Schallschutzdecke in einigen Räumen notwendig. In den Obergeschossen muss aus Gründen des Brandschutzes die abgehängte Decke ausgetauscht werden.