Besigheim / Michael Soltys  Uhr

Kahl, ungemütlich, wenig einladend – es ist noch nicht lange her, dass die Enzterasse direkt neben der alten Brücke in die Altstadt von Besigheim derart abfällig beurteilt wurde. Nicht zuletzt der schwierige Bauverlauf und eine mangelhafte Kommunikation der Stadt über die Gestaltung hatten das Misstrauen geschürt, sodass der vermeintliche Verlust über ein Stück unverfälschter Natur am Enzufer die positiven Seiten überdeckte. Das hat sich mittlerweile grundlegend geändert. An warmen Tagen ist die Enzterrasse zu einem Treffpunkt für viele Besigheimer geworden, die den Blick auf den Fluss und die Altstadt genießen wollen. Das gilt vor allem dann, wenn Michael Schopf, der Wirt des nahen Casablanca, an den Wochenenden seinen Stand auf dem Enzplatz öffnet und kühle Getränke und einen einfachen Imbiss verkauft, von Zeit zu Zeit untermalt mit dezenter Musik. Die Stadt hat robuste farbige Stühle aus Stahl aufgestellt, die sich nicht so leicht wegschleppen lassen und auch möglichem Vandalismus widerstehen.

Auf der gemähten Wiese

Das hat auf der anderen Straßenseite beim Vereinsheim des Radsportvereins ebenfalls dazu geführt, dass Nadine Hess auf die Idee gekommen ist, eine Gastronomie zu eröffnen, die sie „Weinfluss“ nennt. Auf der gemähten Wiese neben den Kastanien hat sie ihre Tische, Stühle und einige Liegestühle eingerichtet und bewirtet ihre Gäste von einem Bauwagen aus mit Getränken. Auch hier ist an den Wochenenden mittlerweile ein beliebter Treffpunkt entstanden.

„Man sitzt an beiden Plätzen sehr schön, um auf die Altstadt zu blicken“, sagt Sabine Keller, die Besigheimer Hauptamtsleiterin. Die Stadt hat den beiden Gastronomen den Betrieb probeweise genehmigt und wird am Ende der Saison eine Bilanz ziehen. Für die Hygiene ist ebenfalls gesorgt. Bei Bedarf gibt Casa-Wirt Schopf den Schlüssel für die von außen zugängliche Behindertentoilette der nahen Begegnungsstätte heraus. Nahe dem Radsportheim steht eine Dixi-Toilette.

Die Beliebtheit der Enzterrassen wollen die Stadt und die Felsengartenkellerei jetzt mit einer neuen Veranstaltung weiter fördern. Sie planen dort an diesem Wochenende, 29. und 30. Juni, als Premiere ein großes Weinfest, das sie „Fête 49 Grad“ nennen, nach dem Breitengrad, der durch Besigheim verläuft. Nach ihm sind auch die beiden Sekt-Cuvées der Genossenschaft benannt, die bei dem Fest neben den anderen Erzeugnissen der Felsengartenkellerei im Mittelpunkt stehen sollen.

Eröffnet wird die „Fête 49 Grad“ am Samstag, 29. Juni, 16 Uhr, von Bürgermeister Steffen Bühler und der Besigheimer Weinprinzessin Janina. Am Sonntag, 30. Juni, beginnt der Festbetrieb um 11 Uhr. An beiden Tagen ist Live-Musik in dem stimmungsvollen Ambiente geboten.

Die Stadt nutzt zudem die Gelegenheit, um ihr touristisches Programm in den Vordergrund zu stellen. Das Rahmenprogramm beinhaltet Planwagenfahrten und Fahrten mit dem dreirädrigen TukTuk von 15 bis 19 Uhr vom Enzplatz hoch zur Weinkanzel sowie Stocherkahnfahrten auf der Enz am Sonntag. Sie beginnen um 14 Uhr und sind kostenfrei.

Radsportverein beteiligt sich an Diskussion

Bei soviel Betrieb um ihn herum, will jetzt auch der Radsportverein reagieren. Auf der letzten Hauptversammlung fasste er den Beschluss, sich mit der Stadt in Verbindung zu setzen, um Möglichkeiten der Entwicklung zu erarbeiten. Denn bekanntlich steht die eigentliche Aufwertung des Geländes am Enzufer noch bevor. Die Parkplätze sollen entfallen, eine Promenade angelegt werden und ein kleiner Stadtpark entstehen – Pläne, die in Angriff genommen werden sollen, sobald der Bau von Parkhaus, Enzbrücke und Spielplatz gegenüber von Edeka in der Enzaue fertiggestellt sind. sol