Liedermacher Eng verbunden mit Walheim

Der Walheimer Klaus Goldmann (rechts) besitzt noch Schallplatten des Liedermachers Thomas Felder aus den 70er- und 80er-Jahren, wie „Nie wieder Frieden kriegen“, auf deren Hülle eine Danksagung an den verstorbenen Walheimer Lehrer Frieder Müller für dessen Anregungen abgedruckt ist.
Der Walheimer Klaus Goldmann (rechts) besitzt noch Schallplatten des Liedermachers Thomas Felder aus den 70er- und 80er-Jahren, wie „Nie wieder Frieden kriegen“, auf deren Hülle eine Danksagung an den verstorbenen Walheimer Lehrer Frieder Müller für dessen Anregungen abgedruckt ist. © Foto: Roland Willeke
Walheim / von Roland Willeke 14.05.2018

Seit nunmehr 48 Jahren kommt Thomas Felder – schwäbischer Liedermacher aus Reutlingen, Autor, Anti-Atom-Aktivist und Künstler  – „vo dr Alb ra“ auf die Kleinkunstbühnen im Ländle und in der Republik. Für seine Lieder, wie „Hao lang braucht zom komma ond hao no weit zum gao“ - für Nichtschwaben: „Habe lang gebraucht zum Kommen und habe noch weit zu gehen“ – hat der 65-jährige studierte Anglist und Kunsterzieher im Laufe seiner langen Karriere zahlreiche Preise erhalten, zuletzt 2012 den Jury-Preis des Sebastian Blau-Preises für Liedermacher.

Höchste Zeit, dass er einmal wieder nach Walheim kam, verbindet ihn mit Walheim doch eine Jahrzehnte lange Freundschaft mit der Familie des Walheimer Dorfschullehrers und Atomkraftgegners Frieder Müller, der unlängst im Alter von 88 Jahren verstorben ist. Einige der Felder’schen Lieder gehen auf die Anregung Müllers und anderer Freunde zurück. Daran wurde auch am Samstagabend erinnert. Ein Besucher präsentierte ein Platten-Cover aus dem Jahre 1984, auf dem auf die Entstehung der Platte „Nie wieder frieden kriegen“ hingewiesen wird. „Zu dieser Platte angeregt und unterstützt wurde ich vor allem durch Ivan Illich, Margret und Frieder Müller ...“

„Nie wieder Frieden kriegen“ war denn auch eines der ersten Lieder, die Felder in seinem mehr als zweistündigen Konzert präsentierte, dankbar aufgenommen von einem kleinen, aber umso treueren Kreis von Fans und Unterstützern. Für manche seiner Fans ist Felder der schwäbische Bob Dylan. Fast jeder der Dialoge n der Pause zwischen dem Künstler und seinen Zuhörern begann mit den Worten „Ich habe Sie zum ersten Mal vor über 30 Jahren gehört“.

Seit dem ist viel Wasser den Neckar hinabgeflossen. Das bedeutet aber nicht, dass die alten Lieder, die Felder im Wechsel mit jüngeren Werken vortrug, überflüssig geworden wären. Im Gegenteil! Das Lied von der „Mutter Kugel“ aus dem Jahr 1978, in dem sich die Mutter Erde von ihrem jüngsten Früchtchen, einem „Tier mit hohem Gang“, gemeint sind wir Menschen, verwundet und entstellt fühlt, ist aktueller denn je.

Und auch die „Kloene Kischdla“, die schwäbische Adaption des amerikanischen Protestsongs „Little Boxes“ von Malvina Reynolds gegen die amerikanische Mittelstands-Konformität – bekannt wurde der Song durch Pete Seeger und später auch Joan Baez – passt nach mehr als einem halben Jahrhundert gerade auch in unsere Zeit, die maßgeschneiderte und konforme Hochschulabgänger fordert, die man als Akademiker , Beamte oder Bankmanager wieder in „kloene Kischdla“ stecken kann. Von wegen, dass sich etwas geändert hätte. Vielleicht gerade darum heißt Felders aktuelles Programm auch „von wegen“.

Schon 1977 besang Thomas Felder „Das Feuer“, das die Bauern vor einem halben Jahrtausend im Bauernkrieg angefacht hätten und das es vor dem Verlöschen zu bewahren gelte. Hoffen wir, dass es Felder und seiner treuen Zuhörerschaft gelingt, die Flamme weiterzutragen, denn in zwei Jahren feiert der Künstler sein 50-jähriges Bühnenjubiläum und da will er wieder nach Walheim zurückkehren. Versprochen.

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