Ein bunter Festzug mit den Traktoren der Veteranenfreunde, Reitern, Musikkapellen, Ehrengästen und geschmückten Wagen bewegte sich Mitte Juli 2016 durch den Ortskern von Ottmarsheim. Es war der Höhepunkt der Festlichkeiten zu einem besonderen Jubiläum. Der kleine Ort, der seit der Kommunalreform Anfang der 70er-Jahre zu Besigheim gehört, wurde 1250 Jahre alt. Oder, um genauer zu sein: Vor 1250 Jahren, anno 766, wurde „Autmarsheim“, wie es damals noch geschrieben wurde, im Codex des Klosters Lorsch anlässlich einer Schenkung an das Kloster erstmals erwähnt.

Der Ort selbst dürfte deshalb noch ein paar Jahre älter sein, als es der Codex ausweist. Vermutlich entstand bereits um das Jahr 800 eine erste Kirche, die dem Heiligen Hippolyt geweiht und dem Bistum Würzburg unterstellt war. Allerdings wird ein Pfarrer erst 1244 ausdrücklich erwähnt. Im Jubiläumsjahr 2016 wurde die Hippolytkirche, ein späteres Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, umfassend saniert, die Ottmarsheimer schlossen sich zu einem Arbeitskreis zusammen und sammelten Spenden auf jede nur erdenkliche Art. Sogar ein Hippolytbier wurde gebraut und verkauft. Ehrenamtliche Autoren verbrachten viele Stunden im Archiv, um eine neue Ortschronik herauszugeben.

An der Grenze zum heutigen Landkreis Heilbronn gelegen, bedurfte es einiger kommunaler Neuordnungen, dass Ottmarsheim heute mit seinen rund 2500 Einwohnern zum Landkreis Ludwigsburg gehört und ein Ortsteil von Besigheim ist. Ende des 17. Jahrhunderts gelangte der Ort in den Besitz des Hauses Württemberg, wie die Stadt Besigheim in einem historischen Rückblick vermerkt. Als Besigheim 1820 Oberamtsstadt wird, gehörte Ottmarsheim dem Oberamt in Marbach an. Erst 1938, bei der damaligen Kreisreform, wurde der Ort dem Landkreis Ludwigsburg zugeordnet. Er blieb selbstständig – bis zur Kommunalreform im Jahr 1971. Die folgende Fusion zwischen Besigheim und dem gerade einmal 800 Einwohner zählenden Ottmarsheim war die erste „kommunale Eheschließung“ im Landkreis Ludwigsburg, vollzogen vom damaligen Bürgermeister Werner Grau und seinem Amtskollegen Walter Müller aus Ottmarsheim.

Lastwagenfahrern, Geschäftsleuten und vielen Arbeitnehmern dürfte der Ort jedoch aus einem ganz anderen Grund bekannt sein. Das gemeinsame Industriegebiet Ottmarsheimer Höhe war bei seiner Gründung im Jahr 1973 eine Innovation mit Vorbildcharakter bis in die heutige Zeit. Besigheim, Gemmrigheim, Hessigheim, Mundelsheim, Walheim und sogar der zum Kreis Heilbronn gehörende Ort Neckarwestheim schlossen sich damals zusammen, um gemeinsam Firmen anzusiedeln und sich die Gewerbesteuern zu teilen, damals durchaus ein Risiko angesichts der notwendigen Investitionen in die Erschließung. Im engen Neckartal hätten sonst viele Gemeinden eigene Industriegebiete ausweisen müssen, wozu schlicht der Platz fehlt.

Heute zeigen die Haushaltszahlen, in welch bedeutendem Umfang die Entscheidung von damals zum wirtschaftlichen Erfolg der beteiligten Städte und Gemeinden beigetragen hat. Renommierte Firmen wie der Logistikdienstleister Lila Logistik, die Lear Corporation, ein Hersteller von Autositzen, die LQ-Gruppe, ein Spezialisten für Steuerungs- und Installationstechnik, und viele kleine und mittlere gewerbliche Betriebe bieten eine Vielzahl attraktiver Arbeitsplätze.

Bei der Verabschiedung des Haushaltes für 2018 wurden folgende Zahlen bekannt gegeben: Seit 1973 haben die beteiligten Kommunen 71 Millionen Euro Gewerbesteuer und fünf Millionen Euro Grundsteuer eingenommen und je nach Höhe ihrer Beteiligung unter sich aufgeteilt. In dieser Zeit haben die Kommunen lediglich 2,1 Millionen Euro einbezahlen müssen. Allein 2016 flossen 6,3 Millionen Euro Gewerbesteuer in die Kassen, 2017 waren es etwa 2,9 Millionen Euro. Seit 1992 ist der Verband schuldenfrei, er hatte etwa 3,3 Millionen Euro an Kredit aufnehmen müssen, um Grunderwerb und Erschließung zu bezahlen.