Vom Weinbau her traumhaft“ sei das Jahr 2018 gewesen, sagt der Vorstandsvorsitzende Dr. Götz Reustle von der Genossenschaft unterhalb der Felsengärten, man könne es sich kaum besser vorstellen. Obwohl das Jahr von Hitze und Dürre geprägt war, war das Ergebnis gut, bei manchen Sorten sogar sehr gut. Bis 110 Grad Öchsle habe es zuweilen Premiumlagen gegeben. Cabernet Franc, Traminer und auch Spätburgunder hätten diese Rekordwerte erreicht, sagt Reustle. „Cabernet Franc ist die Sorte, die wir 2009 in den Steillagen gepflanzt haben und die mit den extremen Bedingungen besonders gut zurecht kommt. Erste Weine gab es im Jahr 2011 von der Sorte, bei der mit niedrigen Erträgen gearbeitet wird. Das bedeutet kurze Rebbögen mit weniger Trauben, die aber dafür bessere Öchslegrade erreichen. Unter 100 Kilo pro Ar sei hier der Ertrag, was im Vergleich mit dem Trollinger mit 180 Kilo wenig ist. „Er verkauft sich gut und wir fördern den Anbau“, sagt der Vorstand, der auf die neuen Sorten setzt.

„Es braucht eine gewisse Vielfalt“, so Reustle, und auch eine gute Vermarktung. Aus diesem Grund fällt der Cabernet unter den Begriff „Steile Weine“, ein EU-Projekt, das mit dem Land als Projektträger gerade in der Antragsphase ist. Es sehe für die Felsengartenkellerei gut aus, auch in die zweite Phase der Umsetzung zu kommen, die im Januar anläuft. Der Sortenwechsel zu Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon soll dabei die Vermarktungsseite verbessern, ein bis zwei Hektar will man dafür nutzen.

Die Erhöhung der Landesförderung für Steillagen von 900 auf 3000 Euro pro Hektar sei ein wichtiger Schritt zum Erhalt der Steillagen, verdeutlicht Reustle. Zusätzlich zur einmaligen Landesförderung bei einem Sortenwechsel gibt die Kellerei einmalig 18 000 Euro pro Hektar dazu. Doch die Bewirtschaftung ist schwierig und ein Überleben der jetzigen Kulturlandschaft in ihrem jetzigen Ausmaß kaum zu schaffen. Der Nachwuchs fehlt und gesetzliche Hürden machen es den Winzern oftmals schwer. So gebe es zwar für den Wiederaufbau von Trockenmauern eine Förderung, doch die eben nur, wenn die Mauern schon eingestürzt seien. Wengerter, die über Jahre ihre Mauern instand halten, gingen leer aus, kritisiert Reustle.

Alleinstellungsmerkmal

Die Eidechse sei das Markenzeichen der Felsengartenkellerei, die es zu pflegen gelte. Man habe hier ein Alleinstellungsmerkmal, das die Basis für die Arbeit sei. „Aber wir müssen reduzieren“, warnt der Vorstandschef, und das so, dass man das Alleinstellungsmerkmal nicht verliere.

Der Trollinger habe ein Problem am Markt, und er ist mit 25 Prozent der 700 Hektar Anbaufläche noch immer der Spitzenreiter. Es folgen mit jeweils rund 15 Prozent Lemberger, Schwarzriesling und Weißriesling. Die „Exoten“ machen nur knapp ein Prozent der Fläche aus, und sie sollen gestärkt werden. Der Kunde will heute auch das Besondere, ist Reustle überzeugt, und das müsse man auch anbieten.

„Der touristische Aspekt wird immer bedeutender“, sagt er zum direkten Kontakt mit den Kunden. Aus diesem Grund habe man rund 300 Veranstaltungen übers Jahr, von denen die Weinbergtouren besonders gefragt seien. Optimistisch ist Reustle beim Anteil von 38 Prozent, den deutsche Weine in den Kundenregalen ausmachen. „Ein Riesenpotenzial für die Vermarktung, aber der Wettbewerb ist groß.“ Deshalb sucht man Kooperationen und den Kontakt zum Kunden. Mit den badischen Weinhäusern sei man in deutschen Metropolen bundesweit vertreten, ein eigenes Württemberger Weinhaus gebe es nur in Berlin. Doch man ist viel auf Messen, wo für die Kellerei inmitten der Steillagen-Landschaft geworben wird. Marketing und Werbung seien heute wichtiger denn je, um die guten deutschen Weine bekannter zu werden. Dann könnten aus den 38 Prozent auch mehr werden.