Schwerpunkt Seen Ein See voller Geschichten

Vom Gelände des Tennisclubs aus schaut ein Nachbar über den Zaun auf den Amann-See, der heute von den Anglerfreunden genutzt wird.
Vom Gelände des Tennisclubs aus schaut ein Nachbar über den Zaun auf den Amann-See, der heute von den Anglerfreunden genutzt wird. © Foto: Martin Kalb
Uwe Deecke 14.07.2018

Ein wenig versteckt liegt der Amann-See neben dem Tennisplatz. Genutzt wird er heute von den Anglerfreunden Bönnigheim, die das Gewässer von der Stadt gepachtet haben. Früher war er im Winter beliebter Treffpunkt zum Schlittschuhlaufen für die Bönnigheimer. Auch für die prominenteren Bönnigheimer, berichtet Paul Wenz, der  lange Jahre bei der Firma Amann als Exportleiter tätig war. „Es war unser See“, sagt Wenz, der hier auch selbst  auf Schlittschuhen unterwegs war. Denn in näheren Umgebung Bönnigheims gibt es sonst kein Gewässer, das sich  dafür eignete.

Den See habe die Firma Amann schon vor dem Krieg anlegen lassen, um Wasser für die Färberei zu bekommen, weiß Kurt Sartorius, Vorsitzender der Historischen Gesellschaft.  Auf dem Amann-Gelände habe es drei Brunnen gegeben, die aber irgendwann nicht mehr ausreichten. Daher habe man das Wasser gestaut und über eine Leitung aufs Firmengelände gebracht. Zum Kriegsende habe der kleine See noch einen Zweck erfüllt: Hier landeten, erinnert sich Sartorius, alte Nazi-Bilder und Sachen aus der Hitlerzeit, die man verschwinden lassen wollte. Es sei sehr gut möglich, dass im See noch so manche Überraschung liege, vermutet Ortshistoriker Sartorius.

Auch für das Freibad wurde der See genutzt. Früher gab es dort ein Wärmepumpe, die das Wasser aus dem See ans Freibad brachte um es zu beheizen. Die Leitung sei aber stillgelegt worden bei der letzten Renovierung des Freibades. Auch Sartorius war unter den Schlittschuhläufern im Winter. „Da war richtig was los“, erinnert er sich an alte Zeiten. Er selbst war zwar kein guter Schlittschuhläufer, habe aber trotzdem gerne beim Winterspaß mitgemacht, wo sich auch die Bönnigheimer Mädchen trafen.

Heute ist hier kein Treffpunkt mehr und es gibt auch keine Schlittschuhläufer, denn der See ist eingezäunt. Die Angelfreunde Bönnigheim haben das Gewässer nach beharrlichem Einsatz bei der Stadt im Jahr 1994 erstmals pachten können. Danach folgten die  Befestigung des Ufers und der Angelplätze, der Bau eines Geräteschuppens und eines Bootshäuschens sowie der Bau einer Slip-Anlage für ein Ruderboot.

Ein eigenes Vereinsheim durften die Angler dort aber nicht bauen. Stattdessen wurde der Vorplatz daher gepflastert und eine Pergola errichtet, damit auch die Vereinsmitglieder bei schlechtem Wetter ein schützendes Dach über dem Kopf haben.

Der See verfügt heute über einen allgemein vielseitigen Fischbesatz mit Hecht, Zander, Spiegel- und Schuppenkarpfen, Schleien, Rotaugen, Rotfedern und Barschen, im Frühjahr werden dort auch einige Forellen gesetzt. Angeln kann heute dort jeder der einen Sachkundenachweis und einen Angelschein besitzt. Ab dem 1. Mai jeden Jahres können Angler Tageskarten erwerben, mit denen am Samstag, Sonntag oder Feiertag ganztägig unter Berücksichtigung der gesetzlichen Angelzeiten geangelt werden kann.

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