Besigheim Ein Händchen fürs Open Air

Im vergangenen Jahr war "Nathan der Weise" ein voller Erfolg für die Besigheimer Studiobühne. Foto: Helmut Pangerl
Im vergangenen Jahr war "Nathan der Weise" ein voller Erfolg für die Besigheimer Studiobühne. Foto: Helmut Pangerl
GABRIELE SZCZEGULSKI 20.06.2013
Nathan der Weise, Dracula, der Menschenfeind - sie belebten schon den atmosphärisch-schönen Garten des Besigheimer Steinhauses. Ab 13. Juli treibt der Alchimist sein Unwesen.

Für klassisch-historische Theateraufführungen ist der Garten des Besigheimer Steinhauses nahezu wie geschaffen. Das erkannte die Besigheimer Studiobühne schon früh und belebt ihn seit vielen Jahren - den Widerständen ruhebedürftiger Nachbarn zum Trotz - mit sehenswerten Freilichtaufführungen. Dafür wurde das Theaterensemble schon mehrfach ausgezeichnet. Auf der Spielliste der letzten sechs Jahre stehen: "Der fröhliche Weinberg", "Der zerbrochene Krug", "Der Menschenfeind", "Schluck und Jau", "Dracula" und "Nathan der Weise".

Im Moment bereitet die Studiobühne ihr neuestes Openair-Stück vor: "Der Alchimist" wird wieder genauso in das Ambiente passen wie all die anderen fiktiven Theaterfiguren. Der Studiobühne gelingt es auch immer wieder, die Atmosphäre in dem Garten des mittelalterlichen Hauses dergestalt zu illuminieren und einzurichten, dass das Publikum sich in eine andere Zeit versetzt fühlt.

Meistens ist für die Freilichtaufführungen Claudia Enchelmaier als Regisseurin zuständig. Sie versteht es, den Flair der jeweiligen Zeit, das Geheimnisvolle des Stoffes und die Stimmung mit dem Ensemble zu vermitteln. Entscheidend ist da auch die Stückeauswahl und dafür hat Enchelmaier, was bewiesen ist, ein Händchen. Auch der Romanbestseller "Der Alchimist" von Ben Jonson verspricht viel: In London, Anfang des 17. Jahrhunderts, wütet die Pest, viele Bewohner sind bereits vor der Seuche geflohen. So auch der Eigentümer des Hauses, in dem sich das Gaunertrio Dunst, Lips und die Dirne Dortchen einquartiert haben. Der gewiefte Dunst nutzt den tief verwurzelten Glauben der Menschen an das Übersinnliche, vor allem aber an die Alchemie, schamlos aus: Sowohl reichen als auch armen Bürgern gaukelt er vor, Gold künstlich herstellen zu können. Die Warteschlangen vor dem Haus werden täglich länger. Die Hoffnung auf plötzlichen Reichtum scheint den gesunden Menschenverstand auszuschalten. Ben Jonson teilt die Menschheit in ausbeutende Schufte und leichtgläubige Opfer. Erfolg hat, wer schlau ist. Der Traum vom großen Reichtum hat auch heute nichts von seiner Anziehungskraft verloren. "Der Alchimist" spielt in der Vergangenheit - ist doch aktuell.

Info Premiere von "Der Alchimist" mit der Besigheimer Studiobühne im Garten des Steinhauses ist am Samstag, 13. Juli, 20 Uhr. Weitere Aufführungen immer am Wochenende bis zum 4. August. Kartenreservierung unter Telefon (07143) 96 70 53 oder auf