Besigheim Die Privaten verkaufen Baugrund nicht

Das Baugebiet Bülzen-Ost. Mit seiner Besiedelung sind die Entwicklungsmöglichkeiten in Besigheim an einem vorläufigen Ende angelangt. Im Flächennutzungsplan der Region könnte eine Erweiterung ausgewiesen werden.
Das Baugebiet Bülzen-Ost. Mit seiner Besiedelung sind die Entwicklungsmöglichkeiten in Besigheim an einem vorläufigen Ende angelangt. Im Flächennutzungsplan der Region könnte eine Erweiterung ausgewiesen werden. © Foto: Martin Kalb
Besigheim / Michael Soltys 16.05.2018

Es ist das Ergebnis, dass alle Beteiligten erwartet haben: In Besigheim gibt es zwar Baulücken, aber sie sind für den freien Markt nicht verfügbar. Die privaten Besitzer jedenfalls wollen aus vielerlei Gründen nicht verkaufen. Die Folgen aus Sicht der Stadt, die in dieser Sache die Besitzer gefragt hatte: „Die Stadt hat keine Einflussmöglichkeit auf die Bebauung dieser Wohnlücken.“ Das stellt Heike Eckert-Maier, die Leiterin des Stadtplanungsamtes, in der Vorlage an die Mitglieder des Technik- und Umweltausschusses fest, der an diesem Dienstag darüber beraten hat.

Mehr als fünf Hektar Fläche in den Ortskernen von Besigheim und Ottmarsheim könnten aktuell bebaut werden. Das ist in etwa die Fläche, die das aktuelle Baugebiet Bülzen-Ost (5,2 Hektar) umfasst. Ein Teil davon liegt sogar in den Wohngebieten, die erst in den letzten Jahren entstanden sind, im Bülzen beispielsweise oder in den Kreuzäckern in Ottmarsheim.

Die Stadt hatte im Herbst letzten Jahres alle 126 Besitzer der Grundstücke angeschrieben und nach ihrer Bereitschaft zum Verkauf gefragt. Sowohl in Besigheim (46,1 Prozent) als auch in Ottmarsheim (45,8 Prozent) meldete sich etwa die Hälfte zurück, insgesamt 57 Eigentümer. Und nur ein einziger gab an, unter Umständen verkaufen zu wollen. Die weit überwiegende Mehrheit (50) will dagegen abwarten und hält das Grundstück für Kinder oder Enkel zurück. Einige wenige (3) sehen es als Kapitalanlage oder nutzen es als Hausgarten (3).

Gespräche mit der Region

Auf die Innenentwicklung, wie sie politisch gefordert wird, um den Flächenverbrauch zu reduzieren, kann Besigheim also nicht setzen, will die Stadt Bauplätze schaffen. Das ist ein zentrales Argument für die Gespräche mit der Region Stuttgart über den neuen Flächennutzungsplan, der 2019 verabschiedet werden soll. Es dient der Begründung, warum Besigheim neue Baugebiete außerhalb der Ortschaft ausweisen möchte und legt damit die Basis für die baulichen Erweiterungen bis zum Jahr 2035.

Denn mit der Besiedelung von Bülzen-Ost ist die Stadt am Ende ihrer Entwicklungsmöglichkeiten angelangt. Das hatte Bürgermeister Steffen Bühler in Gesprächen mit der BZ immer wieder betont. Eine Option ist dabei die Verlängerung von Bülzen-Ost weiter in Richtung Osten.

Möglicherweise würde das Ergebnis der Umfrage aus Sicht der Stadt etwas positiver ausfallen, wenn es in den früheren Abschnitten im Bülzen oder in den Kreuzäckern in Ottmarsheim bereits eine Bauverpflichtung für die Eigentümer gegeben hätte. Doch zu diesem Mittel hat die Stadt erst im Gebiet Bülzen-Ost gegriffen. Kommen die Besitzer der Verpflichtung nicht nach, hat die Stadt ein Rückkaufsrecht.  „Das steht so im Grundbuch“, sagt Heike Eckert-Maier. Der angenehme Nebeneffekt: Die Grundstücke, die mit einer Bauverpflichtung versehen sind, werden in den Gesprächen mit der Region ebenfalls nicht auf den Flächenbedarf der Stadt angerechnet. Trotz der auf den ersten Blick negativen Zahlen stellt Eckert-Maier fest, dass es in Besigheim in den vergangenen Jahren eine „gut funktionierende Innenentwicklung“ gegeben habe. Immerhin waren 2011 noch 94 unbebaute Grundstücke (4,48 Hektar) allein in Besigheim gezählt worden, 2017 waren es noch 78 (3,6 Hektar). Damit seien pro Jahr etwa 0,15 Hektar Baugrund aktiviert worden. Das reiche jedoch nicht, so Eckert-Maier, „weder für die Eigenentwicklung noch für die Zuwanderungsgewinne.“

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