Besigheim Die Pendler sollen künftig zahlen

Immer gut belegt und bisher noch umsonst: der Parkplatz auf der Enzwiese beim Radsportheim. Das kann sich schon bald ändern. Die Stadt bereitet die Erhebung von Gebühren vor. Plkatz für sie wäre am Bahnhof.
Immer gut belegt und bisher noch umsonst: der Parkplatz auf der Enzwiese beim Radsportheim. Das kann sich schon bald ändern. Die Stadt bereitet die Erhebung von Gebühren vor. Plkatz für sie wäre am Bahnhof. © Foto: Martin Kalb
Michael Soltys 07.06.2018

Es war eine langwierige Diskussion, als es am Dienstag im Gemeinderat von Besigheim um die künftige Parkregulierung in der Stadt ging. Sie war gedacht, um Ideen zu sammeln, wo eine Parkscheibenregelung ausreicht, wo wie lange geparkt werden darf und wo Gebühren erhoben werden sollen. Zumindest wollte es Bürgermeister Steffen Bühler so verstanden wissen. Doch der CDU-Fraktion im Gemeinderat geht alles viel zu langsam. Sie stellte einen eigenen Antrag mit vielen Gegenvorschlägen und drängte darauf, möglichst bald schon aktiv zu werden: an erster Stelle an der Enzwiese beim Radsportheim gegenüber der Altstadt.

 Unter den Kastanien auf der Enzwiese parken viele Pendler von außerhalb noch umsonst. Sie gehen die paar Schritte zu Fuß zum Bahnhof. Dort gibt es zwar auch einen Park- und Ride-Parkplatz. Der aber kostet Gebühren, weshalb ein Teil der Platzes Tag für Tag leer steht, während die Enzwiese gut ausgelastet ist. Das hat jetzt wieder ein Gutachten bestätigt, das die Stadt in Auftrag gegeben hat, um die Parkkonzeption vorzubereiten.

CDU will nicht länger warten

Sobald das neue Parkhaus gegenüber Edeka fertig ist, grob gerechnet in zwei Jahren, soll der Parkplatz an der Enzwiese geräumt werden, weil es dort mit der Umgestaltung zur Enzaue weitergehen soll. So die bisherige Marschroute der Stadtverwaltung. Anders die CDU: Sie möchte schon jetzt wissen, wie die Autofahrer reagieren werden, wenn der Parkplatz nicht mehr umsonst benutzt werden kann, begründete ihr Sprecher Achim Schober den Antrag. Drängen sie in die Nebenstraßen, wo das Parken ebenfalls noch umsonst, wenn auch zeitlich begrenzt ist? Oder parken Sie dann lieber gleich am Bahnhof? Denn nach den Vorstellungen der CDU soll die Enzwiese bald genausoviel kosten wie die Park- und Ride-Anlage: 1,50 Euro für das Tagesticket und 12 Euro für die Monatskarte. Ist es überhaupt notwendig den Parkplatz am Bahnhof zu erweitern, was bisher im Raum steht?
 Mit diesem Vorschlag setzte sich die CDU durch. Bürgermeister Bühler drängte allerdings darauf, die Auswirkungen auf die Nebenstraßen rund um den Edeka, auf die Marienstraße und die Froschbergsiedlung gutachterlich untersuchen zu lassen, bevor der Gemeinderat im Juli oder August eine Entscheidung fällt, ob ein Parkscheinautomat aufgestellt wird. Die Kosten dafür betragen zwischen zehn und zwölftausend Euro. Adolf Eisenmann von den Freien Wählern warnte: Er könne sich an Zeiten erinnern, als Pendler in der Froschbergsiedlung geparkt hätten und über die Gleise zum Bahnhof gegangen seien. Die „Vergrämungsaktion“ der parkenden Autos an der Enzwiese sei ihm sympathisch, sagte dagegen Christian Herbst von der SPD.

In einem zweiten Punkt zeigte sich im Gemeinderat eine breite Übereinstimmung: In der Hauptstraße und der Kirchstraße soll das Parken mit Parkscheibe auf eine halbe Stunde begrenzt werden. Das reicht für zügige Erledigungen, so CDU-Sprecher Schober, nach dessen Berechnungen 30 Parkplätze betroffen sind. Unterstützung bekam er von Walter Zeyhle, dem Sprecher der Freien Wähler und seinem Fraktionskollegen Friedrich Köhler: Wer länger in der Altstadt zu tun hat, könne vom Parkplatz am kleinen Neckerle aus zu Fuß gehen, sagte Köhler.

Kollar wehrt ab

Davon allerdings will Hansjörg Kollar, Mitglied der BMU-Fraktion und Vorsitzender des Marketing Concepts Besigheim gar nichts wissen. Er will es bei der bisherigen Zwei-Stunden-Regelung belassen. Die 30-Minuten-Regelung schade den Dienstleistern und der Gastronomie in der Stadt, sagte er. Ältere Menschen und Fußkranke, die länger für ihre Erledigungen brauchen, werden ausgeschlossen. Auch der Idee des Bewohnerparkens in der Altstadt kann er wenig abgewinnen. „Die Parkplätze sollten den Kunden der Geschäftsleute vorbehalten bleiben.“

CDU macht eine ganze Liste von Vorschlägen

Der Antrag der CDU, der als Beschlussantrag gestellt war, fließt jetzt in die weitere Beratung ein. Neben der Erhebung von Gebühren für die Enzwiese und der Begrenzung der Parkzeit auf 30 Minuten in Kirch- und Hauptstraße hat die CDU eine Reihe weiterer Vorschläge formuliert: Auf dem Parkplatz Kleines Neckerle, dem Parkplatz beim Layher-Haus und im neuen Parkhaus beim Edeka sollen Parkscheinautomaten aufgestellt werden. Die ersten beiden Stunden sollten kostenfrei sein. Auf den Parkplätzen Kelterplatz und in den beiden Tiefgaragen unter dem Kelterplatz und dem Rathaus darf mit Parkscheibe zwei Stunden geparkt werden. Den Beschäftigten und den Anwohnern in der Altstadt werden Zeittickets angeboten. Die Parkplätze müssen verständlich ausgeschildert werden.

Die Parkgebühren bleiben in jedem Fall moderat. Besigheim will sich wie in der BZ berichtet an die Gebührenregelung in Bietigheim-Bissingen anlehnen. Beigeordneter Klaus Schrempf nannte eine Gebühr von zehn Cent pro Stunde. Wird das neue Parkhaus bewirtschaftet, ergeben sich für die Stadt hohe steuerliche Vorteile. Für Bürgermeister Steffen Bühler stellt sich die Frage, ob das Finanzamt noch mitspielt, wenn die ersten beiden Stunden umsonst sind. sol

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