Besigheim Die Lust an der Musik erleben

Karin Koller vom Förderkreis für Behinderte (links) bereitet den Workshop gemeinsam mit Musikschulpädagogin Getraude Hollstein vor. Foto: Martin Kalb
Karin Koller vom Förderkreis für Behinderte (links) bereitet den Workshop gemeinsam mit Musikschulpädagogin Getraude Hollstein vor. Foto: Martin Kalb
MIRIAM STAUDACHER 18.06.2013
Ein Projekt in Besigheim führt behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen. Bei einem Workshop lernen sie, gemeinsam zu musizieren und zu tanzen. Er endet mit einer öffentlichen Aufführung.

"Wir von der Musikschule in Besigheim sind ja immer auf der Suche nach neuen Ideen, neuen Projekten. Und in Zeiten der Inklusion lag es nahe, dass wir einmal ein Musikprojekt für Menschen jeden Alters mit und ohne Handicap anbieten wollten", sagt Gertraude Hollstein, eine der beiden Initiatorinnen des Workshops "Nach Herzenslust musizieren und tanzen wie der Lump am Stecken". Der erste Workshop dieser Art im Oktober 2012 hatte so großen Anklang gefunden, dass Gertraude Hollstein und ihre Mitstreiterin Karin Koller, die Vorsitzende des Förderkreises für Behinderte Besigheim und Umgebung, Ende Juni zum zweiten Mal ins Steinhaus einladen.

"Beim ersten Musikworkshop hatte sich ganz deutlich gezeigt, dass Musik Menschen verbindet, egal welche Sprache man nun spricht oder ob man ein Gebrechen hat oder nicht. Musik fördert auf jeden Fall die persönliche Entwicklung", sagt Karin Koller, die seit vielen Jahren die Geschicke des Förderkreises leitet und stets offen ist für neue Kooperationen.

Die Musikschullehrerin und Brenz-Band-Musikerin Gertraude Hollstein kann da nur beipflichten: "Musik ist auf keinen Fall schädlich. Im Gegenteil: Ich habe schon oft erlebt, dass ein anfänglich zurückhaltender Mensch mit Behinderung bei der Begegnung mit Musik regelrecht aufgeblüht ist", sagt Gertraude Hollstein. Beide Initiatorinnen haben die Erfahrung gemacht, dass es dann auch eher die sogenannten Nichtbehinderten sind, die bei Veranstaltungen dieser Art eine größere Hemmschwelle zu überwinden haben: "Behinderte Menschen sind in der Regel viel offener und gehen oft viel unbefangener an eine neue Erfahrung heran", sagen die Veranstalterinnen.

Im Gegensatz zum Workshop im Herbst letzten Jahres, bei dem ausschließlich gemeinsam musiziert wurde, haben Gertraude Hollstein und Karin Koller jetzt noch eine Tanzpädagogin mit ins Boot genommen: "Marion Wirth, die an der VHS Tanzkreise leitet, wird mit den tanzwilligen Workshop-Teilnehmern einfache Tänze einstudieren", berichtet Gertraude Hollstein. "Dabei geht es nicht um besondere Schrittfolgen oder gar komplizierte Choreografien, sondern um die reine Lust an der Bewegung", stellt die Musikpädagogin Hollstein klar. Mitmachen könne im Übrigen jeder, der Musik mag und ein bisschen Mut mitbringt, so die beiden Organisatorinnen. "Man muss auch kein Instrument spielen können, nur eben Lust haben, mal was auszuprobieren", so Karin Koller.

Instrumente sind in Fülle vorhanden: Die Musikschule in Besigheim, an der Gertraude Hollstein unterrichtet, stellt ebenso Instrumente zur Verfügung wie die Brenz-Band. Instrumente aus der privaten Sammlung von Gertraude Hollstein und von Horst Tögel, dem Leiter der Brenz-Band, komplettieren das Sammelsurium. "Da sind auch viele selbstgefertigte Instrumente darunter, die auch für Menschen mit ausgeprägtem Handicap leicht zu spielen sind", erläutert Gertraude Hollstein. Das gemeinsam Erlernte und Erlebte soll dann am Abend nach dem Workshop öffentlich aufgeführt werden, wobei die Konzertgäste ausdrücklich zum Mitmachen aufgefordert sind. "Es wäre schön, wenn die Besucher dann auch das Tanzbein schwingen würden", wünschen sich Karin Koller und Gertraude Hollstein.

Instrumente werden gestellt