Besigheim / Michael Soltys

Mit der Verabschiedung mehrerer Sanierungsprogramme hat die Stadt in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten wichtige Projekte und Bauvorhaben finanziell gefördert, eigene sowohl wie private. In seiner Sitzung am Dienstag hat der Gemeinderat jetzt beinahe die gesamte historische Altstadt zum Sanierungsgebiet erklärt.

Im Unterschied zu früheren Programmen gibt es dieses Mal allerdings keinen finanziellen Zuschuss, sollten Straßen, Wege, Häuser oder Plätze städtebaulich aufgewertet werden. Dies ist nicht möglich, weil Teile des Gebietes bereits zuvor städtebaulich gefördert wurden, erläuterte Heike Eckert-Maier, die Leiterin des Stadtplanungsamtes. Stattdessen können die Bauherren mit einer erhöhten steuerlichen Abschreibung rechnen, sollten sie Häuser instandsetzen oder modernisieren.

Sinnvoll ist die Ausweisung als Sanierungsgebiet allemal: Die gesetzlich geforderte Untersuchung des Areals hat schwere städtebauliche Missstände ergeben, die in der Sitzung von Ulrike Datan und Marion Bürkle, beides Mitarbeiterinnen der Stadtentwicklungsgesellschaft Steg, vorgestellt wurden. Insgesamt 13 Gebäude im Kern der Altstadt stehen leer oder werden bald leerstehen. An verschiedenen Stellen mangelt es an der Aufenthaltsqualität, das Stadtbild wird durch Werbeanlagen, Aufsteller oder Automaten beeinträchtigt, stellen die beiden Planerinnen fest.

Substantielle Mängel

Im gesamten Stadtgebiet gibt es Gebäude mit erheblichen bis substanziellen Mängeln, der Bedarf an Sanierung und Modernisierung sei hoch. Der Befund überrascht nicht, ist doch ein Großteil der Häuser in der Altstadt vor dem Jahr 1850 errichtet worden. Etwa 41 Prozent der Häuser sind 200 Jahre alt und älter. Zwischen 1850 und 1930 wurden 23 Prozent gebaut. In energetischer Hinsicht sei der Zustand vielfach mangelhaft. Auf rund zwei Millionen Euro schätzt die STEG den Finanzierungsbedarf der Stadt, um notwendige Grundstücke zu erwerben, nicht mehr erhaltenswerte Gebäude abzureißen und andere, erhaltenswerte Häuser zu sanieren.

Das Ziel der Ausweisung als Sanierungsgebiet ist die Sicherung von bestehenden Wohnungen und die Verbesserung der Wohnqualität. Mittels der Sanierung sollen zeitgemäße Wohnverhältnisse geschaffen werden, zugleich soll der Charakter der Quartiere mit ihren denkmalgeschützten Häusern erhalten bleiben.

Eine besondere Rolle schreiben die beiden Planerinnen den Gebäuden in der Bügelestorstraße 12 und 15 zu. Die Hausnummer 12 könnte als Restaurant, Atelier oder Ausstellungsraum genutzt werden, die Kosten werden auf 300 000 Euro geschätzt. Das Gelände drumherum bietet sich als Freiluftkino oder für eine Außengastronomie an. Eine museale Nutzung schwebt den STEG-Mitarbeiterinnen für das Gebäude mit der Hausnummer 15 vor. Dafür müssten 550 000 Euro aufgebracht werden.

Eine lange Liste weiterer Vorschläge zeigt auf, wo es Verbesserungsbedarf gibt: an Häusern, Grünflächen, Freiflächen und Straßenkreuzungen wie der Einmündung der Bügelestorstraße in die Hauptstraße. Etwa 22 Prozent der privaten Eigentümer können sich vorstellen, in ihre Häuser zum Zweck der Modernisierung zu investieren. Das zeigt eine Umfrage der STEG-Planerinnen. 38 Prozent der Eigentümer gehen von einem Modernisierungsbedarf aus, als neuwertig stufen 62 Prozent ihre Häuser ein. Eine fehlende Dämmung von Dächern und der Außenfassade wird häufig als substanzieller Mangel benannt.

Info Mit der Verabschiedung der Satzung am Dienstag bekommt die Stadt ein allgemeines Vorkaufsrecht in der Altstadt. Die bisher bestehende Satzung über das Vorkaufsrecht wurde deshalb aufgehoben.