"Kreative Leistung fällt nicht vom Himmel. Sie ist das Resultat harter Arbeit", heißt es in einer Infomappe der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte - kurz Gema. So, wie ein Erfinder durch ein Patent an der Verwertung seiner Idee partizipieren kann, will die Gema nach eigenem Anspruch dafür sorgen, dass auch Komponisten, Textdichter oder Musikverlage für die Aufführung ihre Werke eine "angemessene Vergütung" bekommen. Es gilt somit auch für Vereine: Eine öffentliche Veranstaltung, bei der Musik ertönt - ob von einer Live-Band, einem DJ, oder aus der Konserve, muss grundsätzlich bei der Gema angemeldet werden. Dies führte am Mittwoch Maik Golinski von der Gema-Bezirksdirektion Stuttgart den Vertretern örtlicher Vereine klar vor Augen.

Damit nicht jedem Besucher eines musikalisch umrahmten Sommerfests der Betrag für die Wiedergabe einer Komposition einzeln in Rechnung gestellt werden muss, schiebt sich die Gema als vermittelnde Instanz zwischen die "Nutzer" und den Komponisten oder den Verlag. Gegen eine Gebühr verschaffe die Gema dem Musikkonsumenten die Rechte für den "Zugriff auf das gesamte musikalische Weltrepertoire", so Golinski.

Die weltweite Vernetzung aller Gesellschaften für die Musikverwertung mache es möglich. Die Lizenzzahlungen leitet die Gema dann an Komponisten, Textdichter und Musikverlage weiter. Der Urheberschutz erlischt erst 70 Jahre nach dem Tod eines Komponisten. Mit der Bezahlung der Rundfunkgebühr seien die urheberrechtlichen Nutzungsrechte an den abgespielten oder aufgeführten Musikwerken noch lange nicht mit abgegolten, machte Golinski deutlich.

Den Vereinen stießen die Informationen rund um die Gema , die Bürgermeister Steffen Bühler im Anschluss an Golinskis Vortrag als "harte Kost" beschrieb, zum Teil sauer auf. Einige ihrer Repräsentanten bekannten freimütig, bislang nicht immer gute Erfahrungen mit der Gema gemacht zu haben. Der Gast aus der Landeshauptstadt hatte die Zuhörer dazu aufgefordert, ihre Fragen spontan und noch während seines Vortrags zu stellen. Davon machten die Vereinsvertreter denn auch reichlich Gebrauch. "Wie verhält es sich beispielsweise beim zeitweiligen Abspielen von Hintergrundmusik, die während eines Bastelnachmittags für Senioren die alten Menschen erfreut?", wollte ein Vereinsvorstand wissen. "Eine solche Veranstaltung ist formal anmeldepflichtig", gab der Gema-Vertreter zur Antwort. Derlei Fälle stellten indes keine "Schwerpunkte" für die Gema dar, ergänzte Golinski. Man könne das Ganze auch "pragmatisch sehen".

Ein anderer Teilnehmer am Vereinssprengel berichtete von einem wenig erfreulichen Kontakt mit der Gema nach einem Vereinsfest. Der Vereinsvorstand hatte es versäumt, die Veranstaltung rechtzeitig bei anzumelden. Nach zähen Verhandlungen habe man sich auf einen Nachzahlungsbetrag geeinigt, erzählte der Vereinsvertreter. Dann erkundigte er sich noch, wieviel er der Gema für ein Sportfest bezahlen müsse, bei dem lediglich für einige Minuten ein Musikstück präsentiert werde. Die Gema berechne das Ganze für einen Basissatz von bis zu acht Stunden, meinte Golinski. Dies sei "nicht gerecht" und stünde "nicht im Verhältnis", monierte der Vereinsvertreter.

Die Gebührenhöhe setzt die Gema entsprechend der Raumgröße und der Eintrittsgeldhöhe fest. Eine versäumte Anmeldung zieht einen "Kontrollkostenzuschlag" von zehn Prozent nach sich, so der Gema-Mitarbeiter. Schließlich warb er noch mit einer weiteren Mitteilung für seine Organisation: Für Chor- und Blasmusikvereine würde die Gema ebenso Nachlässe gewähren wie für Vereine, die eine Senioren- oder Jugendarbeit betrieben.