Besigheim / Michael Soltys

Die Fortschritte sind sichtbar, aber man muss schon genau hinschauen: Seit etwa einem Jahr ist der Saarländer Peter Wendl als Regionalmanager für das Integrierte Ländliche Entwicklungs-Konzept Ilek am mittleren Neckar zuständig. Den beteiligten Kommunen entlang des Flusses zwischen Benningen und Lauffen geht es im Kern um den Erhalt und die Weiterentwicklung der Weinbau-Steillagen. Der touristische Aspekt, insbesondere die Erschließung der Steillagen für Wanderer und Urlauber, spielt dabei eine besondere Rolle.

Einen ersten Erfolg hat der Saarländer Saarländer Wendl kürzlich in Ingersheim errungen. Ein Antrag auf finanzielle Förderung eines Wanderweges in den Weinbergen ist bei der Region durchgegangen, wie in der BZ berichtet. Bis August dieses Jahres soll die „Schlossbergrunde“ fertig sein, hofft Wendl. Die Beschilderung muss noch im Detail festgelegt werden, Infotafeln werden aufgestellt. All das muss mit den anderen Betreibern von Wanderwegen, dem Albverein und der Felsengartenkellerei, abgestimmt werden, damit die Schilderflut nicht überhandnimmt.

Für weitere Förderanträge werden unterdessen die Unterlagen vorbereitet: Ähnlich wie in Ingersheim sollen sie durch die Weinberge in Benningen, Hessigheim, Gemmrigheim und Mundelsheim führen. Kenntlich gemacht werden die touristischen Routen durch ein einheitliches Wanderweg-Logo. Gemeinsam mit dem Landratsamt wird eine Steillagen-App mit Informationen für die Wanderer erarbeitet. Schließlich muss auch die Verbandsarbeit gebündelt werden: Ernsthaft denken Hessigheim, Mundelsheim, Gemmrigheim und Ingersheim jetzt darüber nach, sich dem 3B-Tourismusverband anzuschließen, so Wendl. Alle vier Gemeinden gehören bisher keinem Verband an, trotz ihres „weintouristisch großen Potentials“, sagt der Regionalmanager.

Überhaupt ist der bürokratische Aufwand für die Umsetzung der Tourismus-Projekte hoch, wie Wendl schildert. In den Landschaftsschutzgebieten, wo der Artenschutz ebenso beachtet werden muss wie die Biotope, spricht die Naturschutzbehörde ein gewichtiges Wort mit. Auch die Denkmalschutzbehörde muss integriert werden, da die Steillagen in großen Teilen geschützt seien. Alle Eigentümer der Grundstücke müssen der Nutzung zustimmen. Mittlerweile hat Wendl in Zusammenarbeit mit dem Ilek-Arbeitskreis der Kommunen eine versicherungsrechtliche Vereinbarung aufgesetzt, um die Eigentümer von der Haftung bei Unfällen in ihren Weinbergen zu befreien.

Diese Hürden müssen auch bewältigt werden, um das nächste Projekt umzusetzen: Jeder der Wanderwege soll mit mindestens einem „Genussplatz“ ausgestattet werden, mit Aussichtsplattform und Sitzbänken, wo die Wanderer eine Rast machen und die Weinerlebnisführer ihre Utensilien unterbringen können. Vorbild könnte die Aussichtsplattform am Besigheimer Niedernberg sein, wo sich ein Rundumblick auf die Kommunen und die Steillagen an Enz und Neckar bietet. Ein ähnliches Projekt ist jetzt in Zusammenarbeit mit der genossenschaftlichen Felsengartenkellerei in Hessigheim in der Planung, wo der Genussplatz am Wurmbergweg unterhalb der Felsengärten angelegt werden soll. Der Förderantrag dafür wird voraussichtlich im Herbst gestellt.

Das hört der Hessigheimer Bürgermeister Günther Pilz besonders gern. Er ist der Sprecher der beteiligten Ilek-Kommunen und weiß, dass es „extrem viel Abstimmungsbedarf“ braucht, um den Förderantrag an die Region erfolgreich zu formulieren: „Die Wege sind lang“, sagt er. Zeit genug hat Regionalmanager Wendl: Die Region fördert seine Arbeit über einen Zeitraum von vier Jahren mit einer Summe von insgesamt 200 000 Euro. Hinzu kommt die 50-prozentige Förderung der Wanderwege, Genussplätze und anderer Projekte aus Mitteln des Landschaftsparkprogramms der Region.

Die Abschöpfung von Fördermitteln ist für Bürgermeister Pilz allerdings nur die eine Seite. Es sei mindestens ebenso wichtig, den Nachhaltigkeitsgedanken „in den Fokus zu rücken“, sprich sicherzustellen, dass die Bedeutung der Steillagen im Bewusstsein bleibt und sie auch weiterhin genutzt werden. Das externe Regionalmanagement habe sich bewährt, alleine könnten die Kommunen diese Aufgabe nicht meistern, machte Pilz deutlich.

In einem anderen Punkt sollen die Wengerter nicht alleine gelassen werden: bei der aufwendigen und teuren Sanierung der Trockenmauern. Auch hier ist Wendl einen Schritt weitergekommen, aber längst noch nicht am Ziel. Der Maschinenring Rems-Murr-Neckar-Enz habe Interesse bekundet, die Aufgabe einer Trockenmauer-Bauhütte zu übernehmen. Bis zum Sommer werde sich herausstellen, ob die Mitglieder mitziehen. Wenn ja, könnten das Wissen und die Maschinen für die Sanierung der Mauern beim Maschinenring konzentriert werden. Die Kosten für die Reparaturen der Mauern könnten damit gesenkt werden, hofft Wendl.