Fachtag Der Umgang mit den Bewohnern wird entspannter

Ludwigsburg / bz 09.07.2018

Das Projekt „Eigenfrei“ zur Reduzierung freiheitsentziehender Maßnahmen bei der Pflege geht im Landkreis Ludwigsburg mit dem Thema Sensibilisierung durch Wissensvermittlung in die dritte Runde. Das Thema stand kürzlich im Mittelpunkt eines Fachtags im Ludwigsburger Kreishaus für Auszubildende der Alten- und Krankenpflege. Das Motto lautete: „Mehr Freiheit (in der Pflege) wagen …“.

Wo Pflegeeinrichtungen früher, aus Angst vor Regressforderungen, schnell einmal aufgefordert haben, beim Betreuungsgericht einen Antrag auf freiheitsentziehende Maßnahmen zu stellen, gestaltet sich das Leben in den Heimen heute oftmals sehr viel entspannter und wohnlicher. Grund hierfür ist auch die Rückendeckung durch den Bundesgerichtshof, weil den Bewohnern ein alltägliches Lebensrisiko in ihrem Zuhause wie auch im Pflegeheim zugesprochen wird und es außerdem nicht allein darum geht, den sichersten Weg zu wählen, sondern den Bewohnern ein würdevolles und eigenständiges Leben zu ermöglichen, tellt das Landratsamt in einer Mitteilung fest.

Genau diesen Abwägungsprozess zwischen Würde und Sicherheit stellte Heiner Pfrommer, Dezernent für Arbeit, Jugend und Soziales des Landkreises Ludwigsburg, in seiner Begrüßung als große Herausforderung für die Pflegefachkräfte dar: „Für jeden Mensch gilt – ob jung, alt, pflegebedürftig oder dement – ein wesentliches Kriterium für Lebensqualität und Selbstbestimmung: sich frei im eigenen Umfeld bewegen zu können.“

130 Teilnehmer

Der Fachtag kam bei den 130 Auszubildenden laut Landratsamt aus den unterschiedlichsten Pflegeberufen gut an. Prof. Dr. Andrea Berzlanovich vom Zentrum für Gerichtsmedizin der Medizinischen Universität Wien sprach über die rechtsmedizinische Betrachtung von Todesopfern durch Fixierung und von der Notwendigkeit sich mit einer neuen Pflegekultur auseinanderzusetzten. Gerade die Auszubildenden in der Pflege können die Zukunft aktiv mitgestalten. So kam es am Nachmittag in den Workshops zu regen Diskussionen.

Unterstützung erhielt der Fachtag durch Einrichtungen, wie das Seniorenzentrum Spitalhof in Münchingen. Patricia O’Rourke und ihr Team unterstützten den Fachtag mit einem Workshop, in dem sie die Teilnehmer daran teilhaben ließen, wie sie es geschafft haben, im Pflegealltag die Freiheitsrechte der Bewohner zu bewahren. Monika Trautmann, Mitarbeiterin von Flöter Care for Care GmbH, konnte eindrücklich vermitteln, wie es mit der Methode der Fallbesprechung, genauer Dokumentation und dem Einsatz alternativer Maßnahmen gelingen kann, dass sich auch eingeschränkte und sturzgefährdete Menschen frei in ihrem Umfeld bewegen können

Prophylaxe gegen Stürze

Im Workshop, der sich mit der Frage der Haftung beschäftigte, sprach Daniela Grutschnig vom Landkreis-Team „Eigenfrei“ den Teilnehmenden Mut zu, mehr Freiheit zu wagen und in Zukunft möglichst auf freiheitsentziehende Maßnahmen zu verzichten. Mathias Wengert von InBestForm stellte den Teilnehmern Kraftübungen für die Heimbewohner vor, die Sturzgefahr minimieren und dadurch den Entzug von Freiheit gar nicht nötig macht.

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