Als Mitte des vergangenen Jahres der Beschluss fiel, einen Container aufzustellen, um die steigenden Schülerzahlen an der Friedrich-Schelling-Schule in den Griff zu bekommen, war der Ärger im Gemeinderat über die Kurzfristigkeit der Lösung groß. Schon lange zuvor hatten CDU- und SPD-Fraktion darauf hingewiesen, dass der Platz knapp werde. Nach mehreren Beratungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit legte die Stadtverwaltung jetzt einen Vorschlag auf den Tisch, der zeigt, wie schnell es gehen soll und wohl auch gehen muss.

Der Kern des Vorschlags: Der Mittelbau des Schulkomplexes wird abgerissen. Als Ersatz dient ein dreistöckiger Neubau mit Klassenzimmern für eine fünfzügige Grundschule, mit Mensa, Räumen für die Kernzeitbetreuung und Lehrerzimmern. Entweder entsteht er auf dem Platz des Mittelbaus, der in den 1950er-Jahren errichtet wurde, oder er wird am Südende des Schulhofes errichtet, eine Lösung, die von Verwaltung und Gemeinderäten bevorzugt wird. Sie bietet unter anderem den Vorteil, dass der Mittelbau während der Bauzeit in Betrieb gehen kann.

Abriss die beste Lösung

Statiker haben belegt, dass eine Erweiterung des baufälligen Mittelbaus wirtschaftlich keinen Sinn macht, die Schulbehörde befürwortete den Abriss des Gebäudes ausdrücklich, geht aus der Vorlage von Stadtbaumeister Andreas Janssen an den Gemeinderat hervor. Alle notwendigen Räume für eine fünfzügige Grundschule lassen sich auf dem Gelände unterbringen, legte Architekt Jochen Feyerabend in seinem Vorentwurf dar. Von einer Verlegung der Schulräume, etwa in die Nähe des Schulzentrums auf dem Kies, habe das Regierungspräsidium abgeraten. Die erste Kostenschätzung beläuft sich auf 11,5 Millionen Euro.

Wie dringend es die Stadt mit dem Neubau hat, zeigte der Zeitplan, den Bürgermeister Steffen Bühler in der Sitzung erläutert. Schon in der nächsten Woche, am Dienstag, 16. Juli, sollte der neue Gemeinderat eine Standortentscheidung treffen und das Architekturbüro von Feyerabend mit der Entwurfsplanung beauftragen, um 2020 mit dem Bau beginnen  zu können. Dazu müsste spätestens am 1. Oktober 2019 der Förderantrag beim Regierungspräsidium gestellt werden. Bis dahin müssten alle Pläne und eine Kostenberechnung vorliegen. Immerhin sind rund 3,5 Millionen Euro an staatlichen Zuschüssen zu erwarten, wie Beigeordneter Klaus Schrempf darlegte.

Doch dieses Vorgehen ist vielen Gemeinderäten denn doch mit der sprichwörtlichen „heißen Nadel gestrickt“, wie es Miriam Staudacher vom BMU ausdrückte. Die städtebaulichen Aspekte an der prägenden Stelle des Stadtausgangs seien nicht ausreichend beleuchtet, Lehrer, Eltern und Kinder sollten an der Entscheidung beteiligt werden, forderte sie. Eine Mehrfachbeauftragung von Architekturbüros brachte Fraktionskollege Hansjörg Kollar ins Gespräch, der den Vorschlag der Verwaltung „unausgegoren und zu schnell“ nannte.

Mehr Zeit forderte auch Sibylle Reustle von der SPD-Fraktion, schon um zu untersuchen, wie sich während der Bauphase der Betrieb auf dem Schulhof und im Schulcontainer organisieren lässt. Walter Zeyhle von den Freien Wählern erinnerte dagegen daran, dass schon jetzt ein Container vor der Schule stehe. „Wir wollen den Neubau so rasch wie möglich“, sagte er, „die Eltern erwarten Lösungen von uns.“ „Spätestens nächstes Jahr müsste es laufen“, sagte sein Fraktionskollege  Friedrich Köhler. Denn eine Mehrfachbeauftragung würde das Projekt nicht auf einen Baubeginn 2021, sondern 2022 hinausschieben, hatte Bürgermeister Steffen Bühler zuvor deutlich gemacht.

Die CDU-Fraktion, die vor der Sitzung einen langen Fragenkatalog an den Bürgermeister geschickt hatte, ging einen Schritt weiter. Ihr geht es im Kern um ein langfristiges Konzept für die ganze Schule, sprich für Grundschule und Gemeinschaftsschule, wie Ulrich Gerstetter klarstellte. Schüler der Friedrich-Schelling-Schule seien bisher an drei Standorten untergebracht: an der Schule selbst, an der Realschule und in der alten Post nahe dem Bahnhof.

„Kurzfristig geplant“

Das jetzt vorgelegte Raumprogramm reiche gerade so für die fünfzügige Grundschule aus, so Gerstetter weiter. „Doch was passiert mit der Sekundarstufe?“, fragte er. Sie ist auf zwei Züge konzipiert, wird aber schon jetzt teilweise dreizügig betrieben. In ihrem Schreiben an den Bürgermeister bringt die Fraktion einen Umzug der Gemeinschaftsschule in einen neuen Komplex „Auf dem Kies“ ins Gespräch“ und damit eine räumliche Trennung von der Grundschule. „Das ist kurzfristig geplant“, kommentierte Heinz Streicher von der CDU die Neubaupläne. Neue Baugebiete brächten weitere Schüler.

Info Wie es weitergeht, wird sich am Dienstag, 27. August, entscheiden, wenn der neue Gemeinderat tagt.

Für das neue Schuljahr reicht der Platz noch


Mit einem beachtlichen Teil ihres Kollegiums war Schulleiterin Renate Opiolla in die Sitzung des Gemeinderates gekommen, um zu verfolgen, wie es mit Schule und Schülern weitergeht. Für das neue Schuljahr reichen die vorhandenen Räume noch aus, sagte sie auf entsprechende Nachfragen aus dem Gremium. Es sei nicht notwendig, weitere Container aufzustellen. Die Vorplanungen von Architekt Jochen Feyerabend böten auch Möglichkeiten für die Ganztagesbetreuung. Sie plädierte dafür, Grundschule und Gemeinschaftsschule an einem Platz zu belassen, schon aus praktischen Gründen, weil Lehrer in beiden Schulformen tätig sind. „Der Standort ist gut“, sagte sie. sol