Besigheim Der Grüne Heiner ist die Keimzelle

Michael Soltys 20.09.2017

Uns war es wichtig, eine Alternative zum Atomstrom zu schaffen und gerade hier in der Region zu demonstrieren, dass es auch anders geht.“ Es sind gewissermaßen zeitlose Sätze, mit denen Heiner Blasenbrei-Wurtz, Ingenieur aus Besigheim, im März des Jahres 2000 gegenüber der BZ begründete, warum er und weitere 66 Gesellschafter sich für den Bau der ersten Windkraftanlage in der Region engagierten. Das Eregebnis ist das Windrad auf dem Grünen Heiner zwischen Stuttgart und Korntal-Münchingen direkt an der Autobahn. Es ist die Keimzelle der Windenergie in der Region. An einen flächendeckenden Ausbau der Windenergie in Deutschland dachte damals noch niemand, das Ende der Atomenergie lag in ferner Zukunft. Trotzdem war es Blasenbrei-Wurtz gelungen, bei Bürgern aus Bietigheim-Bissingen, Walheim, Besigheim, Löchgau und Tamm etwa die Hälfte des Kapitals aufzutreiben, um das rund 1,2 Millionen Mark (600.000 Euro) teure Projekt zu verwirklichen.

Als nach der Katastrophe von Fukushima 2011 das Ende der nuklearen Stromproduktion in Deutschland eingeläutet wurde, schien die Stunde der Windkraftanlagen zu kommen. Umso mehr sorgte es für Kopfschütteln bei Blasenbrei-Wurtz, dass der Verband Region Stuttgart im September 2015 die Zahl der möglichen Standorte für Windkrafträder rigoros zusammenstrich – und das trotz eines Ministerpräsidenten und eines Umweltministers aus den Reihen der Grünen. Die Pläne zum Bau von Windkraftanlagen in Kirchheim und Bönnigheim, wo Blasenbrei-Wurtz ebenfalls an vorderster Front aktiv war, zerschlugen sich damit.

Die Streichung von Standorten, die in der Regionalversammlung teils hitzig diskutiert worden war, sei das „falsche Signal“, sagte Blasenbrei-Wurtz damals im Interview mit der BZ. Energiewende bedeute für ihn: „weg von den zentralen Großstrukturen und hin zu kleinen dezentralen Erzeugungseinheiten“. Die Bürgergenossenschaften würden mit dieser Entscheidung ausgebremst.

Da stand das Windrad auf dem Husarenhof zwischen Ingersheim und Besigheim bereits und produzierte fleißig Strom. Nach wie vor ist Blasenbrei-Wurtz Aufsichtsratsvorsitzender der Energiegenossenschaft, die den Bau des Windkraftrads gegen massive private und öffentliche Einwände vorangetrieben und schließlich verwirklicht hat. Als weiterer Standort in der Region wurde damals lediglich ein Gelände zwischen Korntal-Münchingen und Schwieberdingen festgelegt.

An Rückschläge hatte sich Heiner Blasenbrei-Wurtz allerdings schon früher gewöhnen müssen. Denn rund zehn Jahre bevor 2012 das  Windrad beim Husarenhof in Betrieb ging, hatte Blasenbrei-Wurtz bereits versucht nach dem Vorbild des Grünen Heiners, ebendort ein Windrad zu errichten. Damals war er abgeschmettert worden, obwohl die Dimensionen des Windrads 2002 relativ klein ausgefallen wären, deutlich kleiner jedenfalls als das aktuelle Projekt. Ein Aufschrei sei durch Gemeinderat und Verwaltung gegangen, erinnerte er sich vor kurzem im Gespräch mit der BZ. Ausgerechnet aus der Ecke des Naturschutzes kam der heftigste Widerstand, wunderte sich Blasenbrei-Wurtz, der selbst dem Naturschutz eng verbunden ist. Weil ganz in der Nähe des geplanten Standortes seltene Tierarten lebten, sprach der damalige Naturschutzwart von einem Frevel, sollte das Windrad gebaut werden.

Doch zumindest diese Fronten sind überwunden. Er selbst sei zu dem Schluss gekommen, dass der ganze Artenschutz nichts tauge ohne Klimaschutz, für den die Energiewende steht. Denn global betrachtet sei der Treibhauseffekt die größte Bedrohung der Arten. Ob er allerdings selbst noch ein drittes Windrad im Landkreis Ludwigsburg verwirklichen kann, scheint doch fraglich.

Info In einem Wochenschwerpunkt berichtet die BZ täglich über die Geschichte der Energiegewinnung im Kreis. Alle Folgen im Netz auf

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