Walheim Der Chefsessel ist heiß umkämpft

Walheim / Michael Soltys und Jürgen Kunz 13.06.2018

Da klagen andere Gemeinden, dass sich niemand für das Amt des Bürgermeisters interessiert oder gerade einmal ein Name auf der Kandidatenliste steht, und dann das: Acht Frauen und Männer wollen am Sonntag, 1. Juli, im kleinen Walheim mit seinen etwa 3200 Einwohnern auf den Chefsessel. Und mindestens sechs von ihnen ist es ernst mit ihrem Anliegen. Nur mit Friedhild Miller und Ulrich Raisch haben sich zwei Kandidaten beworben, die es in unzähligen Kommunen ebenfalls versucht, immer mit verschwindend geringen Ergebnissen.

Wer also wird es schaffen: die beiden Eigengewächse aus Walheim, Robert Bezner und Stefan Strauch? Beide sind Ingenieure und beide sind im Ort verwurzelt. Oder setzt sich doch wieder ein diplomierter Verwaltungsfachmann durch, von denen drei auf der Liste stehen: Stefan Hammel, Anja Klohr und Tatjana Scheerle? Vom Fach, wenn auch nicht studiert, ist auch ein weiterer Bewerber: Hans Joachim Thyret. Albrecht Dautel, bisheriger Bürgermeister, dürfte es mit Interesse verfolgen, wer sein Nachfolger wird. Ist er selbst doch im Nachbarort Bönnigheim zum Bürgermeister gewählt worden, wo er am 16. Juli vereidigt wird. Doch der Reihe nach.

Steffen Hammel: Der 49 Jahre alte parteilose Diplom-Verwaltungswirt aus Erligheim hat es schon einmal versucht, Bürgermeister zu werden. In Ingersheim unterlag er 1996 aber Volker Godel. Er arbeitet aktuell für die Stadt Stuttgart als Sachgebietsleiter beim Forstamt und ist Stadtamtsrat. Hammel ist verheiratet und hat zwei Söhne im Alter von 15 und 18 Jahren.

Robert Bezner:  Der 36-jährige Diplomingenieur der Bauphysik wurde in Lauffen geboren und lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Walheim, wo er auch die Grundschule besucht hat. Bezner ist Mitglied der Feuerwehr Walheim, wo er Gruppenführer ist, und er ist auch in der DLRG aktiv, wo er Gruppen für Kinder und Rettungsschwimmer geleitet hat. Bezner ist verheiratet und hat vier Kinder.

Friedhild Miller: Wie viele Kandidaturen die Familienhelferin und selbst ernannte Aufeckungspolitikerin (48) bereits bestritten hat, ist so genau nicht bekannt. In Hessigheim jedenfalls endete sie im Februar mit einem Ergebnis von 0,75 Prozent, das waren sieben Stimmen. Nicht viel besser erging es ihr im April in Bönnigheim, wo sie 1,2 Prozent (26 Stimmen bekam).

Anja Klohr: Die 38 Jahre alte Diplom-Verwaltungswirtin hat bisher in verschiedenen Ämtern Karriere gemacht. Bei der Stadt Remseck hat die gebürtige Würzburgerin als Verwaltungsfachangestellte gelernt, bevor sie an der Verwaltungs-Hochschule studiert hat. Danach war sie Leiterin des Ordnungsamtes in Weissach und später in gleicher Funktion bei der Gemeinde Ölbronn-Dürrn. Zurzeit arbeitet sie als Kämmerin bei der Gemeinde Ispringen. Klohr ist verheiratet, lebt in Vaihingen und hat drei Kinder.

Hans Joachim Thyret: Der 60 Jahre alte Verwaltungsfachangestellte arbeitet zurzeit als Teamleiter beim Landratsamt in Karlsruhe. Er ist parleilos. Thyret ist ledig und lebt mit seiner Lebensgefährtin und ihrem Sohn in Birkenfeld an der Enz.

Tatjana Scheerle: Die 35 Jahre alte Diplom-Verwaltungswirtin kann eine ganz ähnliche Karriere wie Anja Klohr vorweisen. Sie ist quasi ein Eigengewächs der Gemeindeverwaltung in Walheim, wo sie 2002 bis 2010 als Verwaltungsfachangestellte tätig war. Danach hat sie an der Verwaltungs-Hochschule in Ludwigsburg studiert. Nach Studium und verschiedenen Praktika leitete sie zunächst bei der Stadt Sindelfingen den Vollzugsdienst. Später arbeitete sie bei der Gemeinde Löchgau im Hauptamt als Stellvertreterin, bevor sie Ende 2016 nach Untergruppenbach wechselte, wo sie das Ordnungsamt übernahm.

Stefan Strauch: Am Freitag vor dem Bewerbungsschluss hat sich Stefan Strauch um das Amt beworben, ein 40 Jahre alter  Wirtschaftsinformatiker, der wie Bezner in Walheim zur Grundschule gegangen ist und dort auch lebt. Strauch ist ledig. Er ist Mitglied im Musikverein und engagiert sich dort in der Jugendarbeit und als Kassier.

Ulrich Raisch: Es gehört zu seinen Eigenheiten, kurz vor Bewerbungsschluss seine Kandidatur bekanntzugeben. So hat Raisch auch in Walheim erst am Dienstagnachmittag seine Unterlagen im Rathaus abgegeben. Der 58-jährige Musikpädagoge propagiert bei allen Bewerbungen die Idee einer Musikkindergartens, denn für ihn ist generelle und umfassende Bildung durch Musik ein wichtiges gesellschaftliches Ziel. Bei seiner jüngsten Bewerbung in Bönnigheim gaben 1,2 Prozent der Wähler ihm ihre Stimme

Info Die Walheimer entscheiden am Sonntag, 1. Juli, darüber, wer ihr neuer Bürgermeister wird. Dazu muss einer der Kandidaten die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erreichen. Ist dies nicht der Fall, findet am Sonntag, 15. Juli, ein zweiter Wahlgang statt, bei dem die einfache Mehrheit zum Sieg reicht.