Nicht nur die Gemeinde Neckarwestheim will die geplanten Castor-Transporte von Obrigheim nach Neckarwestheim auf dem Neckar per Eilantrag stoppen. Im Vorfeld zu den Transporten gab es am Sonntag den Fluss-Aktionstag, an dem die Atomkraftgegner auf Booten und Kanus am Aka vorbei nach Lauffen schipperten.

Es geht um 342 Brennelemente

Konkret geht es um 342 Brennelemente, die für den Transport in Castor-Behältern verpackt und mit einem Spezialschiff über den Neckar zum sogenannten Zwischenlager in Neckarwestheim transportiert werden sollen. Erst am vergangenen Dienstag hatte das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit den Antrag des Energieversorgers EnBW genehmigt, wonach Atommüll per Schiff vom stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim nach Neckarwestheim transportiert werden darf (die BZ berichtete). Neckarwestheim wollte aber vorab zum Thema Sicherheit ein Gutachten zum geplanten Transport einholen. Weil die Bundesbehörde Antragsunterlagen aber nicht an die Gemeinde weitergegeben habe, konnte ein Gutachten bis jetzt nicht in Auftrag gegeben werden, so der Vorwurf.

„Für uns ist es eine Premiere“, sagt Einsatzleiter Ferdinand Steigmann aus Kirchheim. Dort an der Festwiese war der Start für die Kajaks, Kanus und übergroßen aufblasbaren Enten, die hier zu Wasser gelassen wurden. „Neckar? Entern!“ lautete das Motto des Fluss-Aktionstags, der für beiden Seiten neu war. Denn auch Demos zu Wasser waren für das Aktionsbündnis Castor-Widerstand Neckarwestheim und das „Bündnis Neckar Castorfrei“ unbekannt.

Entern verboten

Weil der Transport-Leichter und die Schubschiffe momentan am neuen Steg des Kraftwerks liegen, war Entern allerdings alles andere als erlaubt. „Es gibt die Auflage, linksseitig auf dem Neckar zu fahren“, so der Kirchheimer Polizeihauptkommissar, der erstmals den Einsatz mit Polizeibooten und Einsatzkräften leitete. Ab 12 Uhr trafen langsam die Teilnehmer ein und machten ihre Boote startklar.

Rund 100 Demonstranten hatten sich auf der Wiese versammelt, knapp 30 Boote gingen zu Wasser, dazu auch noch die überlebensgroßen knallgelben Enten, die von Fahrradfahren am Ufer begleitet wurden. Das Motto der Aktion lautete: „Neckar? Entern!“ Die Auflagen des Landratsamtes waren hoch: Nur 15 Meter am linken Uferrand und weg von der Fahrrinne durfte gefahren werden. „Auch die Rettungskräfte mussten gestellt werden, was der DLRG Lauffen ehrenamtlich übernahm“, so Herbert Würth vom Aktionsbündnis Castor-Widerstand. Dann folgten die Einweisungen durch den fürs Wasser zuständigen Versammlungsleiter Thomas Rosa. Links und als Verband zu fahren, Abstand vom Ufer zu halten, nur Fahrzeuge, die auch lenk- und manövrierfähig sind, kein Alkohol an Bord, keine Protestaufkleber an der Strecke und kein Lärm wegen brütender Vögel. Nach der Zwischenkundgebung gegenüber des Kraftwerks endete der Fluss-Aktionstag mit viel Verspätung und ohne Zwischenfälle am Lauffener Freibad mit Reden und Infoständen. „Der Atommüll soll da bleiben wo er ist“, begründete Versammlungsleiter Würth die Aktion, denn das Akw Obrigheim werde sowieso durch den Abriss atomarer Müll.