Walheim Der Mundart eine Heimat geben

Kein Stuhl gleicht dem anderen und auch jeder Tisch ist anders im Cafe-Bricklebrit in Walheim. In der Alten Kelter eröffnen Martin Opitz (links) und Jürgen Kunz das erste schwäbische Märchen- und Geschichtenhaus.
Kein Stuhl gleicht dem anderen und auch jeder Tisch ist anders im Cafe-Bricklebrit in Walheim. In der Alten Kelter eröffnen Martin Opitz (links) und Jürgen Kunz das erste schwäbische Märchen- und Geschichtenhaus. © Foto: Werner Kuhnle
Walheim / sz 18.11.2016

Allein der Name verrät, um was es in der Kelter in Walheim, dem ehemaligen Feuerwehrhaus,  gehen wird: um Märchen. „Bricklebrit“ heißt das Café, das der Bönnigheimer Martin Opitz und der Erligheimer Jürgen Kunz dort eröffnen. „Bricklebrit“ muss man im Märchen „Tischlein deck’ dich“ rufen, wenn der Esel Golddukaten auswerfen soll.

Mitten in Walheim entsteht eine Heimat für Märchen und Geschichten, aber nicht nur das. „Mit Märchen, Kleinkunscht, Lesungen, Musik, onserem Büchrschrank odr Workshops, abr au grad en unserm Cafe ond en dr Veschperstub‘ mit regionale Produkt‘, wellet mir onsrer schwäbischa Identität, Kreativität ond Vielfalt a Hoimat geba. Mir wellet onser wondrbare Mundart ond onser schwäbisches Lebensgfühl gemeinsam pflega, ond send drbei weltoffa ond freuet ons uff Neues – so wie mir Schwâbe eba scho emmer send“, erklärt der BZ-Redakteur und Autor Jürgen Kunz auf breitestem Schwäbisch das, was im Café-Bricklebrit passieren soll.

Seit über 30 Jahren kennen sich die bekennenden Schwaben Kunz und Opitz schon. Als Kunz’ Buch „Hoimatstond“ mit schwäbischen Geschichten veröffentlicht wurde, machte der Künstler Martin Opitz dem Freund den Vorschlag, doch Märchen ins Schwäbische zu übersetzen. Denn in der Bönnigheimer Werkstatt von Opitz standen schon einige Märchenskulpturen, „Märchen sind meine Leidenschaft“, so Opitz. Gesagt getan. Dass die Übersetzung der deutschen Märchen der Gebrüder Grimm und anderer auf Schwäbisch so ein Erfolg wurde, das hätte Kunz aber nie gedacht. Vor allem in Zusammenhang mit dem schwäbischen Märchenfescht, dass die beiden in Freudental, Markgröningen oder im Breuningerland in Tamm veranstalteten.

Immer größer wurde der Wunsch, eine feste Heimat für die Skulpturen, das Märchenfest und die schwäbische Sprache zu finden. Gleichzeitig war die Gemeinde Walheim auf der Suche nach einer Verwendung für ihre Kelter, die leer stand, seit die Feuerwehr umgezogen war. Gewünscht war, so sagt Opitz, dass die Dorfmitte durch ein Café und kulturelle Veranstaltungen bereichert werden würde. Die beiden Schwaben bewarben sich um die Räumlichkeiten. Walheims Bürgermeister Albrecht Dautel war sofort begeistert und der Walheimer Gemeinderat konnte nach zwei Stunden Projektpräsentation in der Kelter nichts anderes als zustimmen.

Der ehemalige Schulungsraum der Feuerwehr ist das Herzstück des schwäbischen Märchenhauses, das Café. „Koi Stuhl sieht aus wia dr andre, jedr Tisch isch vrschieda“, erklärt Opitz, der die gesamte Einrichtung selbst hergestellt hat. „Viele kommen bestimmt auch schon deswegen“, sagt Kunz. Außerdem dekorieren Märchenskulpturen den Raum. Schwäbische Veranstaltungen,  Musik, Lesungen, eventuell kleine Theaterstücke – dafür ist auf der „Bühne ondrm Balka“, über der das Motto „Basset uff, dâ bieget sich dia Balka“ steht, Platz. „Auf Augenhöhe mit den Zuschauern“, so Opitz, sind dort die Künstler. Zwei Veranstaltungen pro Monat soll es mindestens geben, im Sommer auch wieder das Märchenfescht. Martin Opitz hat sein Atelier in die ehemalige Feuerwehrhalle verlegt und bietet hier Kurse und die Möglichkeit zu Kindergeburtstagen an.  „Ein Herzenswunsch“, so Opitz und Kunz unisono, sei für sie in Erfüllung gegangen mit dem Märchenhaus.

Eröffnung und Veranstaltungsprogramm

Das Café-Bricklebrit – schwäbisches Märchen- und Geschichtenhaus – eröffnet am Samstag, 26. November, neun Uhr. Um 19 Uhr ist die offizielle Eröffnung. Es spielt Geiger Tobias Seyb, Lehrer an der Musikschule Besigheim. Grußworte sprechen Wolfgang Wulz, Vorsitzender des Vereins Schwäbische Mund.Art und Walheims Bürgermeister Albrecht Dautel. Auch Rüdiger Erk, Vorstandsmitglied des Verbands Amateurtheater Baden-Württemberg, will kommen. Ab 20 Uhr wird der Autor Gunther Haug aus seinem Buch „Schwäbische Sternstunden“ (die BZ berichtete) lesen. Am Sonntag, 27. November, gibt es ab 15 Uhr einen Adventsnachmittag mit selbst gebackenem Apfelbrot  und schwäbischen Geschichten. Weitere Programmpunkte und Veranstaltungen werden kurzfristig veröffentlicht und sind jederzeit möglich.

Eine Wertschätzung ist es, wenn der Verein Schwäbische Mund.Art außerhalb seines Sitzes Rottenburg eine Hauptversammlung abhält. Am 18. März 2017 aber wird sie in Walheim im Café-Bricklebrit stattfinden. Am 23. Januar 2017 gibt es ein genussvolles Seminar „Tee und Literatur“ im Bricklebrit.

Öffnungszeiten: freitags, 14 bis 18 Uhr, samstags und sonntags, neun bis 18 Uhr, und auf Anfrage.

www.cafe-bricklebrit.de

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