Nach langer Diskussion gründeten die Städte und Gemeinden im Landkreis Ludwigsburg im Dezember den Zweckverband Kreisbreitband. Hinter dieser sperrigen Bezeichnung steckt das Bemühen, die 39 Kommunen des Landkreises flächendeckend mit der schnellen Glasfasertechnologie zu versorgen. Kooperationspartner ist die Telekom.

In der industriestarken Region sei die Versorgung mit schnellen Telekom- und Internetanschlüssen eine „zentrale Zukunftsaufgabe“, heißt es zur Begründung. Bis 2030, möglichst schon früher, sollen alle privaten Haushalte und bis 2025 alle Unternehmen auf die Breitband-Technologie zugreifen können, so das ehrgeizige Ziel.

Telekom wirbt eifrig

Im Industriegebiet auf der Ottmarsheimer Höhe könnte der Glasfaseranschluss schon bald Realität werden. Am Montag informierte Viktor Kostic, der Geschäftsführer des Breitband-Verbandes, die Mitglieder des Industrie-Zweckverbandes aus Besigheim, Mundelsheim, Gemmrigheim, Hessigheim, Neckarwestheim und Walheim über die aktuellen Aktivitäten. In diesen Tagen schreibt die Telekom alle Industrie- und Gewerbegebiete auf der Ottmarsheimer Höhe an, um für den Anschluss an das Glasfasernetz zu werben, machte Kostic deutlich.

Aus Sicht von Kostic ist die Breitbandtechnik eine „unabdingbare Infrastruktur“, um mit den Anforderungen an die Übertragungstechnologie mithalten zu können. Sie ins Haus zu holen sei besser heute als morgen notwendig, machte er deutlich.

In den nächsten Monaten will die Telekom etwa 30 Prozent der Unternehmen für einen Anschluss gewinnen. Gelingt dieses Ziel, dann folgt der Ausbau des gesamten Gewerbegebietes, stellte der Geschäftsführer fest. Der Vorteil: Wer sich jetzt für einen Anschluss entscheidet, bekommt ihn kostenlos. Wer erst später einen Vertrag unterschreibt, muss eine einmalige Gebühr bezahlen. Den Anschluss später herzustellen sei möglich, ohne die Straße aufzureißen, versicherte Kostic.

Die Glasfasertechnik wird von den bestehenden Vectoring-Kästen, die erst vor etwa zwei Jahren errichtet wurden, bis ins Haus verlegt. Sie ersetzt auf den letzten Metern die bestehenden Kupferkabel. Einige Unternehmen dürften heilfroh sein, wenn die neue Technik Einzug hält, stellte Stefan Maier fest, der Geschäftsführer des Industrie-Zweckverbandes. Denn die alte Technik ist störanfällig, der Internet-Anschluss damit instabil.

Bis zu einem Gigabit

Wer sich für das Glasfaser entscheidet, kann die gesamte Breite des Bandes nutzen. „Bis zu einem Gigabit sind möglich“, hob Kostic hervor. Breitband-Technik bedeute auch, dass die Leitung mit niemandem geteilt werden muss. Die Datenleitung wird also nicht langsamer, wenn viele Nutzer zum gleichen Zeitpunkt große Datenmengen bewegen.

Die Verlegetechnik richtet sich nach den Möglichkeiten vor Ort, antwortete der Geschäftsführer auf besorgte Fragen, wie viele Straßen aufgerissen werden müssten. Zum Einsatz soll auch das „Trenching“-Verfahren kommen: Eine Maschine stemmt schmale Schlitze in die Straßen, in die das Kabel verlegt wird. Sollte die Quote von 30 Prozent in den nächsten drei Monaten erreicht werden, dauert es noch einmal etwa anderthalb Jahre, bis das Industriegebiet vollkommen mit Breitband ausgestattet ist.

Dringender Handlungsbedarf


Bei der Ausstattung mit schnellen Glasfaser-Leitungen sieht die Region Stuttgart dringenden Handlungsbedarf, um ihre führende industrielle Stellung zu halten. Die fünf Landkreise der Region, die Landeshauptstadt Stuttgart und die Wirtschaftsförderung der Region haben zu diesem Zweck eine regionale Gesellschaft gegründet, die „Gigabit Region Stuttgart GmbH“. Mitglieder der Landkreise sind Zweckverbände, die eigens gegründet wurden. Im Kreis Ludwigsburg ist dies die Kreisbreitband Ludwigsburg, deren Geschäftsführer Viktor Kostic ist. Die Gigabit Region kooperiert mit der Telekom, die jetzt den Ausbau im Industriegebiet auf der Ottmarsheimer Höhe vorantreibt. Mit ihr wurde im Mai 2019 ein  Vertrag ausgehandelt. sol