Schwerpunkt Tourismus Dachmarke für die Steillagen fehlt

Der Blick auf die Neckarschleife bei Mundelsheim. Nicht nur im Frühling einer der schönsten Aussichtspunkte der Region.
Der Blick auf die Neckarschleife bei Mundelsheim. Nicht nur im Frühling einer der schönsten Aussichtspunkte der Region. © Foto: Martin Kalb
Michael Soltys 14.04.2018

Wer um Touristen wirbt, der kommt in der Region nicht um den Weinbau herum. Das ist die klare Meinung aller Beteiligten: der Tourismus-Manager, Stadtverwaltungen, Verbände, Genossenschaften und Produzenten. Mehr Kunden in der Probierstube, mehr Wanderer, mehr Übernachtungen, mehr Gäste in den Gaststätten – das alles lässt sich durch eine geschickte Vermarktung des Weins erzielen, zumal dann wenn eine spektakuläre Landschaft wie die Steillagen an Enz und Neckar die Ausflügler anlockt. Wer einmal die Aussicht von der Käsbergkanzel bei Mundelsheim auf die Neckarschleife genossen hat, der kommt bald wieder, bringt Freunde mit, kauft ein paar Flaschen Wein im Ort, so die Hoffnung.

Erzeugergenossenschaften bieten deshalb Führungen durch die Weinberge an, an der Weinbauschule in Weinsberg sind mittlerweile etliche Jahrgänge von Weinerlebnisführern herangebildet worden. In Prospekten des 3 B-Tourismusverbandes werden Wanderwege und Ausflugsmöglichkeiten ausführlich beschrieben. Im  Niedernberg oberhalb der Enz hat die Stadt Besigheim eine Aussichtskanzel gebaut. Im Ortszentrum von Hessigheim setzt ein privater Unternehmer mit einem neuen Landhaus auf  Übernachtungsgäste.

Das alles sind Ansätze, um den Tourismus anzukurbeln, aber sie sind nicht gebündelt, und sie reichen nicht aus. Diesen Eindruck gewinnt jedenfalls, wer sich mit dem Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept (ILEK) auseinandersetzt, das die Kommunen entlang des Neckars in der Region im vergangenen Jahr verabschiedet haben. Darin spielt die Entwicklung des Weintourismus eine zentrale Rolle, wenn auch aus einem anderen Blickwinkel heraus: Die Steillagen sind bedroht, die Bewirtschaftung ist mühsam, das Geld mit Wein lässt sich in der Ebene leichter verdienen. Es braucht also Menschen, die den Wein aus Steillagen schätzen und bereit sind, dafür auch mehr Geld zu bezahlen.

Ein Großteil der Vorschläge, die in knapp zwei Jahren gemeinsam von den kommunalen Vertretern entwickelt wurden, dreht sich deshalb darum, den Menschen die steilen Weinberge und die Arbeit darin näherzubringen. Die Vorschläge zeigen zudem, woran es bisher aus Sicht der Beteiligten fehlt. In ihrem Abschlussbericht schlagen sie die Anlegung von Steillagenrundwegen und Genussplätzen vor. Mit den Tourismusverbänden und den Kommunen müsste abgeklärt werden, wo solche Genussplätze sinnvoll sind und wer sie betreibt. Ein Regionalmanager, der noch gesucht wird, soll eine Konzeption für mindestens fünf solcher Wege erstellen.

Rund um Neckarschleifen

Was ebenfalls fehlt, ist ein durchgehender Wanderweg, die „Neckarschleifentour“, wie sie genannt wird. Entstehen sollte ein Qualitätswanderweg, der die Steillagen miteinander verbindet.  Der Wegeverlauf und die Anbindung an weiterführende Wanderwege müssten festgelegt werden. Wo fängt er an, wo hört er auf, und mit welchen Kosten ist zu rechnen? Das alles ist ungeklärt.

Notwendig wäre auch eine gemeinsame touristische Identität der Steillagen, sozusagen eine Dachmarke. Doch wer kann ein Marketing-Konzept erarbeitet? Wie wird es eingebettet in die bestehenden touristischen Strukturen? Wer entwickelt diese Angebote für die Region? Welche Kommunen machen überhaupt mit?

An Ideen mangelt es nicht, aber in der Praxis stellen sich noch eine Menge weiterer Fragen. Nützlich wäre beispielsweise eine Art Reisebuch über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Wer schreibt es? Wer aktualisiert es? Wer bezahlt es? Eine bessere touristische Nutzung der Neckarschiffahrt ist ebenfalls im Gespräch, vorerst sollen drei neue Angebote ausgearbeitet werden. Doch es könnte sogar noch einen Schritt weiter gehen: Wie wäre es, wenn die Kommunen selbst ein Ausflugsschiff kaufen und betreiben? Alle diese Fragen wird der Regionalmanager klären müssen, den die ILEK-Kommunen in den kommenden vier Jahren damit beauftragen wollen.

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