Besigheim / Michael Soltys  Uhr

Am Neckar bei Besigheim liegen die Kontraste nah beieinander: das Kreischen der Kinder im nahen Freibad und die Ruhe am Bootshafen Walter nur wenige 100 Meter entfernt. Der Hafen, an dem in der Hauptsache Motorboote festmachen, ist ein Hafen nur im symbolischen Sinn. Daueranleger sehen ihn als als Campingplatz auf dem Wasser, als eine Welt,  die den meisten verschlossen bleibt.

„Gott sei Dank“, sagt Hannelore Blumhardt aus Freiberg augenzwinkernd. Seit 26 Jahren liegt das Ehepaar Blumhardt mit seinem Boot hier vor Anker. An lauen Sommerabenden sitzen Hannelore und Armin Blumhardt gerne mit anderen Flusskapitänen und deren Familien im Bootshafen. Hier finden sie ein freies Gefühl und Ungebundenheit. „Man macht die Leinen los und ist unterwegs. Besigheim wird hier tatsächlich zum Tor der Welt, denn vom Bootshafen aus kann man überall hinfahren nach Frankreich, in die Nordsee, ins Mittelmeer und weiter“, erzählt Armin Blumhardt.

Zum Tanken muss man allerdings in den Rhein. Am Neckar und am Main gibt es keine Flusstankstellen. „Deshalb habe ich 500 Liter Diesel an Bord“, erklärt Blumhardt. „Ich bin 25 Jahre Motorrad gefahren und bin heute froh, dass ich weg von der Strasse bin. Alles geht hier langsam auf dem Wasser, auch das Schleusefahren und das entschleunigt“, erzählt Blumhardt offen.

Benedeto Silvani aus Rudersberg ist mit seinem Boot „Albatros“ erst zwei Jahre unterwegs.  „Zuerst kam das Boot, dann der Führerschein“, lacht er und bedauert fast, dass er erst als Rentner auf den Geschmack gekommen ist.

Wem die Welt so zu Füßen liegt, der bleibt auch gern zuhause im familiär geführten Hafen mit Grillplatz und kuscheligem Bad im Container. Dafür ist Tanja Walter zuständig, die gute Seele des Bootshafens. Anleger können heiß duschen im Badezimmer wie zuhause, von außen sieht man nur den Container. Der Aha-Effekt kommt beim Öffnen der Tür.

In der vierten Generation betreibt Kai Walter mit seiner Frau Tanja den Bootshafen mit 216 Metern Uferstrecke. 32 Dauercamper liegen im Bootshafen im Moment vor Anker. Hier können sie das ganze Jahr über bleiben. Es waren auch schon über 40. Dazu kommen in der Hauptsaison von Mai bis Oktober täglich Gäste, die nur kurz bleiben.

Kai Walter hat nie eine Sekunde gezögert, das Erbe seiner Vorfahren anzutreten, wenn auch nur als Hobby. Sein Urgroßvater Karl Walter begann in den 1920er-Jahren mit einem Ruderbootverleih. Später kam die Gaststätte dazu, ein Saisongasthaus, das bis 1999 von Kai Walters Vater geführt wurde. Daueranleger wie die Blumhardts erinnern sich immer noch an den legendär leckeren Rostbraten.

Vor wenigen Jahren stieg Kai Walter ein. Der 37-jährige Monteur von Industriebacköfen für Bäckereien kennt und liebt jede Biegung des Neckars hier und verbringt fast seine ganze Freizeit damit, zu sorgen, dass es seinen Gästen gut geht. Nur wenig Zeit bleibt ihm für sein zweites Hobby, das Motorradfahren. „Da muss ich mich echt losreißen“, erzählt Kai Walter.

Längst sind viele Daueranleger seine Freunde geworden. Man feiert und grillt zusammen mit und ohne Anlass. „Ich könnte den Hafen noch viel mehr kommerzialisieren, aber das  will ich gar nicht“, macht er klar. Sein Wichtigstes ist die Begegnung mit der Flora und Fauna am.Neckar. „Wir haben hier so viele Tiere. Dass diese Idylle erhalten wird, ist mir wichtig“, macht er klar.

Und Kai Walters Sohn Kevin Walter könnte dafür sorgen, dass es so auch in weiterer Zukunft bleibt.