Schwerpunkt Ferienzeit Campen nur im Ausnahmefall

Die Neckarwiese in Walheim ist ein beliebtes Ausflugsziel. Anwohner können einen Antrag zur Benutzung stellen. Für den Kanuverleih Zugvögel gilt ein extra Abkommen, bei der auch die Verordnung zum Tragen kommt.
Die Neckarwiese in Walheim ist ein beliebtes Ausflugsziel. Anwohner können einen Antrag zur Benutzung stellen. Für den Kanuverleih Zugvögel gilt ein extra Abkommen, bei der auch die Verordnung zum Tragen kommt. © Foto: Pangerl Helmut
Walheim / Von Carolin Domke 21.07.2018

Vogelgezwitscher, der Ausblick auf die Weinberge, der Neckar, der gemächlich dahinfließt, und Ruhe auf einer Wiese – klingt nach einem erholsamen Fleckchen, das zum ungestörten Campen einlädt. Doch wer ungefragt im Wald oder auf einer Wiese ein Quartier für die Nacht aufschlagen möchte, dem könnte eine Geldstrafe bevorstehen.

Gerade im Sommer ist der Gedanke verlockend, sich an einem ruhigen Ort niederzulassen und dort für die Dauer einer lauen Sommernacht zu verweilen. Sei es eben an einem Fluss, oder auch zwischen Weinbergen, um ungestört von Lichtquellen den Blick auf zahlreiche Sterne zu genießen. Auch das klingt romantisch, wäre da nicht das gesetzliche Verbot zum wilden Campen. Hier lassen sich drei Optionen unterscheiden: das „freie Stehen“ mit dem Wohnmobil, Zelten und „Biwakieren“. „Freies Stehen ist in Deutschland grundsätzlich nicht gestattet. Reisemobilfahrer und Fahrer von Caravan-Gespannen dürfen aber auf Rast- und Parkplätzen zur Übernachtung stehen bleiben, sofern diese Nutzung nicht explizit untersagt ist“, erklärt Peter Widenhorn vom Polizeipräsidium Ludwigsburg. Einschränkungen gebe es durch die einschlägigen Landeswaldgesetze. Wer die Nacht in freier Wildbahn im Wohnmobil oder Zelt verbringt und dazu keine Erlaubnis der Forstbehörde oder eine besondere Befugnis besitzt, dem könnte eine Strafe drohen.

Etwas lockerer ist es beim Biwakieren. „Das ist gesetzlich nicht eindeutig geregelt“, sagt Widenhorn. Wem die Natur aber lieb ist, der sollte auch beim Schlafen unter  freiem Himmel auf naturschutzrechtliche Bestimmungen achten. Und, das hebt Widenhorn hervor, „kein übermäßiger Lärm, kein Müll, und keine Sachbeschädigung“ zurücklassen.

Strafzettel möglich

Ein schönes Plätzchen ist auch die Neckarwiese in Walheim. Doch „Campen ist hier nicht erlaubt. Der Platz gehört der Gemeinde“, sagt Heidi Huber von der Gemeinde Walheim mit Nachdruck. Es komme gelegentlich vor, dass Wohnmobile für eine Nacht dort parken. „Bei einer Nacht sagen wir nichts“, trotzdem könne es passieren, dass mal Strafzettel verteilt werden, sagt sie. Eine Ausnahme für einen Campingtrip gilt für den Kanuverleih Zugvögel. „Hier gibt es ein Abkommen,“ so Huber. Im März 2016 trat deswegen auch eine Benutzungsordnung für die Grillstelle am Neckar in Kraft. Demnach wird ein Benutzungsentgelt für die Grillstelle und die Toiletten in Höhe von 25 Euro und für die Neckarwiese in Höhe von 100 Euro erhoben. Dazu kommt eine Kaution von 100 Euro. Wer sich nicht an die Regeln hält, der muss mit einem Bußgeld von 500 Euro rechnen.

Aber „wir können nicht alles sehen und wissen. Die Wiese ist öffentlich zugänglich“, meint die Gemeindemitarbeiterin. Am Wochenende gebe es dort auch mal Probleme. Dann halte sich auch mal die Jugend bis spät nachts auf. Wird es besonders laut, dann hallt der Lärm über die gegenüberliegenden Steillagen in den Ort hinein, was zu Beschwerden führe.

Abhängig von Situation

Habe jemand vor, auf der Neckarwiese zu biwakieren, würde die Stadt vermutlich auch ein Auge zudrücken. Es komme immer auf die Situation an, meint Peter Widenhorn. „Ist ein „Wildcamper“ erst kurze Zeit vor Ort und hat er keine erkennbaren Verstöße begangen, so wird in der Regel die Aufforderung, den Platz zu verlassen, ausreichen.“  Und Heidi Huber meint zum Biwakieren: „Den bloßen Aufenthalt kann man ja nicht verbieten.“

Bußgelder für Wildes Campen

Wer beim Wildcampen erwischt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen. In Baden-Württemberg gilt nach § 37, Abs. 4 ein Verwarnungsgeld von 10 bis 35 Euro. Das Bußgeld kann zwischen 25 und 155 Euro liegen.

Freies Stehen mit dem Wohnmobil auf privaten Flächen bedarf der Erlaubnis des Eigentümers. Auf öffentlichen Flächen darf nur gecampt werden, wenn sie dafür freigegeben und entsprechend gekennzeichnet sind.

Weitere Regelungen gibt es für offene Feuerstellen. In diesem Fall könnte die Feuerstelle als Sachbeschädigung deklariert und entsprechend geahndet werden. Die Höhe hängt vom jeweiligen Verstoß ab. cd

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel