Besigheim Bühne für den Baum in der Schale

Stephan Letzner zeigt bei der Bonsai-Austellung in Besigheim wie aus Bäumen filigrane Kunstwerke werden. Er hat das nervenberuhigende Hobby zu seinem Beruf gemacht.
Stephan Letzner zeigt bei der Bonsai-Austellung in Besigheim wie aus Bäumen filigrane Kunstwerke werden. Er hat das nervenberuhigende Hobby zu seinem Beruf gemacht. © Foto: Susanne Walter
Besigheim / Von Susanne Yvette Walter 28.08.2018

Wer am Wochenende in die Besigheimer Stadthalle kam, den empfing sofort eine herrliche Ruhe. Wunderschön geschnittene Bonsai-Bäume hatten hier eine Plattform bekommen – kunstvoll kultivierte, individuelle Baumschönheiten, die zuvor mit ihren Besitzern in stundenlangen Dialogen mit der Schere zu ihrem perfekten Äußeren gefunden haben.

Die Bonsai-Ausstellung lockte keineswegs nur Fachleute in die Alte Kelter, sondern auch viele Neugierige. Wer Lust hatte in das nervenberuhigende Hobby einzusteigen, das seine Wurzeln im Zen-Buddhismus hat, fand hier gute Ansprechpartner und einen kleinen Flohmarkt mit vorkultivierten Bäumchen und Schalen.

Bonsai-Besitzer, die Unterstützung und Hilfe bei der Gestaltung brauchen, erhielten hier nicht nur Rat, sondern aktive Hilfe zum Beispiel bei der Verbesserung der Feinverzweigung der Äste. Dafür war neben anderen Stephan Letzner zuständig, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. „Das größte Ziel von Bonsai ist es, ein realistisches Abbild der Natur zu erzeugen“, erklärte Letzner und ließ seine Schere um die Baumkrone kreisen. „Die Ausstellungen der Bonsai-Regio Württemberg finden alle zwei Jahre an wechselnden Orten statt. Beteiligt sind daran immer Mitglieder aus zehn Arbeitskreisen“, erklärte Claus Kern aus Aichtal, der bei der Auslobung des schönsten Bonsai-Exemplars diesmal auf Platz eins gelandet war. Als Symbol erhielt er einen Bonsai-Wanderpokal, den er nun zwei Jahre bis zur nächsten Ausstellung behalten darf.

Fast alle Baumarten

Für Amateure bot die Bonsai-Schau die Möglichkeit zu erfahren, dass fast alle Baumarten mit kleinen Blättern oder Nadeln sich für die Zucht eignen. Das Vorbild ist immer der große Bruder in der Natur. Meistens entscheiden sich die Züchter für die Kiefer, den Ahorn, den Wacholder, die Ulme, die Azalee oder für Fruchtbäume.

In Besigheim sah man auch wunderschön geschnittene Besonderheiten, etwa einen Weißdorn oder einen Zierapfel. „Aus Samen oder Stecklingen und aus Jungpflanzen können Bonsais gezogen werden. Man ist immer mit dem Baum im Kontakt und beschneidet ihn immer wieder neu“, betont Claus Kern, der seit 30 Jahren Bonsai-Bäume züchtet. „Im Garten und bei den Bäumen, da kann man so viel Stress abbauen. Für mich gibt es nichts Schöneres, wenn ich abends nach Hause komme“, beschreibt Züchter Edgar Walter sein Verhältnis zu den Bäumen.

Prachtexemplare wie die Bäume auf der Besigheimer Ausstellung brauchen, so die Züchter einvernehmlich, einige Jahre bis sie so weit sind. „Wie ein guter Wein, der muss auch reifen. Das Schöne ist: Einen Bonsai zu züchten ist kein statisches Hobby. Die Auswirkungen von den Schnitten, die wir heute machen, sehen wir in einem halben Jahr“, macht Züchter Rainer Bock deutlich und fügt hinzu: „Das Blöde ist nur eins: Man müsste eigentlich mindestens 200 Jahre alt werden, denn so alt werden auch viele Bonsai-Bäume.“

Woher kommt der Bon-Sai?

Das japanische Wort „Bon-Sai“ heißt wörtlich übersetzt „Baum in der Schale“. Diese kunstvolle Form der Beschneidung stammt aus der alten chinesischen Gartenkultur und ist auch vom Zen-Buddhismus beeinflusst. Tausende von Jahre alt ist diese Kunst, die Menschen auch zur inneren Ruhe und Einkehr führt. suy

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