Noch vor drei Jahren war es mühsam, in Gemmrigheim im Internet unterwegs zu sein. Bandbreiten bis 60 Mbit wurden zwar angeboten und bezahlt, erreicht wurde aber in der Ortsmitte oft nur ein Zehntel davon, wenn viele Nutzer online waren. Die Heilbronner ZEAG hat sich mittlerweile der Kommune in Teilen angenommen und bietet schnelles Glasfaser in einigen Gebäude.

Und so waren die Gemeinderäte sehr skeptisch, als in der Sitzung am Montag das Angebot zum Beitritt in den Zweckverband „Kreisbreitband Ludwigsburg“ vorgelegt wurde. Zwar ist Gemmrigheim dem Zweckverband beigetreten, hatte aber den Kooperationsvertrag als einzige Gemeinde im nördlichen Landkreis zunächst abgelehnt.

Inzwischen ist der Vertrag unterschrieben und Gemmrigheim erhofft sich die in Aussicht gestellten Verbesserungen durch das Breitband-Projekt. 1,1 Milliarden Euro wird die Telekom in die Region investiert, 500 Millionen durch die Landkreise, so sieht es der Vertrag vor. So soll ein großflächiger Ausbau gelingen, mit Geschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit und dem 5-G-Standard, der später beispielsweise  für das autonome Fahren benötigt wird. Die Landkreise sind Gesellschafter der Gigabit Region Stuttgart, die mit der Telekom im Januar dieses Jahres den Vertrag unterzeichnet hat die BZ berichtete). Förderungen von 50 bis 90 Prozent stehen für die Kommunen für den erforderlichen Tiefbau bereit.

Nun hat die Telekom Gemmrigheim plötzlich entdeckt. Sie plane für 2020 dort den ersten Ausbauabschnitt, der sich über einen Großteil des Gemeindegebiets erstreckt, machte Volker Ackermann von der Telekom im Gemeinderat deutlich. „Wir möchten 1450 Haushalte und Unternehmensstandorte anschließen“, sagte Ackermann. Sogar die Hausanschlusskosten von rund 800 Euro will der Konzern übernehmen, der sich als Ziel gesetzt hat, innerhalb von drei Monaten mit 21 Prozent der Haushalte einen Vorvertrag abzuschließen. „Eigentlich müssten es 30 Prozent sein, dann geht‘s erst los“, betonte Ackermann. Fünf Kilometer Leerrohre sollen verlegt und sieben Kilometer Tiefbau finanziert werden.

Bürger mit Vorvertrag bekommen die Glasfaserdose dann in den Keller gelegt, ohne Vorvertrag bleibt das Kabel vor dem Haus liegen und der Hausanschluss muss später selbst bezahlt werden. Die Gemmrigheimer seien daher besser dran als alle anderen, so der Telekom-Mann zum Angebot an die bislang vernachlässigte Gemeinde. Doch er brauche auch Unterstützung: So soll etwa im Amtsblatt für den Anschluss geworben werden, es soll eine Informationsveranstaltung geben sowie Werbestandorte in der Kommune.

Wie es mit den von der ZEAG versorgten Gebieten aussehe, wollte CDU-Rat Manfred Sannert erfahren. Das nördliche Gebiet an der früheren Papierfabrik werde außen vor bleiben, dennoch würden Leerrohre verlegt, vielleicht auch in den gleichen Gräben. „Nach 24 Monaten werden die Karten neu gemischt, dann ist das Netz für alle offen“, so der Telekom-Manager. Der Gemeinderat nahm das Sonderangebot der Telekom schließlich an und beschloss die Umsetzungsvereinbarung einstimmig.