Besigheim / Michael Soltys  Uhr

Sie sind so etwas wie die Botschafter des Weins im Wortsinne, die Weinerlebnisführer in Württemberg. Vor zehn Jahren wurde die Idee geboren, Gästeführer zu qualifizieren, sie in die Lage zu setzen, fachkundig, amüsant und abwechslungsreich Touristen und Weinliebhaber durch Weinberge zu führen, ihnen die Besonderheiten des württembergischen Weinbaus, seine Rebsorten, seine Qualitätskriterien, seine Anbaumethoden und auch seine Probleme zu erläutern und nicht zuletzt, sie mit den Betrieben bekannt zu machen, in denen der Wein erzeugt wird.

Zum Jubiläum trafen sich jetzt 80 Personen auf dem Steinberg des Amalienhofs bei Beilstein, die Weinerlebnisführer alle in ihrem dunkel-lilafarbenen Polo-Shirt, ihrem Markenzeichen. Namen und Herkunft der Männer und Frauen, die maßgeblich an der Gründung des Vereins der Weinerlebnisführer beteiligt waren, verraten bereits viel über die Intention des Projekts: Ulrich Beutner kommt vom Weininstitut Württemberg in Möglingen, das sich in der touristischen und fachlichen Vermarktung des Württemberger Weins engagiert. Für die touristische Seite des Weinbaus steht Tanja Seegelke vom der Touristikgemeinschaft Heilbronner Land. Das in die Tiefe gehende Wissen über Wein liefert die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg in der Person von Friedrich Lörcher.

Spezielle Angebote

Auf der Homepage des Vereins sind mittlerweile mehr als 150 Weinerlebnisführer aufgelistet, von Grantschen bis Reutlingen, von Markgröningen bis Weinstadt. Allein aus der Region zwischen Sachsenheim, Bönnigheim, Besigheim und Bietigheim-Bissingen kommen weit mehr als ein Dutzend Weinerlebnisführer, etwa der Wengerter Stephan Muck aus Bietigheim-Bissingen, Christine Spahr und Landwirt und Wengerter Wilhelm Pfitzenmaier aus Besigheim, Dietmar Ott aus Hohenhaslach und Tanja Müller-Heinrich aus Bönnigheim und viele mehr. Einige von ihnen haben sich spezialisiert wie etwa Dieter Anzock aus Erligheim, der Weinwanderungen mit der Kamera anbietet oder Katrin Held aus Besigheim, bei deren zahlreichen Führungen es häufig auch etwas Gutes zu essen gibt.

Genossenschaften wie die Felsengartenkellerei haben den Nutzen der Zusammenarbeit mit den Weinerlebnisführern längst entdeckt. „Weinerlebnisführer sind Botschafter unserer Weinkultur, unserer Landschaft und der Menschen dieser Region für Besucher und Touristen“, sagt Vorstandschef Götz Reustle. Im Auftrag der Kellerei übernehmen Mitglieder, die auch Weinerlebnisführer sind, Weinproben, Stadtführungen und Rundfahrten mit dem Planwagen durch die Weinberge. Auch bei der Ausbildung unterstützt die Genossenschaft: In der Regel findet einer der Kurstag zum Thema Steillagen und Genossenschaften in Hessigheim statt, wo die Teilnehmer die Weinbau-Steillagen und die Felsengärten besichtigen können.

Der nächste Lehrgang beginnt im September

Der nächste Lehrgang für die Ausbildung zum Weinerlebnisführer beginnt in diesem September. Er kostet 1200 Euro. Die teilnehmenden Männer und Frauen sollen dort Kenntnisse erwerben, die es ihnen ermöglichen, Gäste zu betreuen, sie fachkundig durch Weinberge und Weinbaubetriebe zu führen und Weinproben zu übernehmen. Der Lehrgang findet an etwa 25 Tagen statt und dauert bis Mai 2020. Die Anmeldung erfolgt über die Weininstitut Württemberg.

Die Ausbildung umfasst die Themen Weinbau, Kellerwirtschaft, Sensorik, Ökologie, Flora, Fauna, Weinbaulandschaften bis hin zu Didaktik und Kommunikation. Dozenten der Weinbauschule Weinsberg, vom Deutschen Weininstitut, der Hochschule Heilbronn, den regionalen Touristikgemeinschaften und aus Betrieben der Weinwirtschaft gestalten den Lehrplan.

Ansprechpartner bei Fragen zur Ausbildung ist Friedrich Lörcher von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg, Telefon (07134)  50 41 37. Anmeldeunterlagen können auf der Homepage  des Weininstituts Württemberg in Möglingen heruntergeladen werden unter www.weininstitut-wuerttemberg.de oder dort angefordert werden. sol