Besigheim Blaues Blut trifft roten Wein und es knallt

Besigheim / Von Susanne Yvette Walter 16.09.2017

Das so gekürte „schönste Weindorf Deutschlands“, das Winzerfest in Besigheim, hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Am Freitagabend fielen die Eröffnungsböller der Besigheimer Schützengruppe. Mit glänzenden Augen hob Dirigent Werner Gerhäuser im Anschluss den Taktstock und stimmte traditionelle Blasmusik an – ein besonderer Moment in Besigheim, der obwohl er sich so oder ähnlich alle zwei Jahr wiederholt, doch noch immer Gänshaut macht.

Nach Wochen der Planung und des Aufbaus ist es endlich so weit: Besigheim feiert seinen Wein und seine Winzer, vier Tage lang. Bei Armin Dannenberg, dem Ehrenvorsitzenden der Besigheimer Sportschützen, verrät schon der gezwirbelte Bart, dass er sich der Tradition und der alten Zeit verbunden fühlt. Aus seinem Gewehr kam der erste Schuss, der nicht nur die anderen Schützen auf den Plan rief, sondern auch die verträumten Viertelesschlotzer wachrüttelte.

Etwas Revolutionäres

Dannenberg setzte den ersten Akzent und die anderen zogen den Lauf, bis auch aus ihren Gewehren Feuer sprühte. Die Stadtkapelle legte nach, dann begrüßte Bürgermeister Steffen Bühler seine Gäste, besonders die aus den Partnerstädten Ay in der Champagne, Newton Abbot in England und Bataszek in Ungarn und deren Bürgermeister: Dominique Leveque, Ann Jones aus England und Dr. Somosi Szabolas aus Ungarn. Immer wieder ein Blickfang ist die Schultesgruppe mit Volker Nestrahil, der den Riesenrömer in Händen hält, der drei Liter fassen soll. Sein Riesenhut scheint das zu bestätigen, Nestrahil hat seinen Büttel Albert Haug und seinen Nachtwächter Frank Eisenbeiß dabei.

Und dennoch hatte dieses Winzerfest bereits in seinen ersten Minuten etwas Revolutionäres an sich: Zum ersten Mal in der Geschichte der Besigheimer Weinprinzessinnen schafft es eine, ihre Amtszeit zu verdoppeln. Der Vorstandvorsitzende der Felsengartenkellerei, Dr. Götz Reustle, hängte Weinprinzessin Janina die Schärpe zum zweiten Mal um und so regiert sie statt zwei gleich vier Jahre. „Janina hat ihre Sache so gut gemacht, dass das für uns keine Frage war“, erklärte Bürgermeister Steffen Bühler in seiner Ansprache. Die amtierende Prinzessin fühlt sich so wohl in ihrem Amt, dass sie auf die Besigheimer Stadtverwaltung herantrat, mit dem Wunsch nach Verlängerung. Dem blonden Blaublut kommen heute die Verse über den Wein, die sie so mag, leicht über die Lippen.

Und noch mehr Rituale begleiten die Eröffnung des Winzerfestes vor der Stadthalle Alte Kelter: Hier werden am ersten Abend gleich die Weinorden verliehen. Diesmal sind es drei: einen bekommt Walter Ziegler umgehängt. Als Vorsitzender des Liederkranzes Ottmarsheim hat er wohl viele Jahre federführend das Weindorf in Ottmarsheim auf die Beine gestellt. „Er setzt sich sehr für die Ottmarsheimer Dorfgemeinschaft ein“, lobte Steffen Bühler. Erst an diesem Samstag können die beiden Weinorden-Empfänger aus Frankreich, René und Nicole Goutorbe ihre Weinorden anlegen. Doch die Laudatio, die hören Hunderte von Besuchern am Abend der Eröffnung: „Die beiden aus der Partnerstadt Ay haben kaum ein Winzerfest versäumt und engagieren sich über alle Maße für die Champagnerprobe in der Stadthalle, die immer wieder zu einem ganz besonderen Erlebnis wird“, begründet Bühler die Verleihung.

Das rund über der Bevölkerung schwebende Zelt ist restlos voll und außen herum sind Menschen wie Trauben am Stock. Überall in der Stadt lassen Gruppen und Ini­tiativen Musik hören. Am Enzufer steppt der Bär im Vergnügungspark und in der Enz spiegeln sich die Lichtreflexe wider.