Besigheim Bienen fächeln Frischluft in den Stock

Von Uwe Deecke 04.08.2018

Die beiden Besigheimer Hobby-Imker Dorothea und Thomas Pulli sind eigentlich zufrieden mit dem Bienenjahr, vor allem im Vergleich zum letztjährigen Frostjahr. Doch es sei auch zu trocken gewesen, sagt Dorothea Pulli. „Bei wenig Wasser haben die Blüten wenig Nektar“, erklärt die Besigheimerin, die wie ihr Mann dem Besigheimer Bezirksverein für Bienenzucht angehört. Im Frühjahr sei der Ertrag von zwei Völkern gut gewesen, von dreien aber eher schwach. Die Bienen seien nicht richtig in Schwung gekommen nach der Überwinterung im Stock.

„Im Winter heizen sie, im Sommer kühlen sie“, erklärt die Imkerin. So sammeln sich Bienen im kalten Winter zu einer Kugel und sorgen dafür, dass es im Inneren des Stocks möglichst warm bleibt und das Volk nicht gefährdet wird. Im Sommer dagegen verlassen sie bei heißen Temperaturen den Stock, um die Temperatur drinnen nicht weiter ansteigen zu lassen. Im sogenannten „Bienenbart“ hängen dann alle davor und vermindern so die Temperatur im Stock. An heißen Tagen wird aber auch gefächelt: Bienen versuchen dem Stock mit Flügelschlagen Luft zuzuführen, und erreichen so das selbe Ziel.

Auch die Pullis beobachten das Phänomen an heißen Tagen. Um den Bienenstock zu schützen, gibt es Wassertränken für die Tiere, und es wird auch mal mit dem Sonnenschirm beschattet, damit es nicht zu heiß wird. In der prallen Sonne sollte man so einen Bienenstock dann nicht stehen lassen, weiß Thomas Pulli. Das Bienenwachs werde in einem solchen Fall flüssig und die Larven im Inneren seien gefährdet, wenn die Temperatur zu sehr steigt.

Thomas Pulli ist gerade zurück aus dem Nordschwarzwald, wo er die vergangenen Monate ein Volk im Wald angesiedelt hat. Um Waldhonig zu ernten, schloss er sich einem befreundeten Imker an, der damit schon länger Erfahrung hat. Nach der Abenddämmerung, als alle Bienen wieder im Stock waren, wurde der Eingang verschlossen und der Stock nach Hause transportiert. Nicht allzu groß war die Ernte aus dem Schwarzwald, doch für ein paar Gläser werde es reichen, so Pulli.

„Die Hitze tut den Bienen nicht gut“, fasst er seine Erfahrungen zusammen. Und eigentlich müsse man jetzt schon an die Bekämpfung der Varroamilbe denken, die die Völker seit Jahren bedrohen. Auch dafür sei die Hitze aber ungeeignet, sagt Pulli. Dass nun endlich das Glyphosat verboten wurde, sei ein längst überfälliger Schritt. Das Mittel habe große Auswirkungen und bedrohe die Artenvielfalt auf den Wiesen. Das machen seiner Ansicht nach auch „saubere Äcker“ ohne jeden Randstreifen mit Blumen, denn dann finden die Tiere in der Natur keine Nahrung mehr.

In Besigheim bewege sich in dieser Richtung etwas, so der Hobbyimker. Die Bienenweide am Brachberg sei auf einer Fläche von zehn Ar entstanden und habe den Bienen mit einer auf die Gegend abgestimmten Blühmischung eine Speisekammer geboten. Entstanden ist das Projekt des Bündnis Mensch und Umwelt zusammen mit dem Imker-Bezirksverein, fachmännischen Rat gab es vom BUND-Bezirksverband Stromberg-Neckartal.

Am Wochenende bekommen die Besigheimer Hobbyimker dann wieder Besuch von Schülern. Zum mittlerweile vierten Mal erklären sie im Rahmen des Sommerferienprogramms 15 Kindern die Unterschiede zwischen den einzelnen Bienenarten und wie die Bienen leben. Im zweiten Teil des Tages schleudern sie auch Honig, von dem alle Teilnehmer etwas mit nach Hause nehmen dürfen.

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