Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Der Wohnmobil-Stellplatz unterhalb der Stadtmauer neben dem Minigolf-Platz wird von Jahr zu Jahr bei den Touristen und Ausflüglern beliebter. 2007 wurden 386 Übernachtungen gezählt, 2008 waren es bereits. 469. Im Jahr 2012 stieg die Zahl auf 600 Übernachtungen, ein Jahr darauf waren es bereits 800, und im Jahr 2014 wurden 839 Übernachtungen mit den Fahrern der Wohnmobile abgerechnet. An manchen Wochenenden in der Saison sind die neun Stellplätze ausgebucht, und die Urlauber weichen auf den Aldi-Parkplatz gegenüber aus oder fahren nach Hessigheim, um vor der Felsengartenkellerei zu übernachten, sagt der stellvertretende Kämmerer Roland Hauber, der für den Platz zuständig ist.

In diesem Jahr soll der Platz deshalb erweitert werden, so dass vier bis fünf weitere Wohnmobile gleichzeitig abgestellt werden können. Zugleich soll der Platz aufgewertet und die Zufahrt erleichtert werden. Möglich wird das durch die Verlegung des nahe gelegenen Linnbrünnelesweges.

Auf persönliche Betreuung jedoch werden die Touristen künftig verzichten müssen. Dafür war bisher Andreas Ammer zuständig, der Betreiber der Minigolf-Anlage direkt nebenan, der die Gebühren kassierte, als Ansprechpartner für die Touristen diente und den Platz in beschränktem Umfang auch pflegte. Ammer und die Stadt konnten sich nicht über die Bedingungen einer Fortsetzung ihrer Zusammenarbeit einigen, wurde in Gesprächen mit den Beteiligten deutlich. Schließlich kündigte Ammer von sich aus. Sein Ziel sei es gewesen, einen Pachtvertrag für das Gelände zu bekommen, sagte Ammer auf Nachfrage der BZ. Als Betreuer der Stellplätze, der anteilmäßig an den Einnahmen beteiligt war, sei er zuletzt nicht nur der Ansprechpartner der Touristen gewesen, sondern auch der "Buhmann". Ohne sein Wissen seien sein Name und seine Telefonnummer in den Prospekten genannt worden, in denen für Besigheim als Erholungsort geworben wird. "Mit sämtlichen Reklamationen sind die Leute zu mir gekommen", sagte er: Als der Strom ausfiel, als die Anlage für die Entwässerung der Wohnmobile Mängel hatte und als das W-Lan Schwächen zeigte, habe er die "Prügel bezogen", während er selbst nichts habe dagegen unternehmen können und die Beseitigung durch die Stadt auf sich warten ließ. Als Pächter hätte er dagegen die volle wirtschaftliche Verantwortung für den Platz übernommen.

Auf eine Verpachtung des Geländes wollte die Stadt sich jedoch offensichtlich nicht einlassen. Stattdessen wird sie jetzt einen Ticketautomaten aufstellen. Seine Kosten bezifferte Roland Hauber am Dienstag im Umweltausschuss mit 8000 Euro. Dafür bleibt die Gebühr von fünf Euro pro Nacht in der Kasse der Stadt. Hauber ist überzeugt, dass der Service für die Touristen aufrecht erhalten werden kann. Der Ordnungsdienst werde den Automaten leeren. Stadtgärtnerei und Bauhof waren schon bisher mit der Pflege von Grünanlagen und Technik betraut. Hauber räumte ein, dass es in der Vergangenheit technische Probleme auf dem Platz gegeben habe, sowohl mit der Entwässerungsanlage als auch mit dem W-Lan, und es bei der Behebung zu Verzögerungen kam: "Die Reaktionskette war zu lang", sagte er.

Die Gäste profitieren von der Automaten-Lösung, ist Hauber überzeugt: Sie brauchen nicht mehr zu warten, bis jemand mit ihnen abrechnet und werden dadurch flexibler. Bei Fragen können sie sich an die Bürgerinformation im Rathaus wenden, die am Freitagnachmittag und am Samstagmorgen geöffnet sei, wenn viele Gäste anreisen.

 

Ein Kommentar von Michael Soltys: Service statt Anonymität

Ticketautomaten statt persönlicher Anprache: Was in großen Urlaubsländern wie den USA gängige Praxis ist, muss nicht auch für den kleinen Erholungsort Besigheim die richtige Lösung sein. Das persönliche Gespräch, die gern gegebene Auskunft über die Gastronomie und die schönsten Stellen der Stadt, das Gefühl, dass sich jemand um den Platz und seine Gäste kümmert, das macht für die meist älteren Wohnmobilisten die Atmosphäre eines Urlaubsortes aus. Ein Automat kann das nur schwer ersetzen, er nimmt keine Reservierungen entgegen, er spricht nicht mit Gästen, die zu laut werden, und er gibt auch keine Reklamationen weiter, wenn auf dem Wohnmobil-Stellplatz mal etwas repariert oder geändert werden muss. Sicherzustellen, dass Strom, Entwässerungsmöglichkeiten und W-Lan funktionieren, hat bereits bis jetzt länger gedauert, als es manche Touristen dulden wollten. Hier muss nachgebessert werden, soll der Stellplatz nicht zu einem anonymen Abstellplatz werden. Die Wohnmobil-Fahrer verlangen Service, auch wenn die Platzgebühren niedrig sind.