Der Energiebericht für die Gebäude der Stadt Besigheim lieferte in den vergangenen Jahren durchweg erfreuliche Zahlen. Seit Jahren zeigen die Kurven der Kosten und des Verbrauchs nach unten. Jährlich sparte die Stadt in den vergangenen Jahren jeweils rund fünf Prozent an Strom, Wärme und Wasser ein, sagte Andreas Janssen, Stadtbaumeister in Besigheim, auf BZ-Nachfrage.

Um die Energiekosten im Griff zu haben, lässt sich die Stadt von der Firma "isuf" beraten. Sie erfasst und kontrolliert die Verbrauchswerte und ergreift in Absprache mit Hausmeister und Bauamt kurzfristig notwendige Maßnahmen, lässt beispielsweise Regler und Pumpen austauschen. Für das Jahr 2014 bestätigte "isuf"-Mitarbeiter Roland Engel Mitte vergangenen Jahres im Umwelt-Ausschuss: "Die absoluten Verbräuche liegen ohne Ausnahme auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2003." Seit 2005, dem Jahr vor Einführung des Energiemanagements, sei die Gebäudefläche, die im Energiemanagement betreut wird, um 1900 Quadratmeter gewachsen. Und trotzdem lag der Wasserverbrauch im Jahr 2014 um knapp 43 Prozent unter dem Niveau des Jahres 2005, hob Engel damals hervor. Der Stromverbrauch habe sich in dieser Zeit um knapp 31 Prozent, der witterungsbereinigte Wärmeverbrauch um knapp 28 Prozent reduziert. Die Kohlendioxidemissionen reduzierten sich gegenüber 2005 um 597 Tonnen, das sind 44 Prozent, die Emissionen je Quadratmeter um 24 Kilogramm, beziehungsweise 47 Prozent.

Das macht sich auch bei den Kosten positiv bemerkbar. Bei einem damals aktuellen Wärmepreis von 65 Euro je Megawattstunde konnten gegenüber 2005 rund 73 000 Euro eingespart werden. Bei einem aktuellen Strompreis von 225 Euro je Megawattstunde wurden im Berichtsjahr 62 100 Euro Stromkosten vermieden, rechnete Engel damals vor.

Für Stadtbaumeister Janssen ist klar, dass sich der Energieverbrauch nicht weiter in dieser Größenordnung reduzieren lässt. Zu viel sei schon verbessert worden. Als nächstes wird das Freibad in das Energiemanagement einbezogen, wo noch in diesem Jahr ein Blockheizkraftwerk eingebaut wird, das auch die nahen Flüchtlingsheime versorgt. Dann könnte der Energieverbrauch noch einmal sinken.

Für die großen Investitionen, die für eine Senkung der Verbräuche notwendig sind, nutzt Besigheim das Modell des Energiespar-Contractings. Darüber hat die Stadt mit der Firma Cofely aus Stuttgart einen Vertrag abgeschlossen, der bis 2026 läuft. Cofely ist seitdem zuständig für Planung, Investition, Bau und Wartung zentraler technischer Anlagen. Auf eigene Rechnung hat das Unternehmen in der Friedrich-Schelling-Schule eine neue Pelletheizung eingebaut. Die Stadthalle Alte Kelter und das Rathaus wurden mit einem Blockheizkraftwerk ausgestattet. Eine Pelletheizung wurde auch in der Bürgerhalle in Ottmarsheim eingebaut, die gleichzeitig den Kindergarten und die Schule im Besigheimer Stadtteil mit Energie versorgt. Zu diesen großen Investitionen kommen etwa 50 kleine energetische Einzelmaßnahmen hinzu. Insgesamt ergibt sich ein Investitionsvolumen von 1,5 Millionen Euro, das sämtlich auf Rechnung von Cofely geht.

Der Gegenlohn besteht in der Auszahlung der eingesparten Energiekosten. Die Stadt trägt weiter die Bewirtschaftungskosten für die städtischen Gebäude, die Bestandteil des Contractings sind und zahlt die Differenz an Cofely. Allein für das Jahr 2014 kalkulierte Kämmerer Klaus Schrempf mit einer Überweisung von 143 000 Euro, plus 42 000 Euro für Wartung und Instandsetzung von Anlagen. Das Geschäft ähnelt einem Kredit, erläuterte der Kämmerer bei der Vorstellung des Konstrukts im Verwaltungsausschuss. Doch gegenüber der Geldbeschaffung bei einer Bank und der eigenen Investition in die Energieanlagen habe das Contracting erhebliche Vorteile, führte Schrempf aus: Die Stadt profitiere vom Know-how des Energiespezialisten. Sie benötige kein eigenes Personal für die Planung und Investition, erhalte aber eine effektive Anlagentechnik mit hohem Sparpotenzial. Das gesamte wirtschaftliche Risiko liegt beim Unternehmen. Wird weniger Energie eingespart, wird auch weniger Geld an Cofely überwiesen. Im August 2016 läuft der Vertrag aus. Die Anlagen laufen danach aber noch ein ganzes Stück länger, sodass die Stadt dann die volle Summe an Einsparungen kassiert.

Mehr als 30 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien

Lokale Agenda Der Arbeitskreis Mobilität, Energie, Klima und insbesondere ihr Vorsitzender Heinrich Blasenbrey-Wurtz gehören zu den treibenden Kräften des Energiewandels in Besigheim. Das wird bei einem Blick auf die Internet-Seite der Erneuerbare-Energien-Route deutlich. Die Roue führt zu wesentlichen Beispielen der Verwendung von umweltfreundlicher Energie in der Stadt und wurde 2014 eröffnet.

Stationen An elf Stationen zeigt die Route, wie Energie sinnvoll und nachhaltig erzeugt und verwendet werden kann, sei es im Fitkom (Photovoltaik), in den benachbarten Sporthallen (Blockheizkraftwerk), in der Kläranlage wo ein Blockheizkraftwerk mit Faulgas betrieben wird oder im alten Wasserkraftwerk an der Enz, das bereits seit dem Jahr 1901 Strom produziert. Die in der Erneuerbare-Energien-Route vorgestellten Anlagen produzieren jährlich über 28 Millionen Kilowattstunden Strom und Wärme und vermeiden 16 000 Tonnen CO2. Über 30 Prozent des Gesamtstrombedarfs wurde 2014 in Besigheim aus Wasserkraft (23 Prozent) und Sonnenkraft (sieben Prozent) gedeckt.

SWP