Claudia Hermann, Regisseurin bei der Besigheimer Studiobühne hat ein Gespür für knisternde Themen. „Das Stück hat mich sofort gereizt“, lässt sie bei der Premiere von „Die Weibervolksversammlung“ (frei nach dem gleichnamigen Original des griechischen Dichters Aristophanes) am Samstagabend wissen. Im Stück kommen starke Frauen zum Zug, die sich zusammenschließen und in den Kleidern ihrer Männer heimlich mit Bärten im Gesicht zur Volksversammlung eilen.

Dort erreichen sie tatsächlich den Machtwechsel und dürfen von da an entscheiden, wohin der Hase läuft im Staat. Das Stück beginnt mit dem heimlichen Treffen der Frauen, die sich dafür in aller Frühe aus den Betten ihrer Männer schleichen, sich in ihren neuen Rollen ausprobieren und schließlich siegreich heimkehren. Natürlich kommt im Stück auch ein starker Schauspieler zum Zug, der in den Kleidern seiner Frau so lachhaft wirkt wie auf dem stillen Örtchen. Auch da wird der Zuschauer unfreiwillig Zeuge. Doch keine Angst, einen Striptease gibt es auf der Bühne nicht. Dafür aber messerscharfe Dialoge. Armin Gosch spielt souverän den Repräsentanten der gescheiterten Männerwelt.

Die Ehe wird abgeschafft

Die Vorreiterin des Frauenrudels hat Pläne, wie endlich Frieden in die Welt kommt. Zuerst einmal soll die Geldwirtschaft gegen eine „direkte Anarchie“ getauscht werden. Tauschgeschäft statt Geldverkehr. Die Vorreiterin der Frauengruppe will mit den Prostituierten reden und erreichen, dass künftig Liebe und Sex unentgeltlich gelebt werden. Auch die Ehe als Zwangsgemeinschaft ist ein Thema. Sie wird im neuen Frauenstaat abgeschafft. Für die Erziehung der Kinder fühlen sich alle verantwortlich, so die Konsequenz. Blepyros und viele Männer mit ihm werden arbeitslos. Wie es weitergeht, soll noch nicht verraten werden.

Die Schauspieler sind erfahrene Bühnenprofis. Nichts hakt. Nichts hängt. Das Stück läuft wie am Schnürchen. Der Ton stimmt. Die Beleuchtung ist stimmungsvoll. Da stören auch ein paar Regentropfen kaum. Der rote Faden ist der Humor, mit dem Anarchie propagiert wird.

Die Zuschauer kommen aus dem Lachen nicht mehr heraus. Solche Vorlagen liefert das alte Griechenland in Person von Aristophanes, einem der bedeutendsten Vertreter der griechischen Komödie.

Das Stück läuft noch bis Anfang August


Seit 32 Jahren macht die Studiobühne jährlich ein Open-Air-Stück, zuerst im Garten der Schule am Steinhaus, später dann im Steinhausgarten. „Es ist jedes Jahr eine Herausforderung, das zu wuppen. Es macht aber Spaß und es ist ein ganz anderes Theaterspielen, mit großen Gesten“, sagt der Vorsitzende Armin Gosch. Auch dass vieles schiefgehen kann, sei ein Reiz. „Auch wenn wir nicht drauf scharf sind.“

Das Stück „Die Weibervolksversammlung“ wird noch bis Anfang August an den Wochenende gespielt. bz