Wir freuen uns, dass der Gemeinderat auf die Linie der Verwaltung eingeschwenkt ist.“ Mit sichtlichem Vergnügen, aber auch ein wenig hintersinnig, leitete Bürgermeister Bühler am Dienstag im Gemeinderat die Diskussion und die Entscheidung um die Erweiterung der Friedrich-Schelling-Schule ein. Nach einer mehrmonatigen Hängepartie legte sich das Gremium jetzt grundsätzlich fest: Für die Primarstufe, also die Klassen 1 bis 4, werden weitere Räume geschaffen, um sie künftig fünfzügig betreiben zu können. Der Mittelbau, das hellgrün angestrichene Gebäude, wird abgerissen. Der Betrieb als Ganztagsschule soll ermöglicht werden, ebenso sollen Räume für die Kernzeitbetreuung vorgesehen werden. Die Lehrer sollen möglichst weitere Parkplätze bekommen.

In den Grundzügen wurde damit ein gemeinsamer Antrag verabschiedet, den CDU, Freie Wähler, WIR und SPD eingebracht hatten und dem sich auch das BMU schließlich anschloss. Nach dem Willen aller Beteiligten sollen die Planungen bis zum 30. September 2020 abgeschlossen sein, um dann fristgerecht Fördermittel beantragen und mit dem Bau beginnen zu können. Das ist ein durchaus sportliches Ziel, denn die notwendigen Ideen will sich die Stadt über einen Wettbewerb unter Architekten beschaffen, der europaweit ausgeschrieben werden muss. Dazu wird eine Planungsgesellschaft eingeschaltet, wurde in der Sitzung deutlich. Ein beratender Arbeitskreis wird gebildet.

Erste Skizzen für einen Neubau hatte Architekt Jochen Feyerabend bereits im Sommer vorgelegt. Bürgermeister Steffen Bühler hatte damals auf schnelle Entscheidungen gedrängt, war jedoch von der CDU gebremst worden. Die Fraktion forderte umfassende Informationen über die Schulentwicklung ein und brachte die Idee ins Gespräch, die Sekundarstufe der Gemeinschaftsschule an den Kies, zu den anderen weiterführenden Schulen, zu verlegen. Dazu erarbeitete sie einen umfangreichen Katalog von Vor- und Nachteilen, der einen deutlichen Vorzug für die Verlegung erkennen ließ.

Davon war am Dienstag in dieser Deutlichkeit nicht mehr die Rede. Der gemeinsame Antrag der Fraktionen sah lediglich vor, parallel zum Erweiterungsbau eine Standortsuche für die Sekundarstufe einzuleiten. Doch Bühler schränkte diese Forderung ein und setzte sich nach einem Wortgefecht mit CDU-Fraktionschef Achim Schober mit dem Vorschlag durch, zunächst das Gelände rund um die Friedrich-Schelling-Schule bis hin zur Stadtmauer auf Raumreserven zu überprüfen. Auch das Dachgeschoss des Altbaus über der Enz könnte für weitere Räume in Frage kommen, so Bühler. Erst wenn feststeht, dass dort kein Platz für die Erweiterung der Sekundarstufe ist, kommt für ihn eine weitere Standortsuche in Frage. Bühler räumte ein, dass sein Ansatz vom Sommer, die Pläne für die Schulerweiterung direkt zu vergeben, eine „Hoffnung“ gewesen sei, die sich nicht erfüllt habe.

Von Seiten der Schulleitung war die Teilung der Schule mehrfach abgelehnt worden. Rektorin Renate Opiolla brachte am Dienstag ein weiteres Argument vor: „Die Friedrich-Schelling-Schule ist von Klasse 1 bis 9 als eine Gemeinschaftsschule genehmigt worden“, lasse sich also nicht teilen, so die unausgesprochene Schlussfolgerung. Die Sorge, dass die Sekundarstufe bei den Überlegungen zur Erweiterung vernachlässigt werde, hatten in der Bürgerfragestunde mehrere Eltern geäußert.

„Die Fraktionen sind sich näher gekommen“, kommentierte Helmut Fischer vom BMU den gemeinsamen Antrag, der schließlich einstimmig verabschiedet wurde. Seine Fraktion geht weiter von einem einzigen Standort aus. „Wir wollen unverzüglich anfangen“, sprach er die Dringlichkeit an.

CDU-Fraktionschef Achim Schober verteidigte das Vorgehen der CDU, wenn er auch einräumte, dass die Primarstufe aktuell Vorrang haben müsse. Für ihn steht aber fest: „Eine drei- bis vierzügige Sekundarstufe wird es dort oben (gemeint ist das aktuelle Schulgelände) nicht geben.“ Schon seit einiger Zeit wird der Unterricht in Teilen ausgelagert. Schulleiterin Opiolla legte dar, dass die Gemeinschaftsschule attraktiv bleibt: Im vergangenen Schuljahr hatte die Realschule vier Eingangsklassen, bei der Gemeinschaftsschule wurden zwei große Klassen gebildet. In diesem Jahr haben beide Schule je drei Eingangsklassen.

Für Walter Zeyhle von den Freien Wählern steht fest: „Wir müssen das Thema Grundschule durchziehen.“ Es sei wünschenswert, die Sekundar- und Primarstufe an einem Standort zu belassen. Die Schulbehörde müsse sich jetzt dazu äußern, wie es weitergehen soll, falls weitere Schüler aus den Nachbarkommunen in die Gemeinschaftsschule drängen, ob möglicherweise doch eine zweite Gemeinschaftsschule in der Nachbarschaft, beispielsweise in Löchgau, erforderlich sei.

Die Abweisung auswärtiger Schüler jedenfalls, wie sie Bühler zuvor ins Gespräch gebracht hatte, hält Christian Herbst, SPD, jedenfalls für sehr schwierig. Auch er sieht die Frage nicht beantwortet, was mit der Sekundarstufe geschieht, falls sie drei- oder sogar vierzügig geführt werden muss. Auch die Maßgabe, dass eine Schulform die Räume der anderen nutzen kann, sei in der Praxis schwierig umzusetzen.