Besigheim Beim Altersschießen ist das Sitzen erlaubt

Beim Altersschießen durften die Schützen auch ihre Waffen auflegen.
Beim Altersschießen durften die Schützen auch ihre Waffen auflegen. © Foto: Richard Dannenmann
Sandra Bildmann 04.09.2017

Das Gewehr geht echt ins Kreuz“, sagte Stefan Bickel, „im Alter wird das zu schwer.“ Mit 62 Jahren war der Tammer Sportschütze noch einer der Jüngeren beim Altersschießen in Besigheim. Er sprach deshalb vor allem für seine Mitstreiter, die in Einzelfällen sogar 30 Jahre älter sind als er. Bevorzugte Disziplinen bei den sportlichen Altmeistern waren daher die Sport- und Luftpistole. Stefan Bickel trat am Samstag beim sogenannten „Bezirks-Altersschießen“ des Schützenbezirks Unterland in drei von fünf angebotenen Disziplinen an – mehr durfte er nicht, das bestimmt das Reglement. 

Insgesamt 31 Teilnehmer registrierten die Organisatoren um Bezirkssportleiter Holger Bäßler und Besigheims Vereinsvorstand, Oberschützenmeister Sven Behr. Die Veteranen kamen aus dem ganzen Bezirk, der von Bad Wimpfen im Norden bis Kornwestheim im Süden reicht. Die Zahl der Teilnehmer schwanke von Jahr zu Jahr, berichten die Veranstalter, mal seien es nur gut 20, dann wieder über 40 wie 2016. Der Wettbewerb hat jahrzehntelange Tradition und ist auf Bezirksebene der einzige seiner Art im Jahreskalender. Laut Bäßlers Ausschreibung soll Schützen im fortgeschrittenen Alter – startberechtigt sind Männer und Frauen ab dem 60. Lebensjahr – die Möglichkeit gegeben werden, sich im Wettkampfmodus zu messen.

Auflegen für mehr Stabilität

Für eine Gebühr von fünf Euro pro Disziplin durfte jeder zwei Serien schießen. Ein Zeitlimit gab es nicht, die Schüsse mussten allerdings im vierstündigen Korridor der Veranstaltung abgegeben werden. Damit keine Missverständnisse aufkommen, müssen die Regeln vorher genau definiert werden. Bei den Alterswettbewerben ist es erlaubt, im Sitzen zu feuern. Außerdem dürfen die Senioren mit Auflage schießen. Das bedeutet, sie bekommen durch das Auflegen der Waffe auf einer Stütze mehr Stabilität. Dabei muss darauf geachtet werden, dass alle Teilnehmer unter denselben Bedingungen antreten. „Geschossen wird auf rund“, bestimmte Holger Bäßler auf die Nachfrage eines Schützen. „Auf rund schießen“ ist anspruchsvoller, weil die Waffe noch einen vertikalen Spielraum hat. Liegt sie dagegen flach auf, ist der Volltreffer fast  Formsache.

Serienweise Volltreffer landete Wolfgang Mertzky vom SV Schwieberdingen, der bei den Veteranen 3 (Jahrgang 1944 und älter) mit dem Luftgewehr triumphierte. Mit 198 von 200 möglichen Punkten siegte er vor dem punktgleichen Roland Combosch (SV Affalterbach). Für einen Volltreffer musste hier ein winziger Punkt von einem Millimeter Durchmesser auf eine Entfernung von zehn Metern getroffen werden. Mit zwölf Schützen war das Luftgewehr die Disziplin mit dem größten Teilnehmerfeld. Die Veteranen 3 stellten mit insgesamt 16 Teilnehmern auch die größte der drei Gruppen. Unter den 31 Hobbysportlern waren zwei Frauen.

Stefan Bickel erreichte in allen seinen Disziplinen – Luftgewehr, Sport- und Luftpistole – bei den Veteranen 1 einen dritten Platz. In jungen Jahren hat er unter anderem geboxt und Fußball gespielt. Dann machte ihm die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung. Bickel trägt einen Herzschrittmacher. Seit nun 27 Jahren schießt der 62-Jährige im Tammer Sportschützenverein. „Abgesehen von Schach ist das Schießen der einzige Sport, den ich noch ausüben kann“, erzählte Bickel. Aus der Not machte er eine Tugend. Die Konzentration, die er bei diesem Sport benötige, funktioniere hervorragend als Schmerztherapie, findet er, „man vergisst den Schmerz einfach.“