Besigheim Bei der Vorstellung ist die Flut fast vergessen

Besigheim / MICHAEL SOLTYS 19.06.2013
Anfang Juni stand dem Circus Bely am Vaihinger Enzufer das Wasser buchstäblich bis zum Hals. Längst hat die Truppe um Juniorchefin Marina Frank wieder Mut gefasst. Ab Samstag gastiert sie in Besigheim.

Die Tierwaggons und Gehege im Schatten, das große Zirkuszelt für 800 Besucher fest verankert und das Gelände ringsum belegt mit Lastwagen, Wohnunterkünften und schweren Treckern - ausgerechnet am Enzufer unterhalb der Besigheimer Altstadt hat die Truppe des Cirkus Bely seit gestern Quartier bezogen. Dabei war es die Enz, die dem Circus und seinen etwa 100 Tieren vor kurzem so nahe gerückt ist, dass seine Existenz bedroht war.

Nur mit äußerster Not gelang es der Familie Frank, die den Circus jetzt in achter Generation führt, ihre Tiere in Sicherheit zu bringen. "Die Leute haben ihr Leben riskiert", erinnert sich Juniorchefin Marina Frank an die dramatische Nacht von 1. auf 2. Juni, als der Circus an der Enz in Vaihingen gastierte. Binnen Kurzem stand das Zelt bis zu 2,40 Meter unter Wasser. Es wurde ebenso von den Fluten weggespült wie mehrere Tiergehege, Pferdeboxen, die Inneneinrichtung, die Musik- und Lichtanlage, 120 Säcke voll mit Hundefutter und 35 Ballen Heu, die erst kurz zuvor aus Frankreich gekommen waren.

"Es war einfach nichts mehr da", erinnert sich Marina Frank an die Hochwassernacht. "Alles war weggeschwemmt." Und trotzdem sagt sie, dass "alles noch glimpflich" verlaufen sei. Denn "wir haben kein einziges Tier verloren". Dabei hätten einige Tiere bereits mit dem Bauch im Wasser gestanden. Die Lastwagen konnten ebenfalls noch rechtzeitig vom Gelände geschafft werden, als das Hochwasser erst auf 60 Zentimeter angestiegen war. "Danach ging alles rasend schnell", erzählt sie.

Auf 100 000 Euro schätzt die Juniorchefin den Schaden an der Ausrüstung. Eine Versicherung gibt es nicht. Den Mut hat die Mutter von vier Kindern, die sämtlich im Circus arbeiten, deshalb jedoch nicht verloren. Ein Zelt konnte ebenso ausgeliehen werden wie das Equipment dafür. Neue Tiergehege wurden ebenfalls beschafft.

Von der Hektik, mit der die Folgen des Hochwassers bekämpft wurden, war gestern im Schatten der Kastanien am Enzufer wenig zu spüren. In Besigheim herrschte bereits wieder Normalität. Was jetzt fehlt, um die Folgen des Hochwassers zu überwinden - und daraus macht die Circuschefin keinen Hehl - sind die Besucher, die das Loch in der Kasse auffüllen können. Ihnen verspricht Marina Frank "volles Programm über zwei Stunden". Dazu zählt beispielsweise ihre 19-jährige Tochter Neyenne, die sich gestern Nachmittag mit gymnastischen Übungen für ihren Auftritt als Schlangenmensch warmhielt. Oder die 17-jährige Tochter Nadjana, die bei den Vorstellungen mit Bauchtanz und Kunstreiten glänzt. Unruhig laufen Hunde aller Rassen, vom Rottweiler bis zum Pinscher, in ihrem Gehege hin und her, als ob sie ihren Auftritt bei der Hundedressur kaum erwarten können. Das ganze klassische Circusprogramm wird geboten, erläutert die Juniorchefin. Pferdedressur und Luftakrobatik gehören ebenso dazu wie die Clownerie, ein Showballett, eine Exotenkarawane und die Kunstreiterei mit einem Traber-Sulky. "An den Verlust", sagt Marina Frank, "denken wir jetzt überhaupt nicht mehr".

Vorstellungen bis Sonntag, 30. Juni
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