Lange war das kleine Baugebiet im Neckarblick im Ingersheimer Feld umstritten. Es hatte Jahre gedauert, bis der Bebauungsplan aufgestellt und die Satzung verabschiedet werden konnte. Jetzt geht es an die Vermarktung,  und dabei beschreitet die Stadt, die im Besitz aller sieben Grundstücke ist, einen ungewöhnlichen Weg: Der Gemeinderat setzte einen Mindestpreis von 650 Euro pro Quadratmeter fest, verkauft die Baugrundstücke aber an den Höchstbietenden, allerdings nur an Selbstnutzer, nicht an Investoren. Für Familien mit Kindern gibt es einen kleinen Abschlag auf den Endpreis von fünf Euro pro Kind und Quadratmeter.

Die Begründung für dieses Verfahren: „Bei den Bauplätzen im Neckarblick handelt es sich um exklusive Wohnbauflächen, für die, aufgrund ihrer ruhigen Lage und des gewachsenen Wohnumfelds, in der heutigen Wohnungsmarktlage hohe Verkaufspreise erzielt werden können.“ Weder ist es also Bedingung, dass die Bauplätze an Besigheimer gehen, noch dass es sich bei den Käufern um Familien handelt muss. Es zählt der Höchstpreis.

Hohe Nachfrage

Über mangelnde Resonanz kann sich die Stadt jedenfalls nicht beklagen. Im Gegenteil, für ihre Einschätzung, dass die Nachfrage hoch ist, hat sie gute Gründe: Für die sieben Bauplätze mit insgesamt 2642 Quadratmetern, darunter zwei Bauplätze für Doppelhaushälften, sind bereits jetzt mehr als 100 Bewerber vorgemerkt. Innerhalb von zwei Jahren nach dem Kauf müssen die neuen Eigentümer mit dem Bau beginnen, so ein weiteres Kriterium für die Vergabe, sonst steht der Stadt ein Rückkaufsrecht zum ursprünglichen Preis zu.

Gegen das Baugebiet hatten sich zunächst Nachbarn aus der Straße Neckarblick ausgesprochen. Aber auch naturschutzrechtliche Einwände gegen die Bebauung, der einige Streuobstbäume zum Opfer fallen, hatten eine wesentliche Rolle gespielt. Schließlich entdeckte man auf dem Gelände geschützte Zauneidechsen, was eine weitere Verzögerung zur Folge hatte. Ungewöhnlich für Besigheim: Bei der Verabschiedung des Bebauungsplans stimmten sieben Stadträte dagegen.

Baldige Erschließung

Angesichts der attraktiven Lage ist es unwahrscheinlich, dass es bei einem Verkauf zum Mindestpreis von 650 Euro bleibt. Bereits dieser Preis würde einen Verkaufserlös von 1,13 Millionen Euro zur Folge haben. Durch die notwendige Erschließung des Gebietes entstehen der Stadt allerdings auch Kosten von 221 Euro pro Quadratmeter, insgesamt 640 000 Euro. Das ist der Preis, der an die STEG Stadtentwicklung bezahlt werden muss. Die STEG wird noch diesen Herbst mit der Erschließung beginnen und die Kosten vorfinanzieren. Die Stadt rechnet damit, das Baugebiet im Frühjahr 2020 für die Bebauung freigeben zu können.

Unumstritten war auch dieser Beschluss im Besigheimer Gemeinderat nicht. Die Fraktion der Freien Wähler plädierte für einen Startpreis der Auktion von 590 Euro, konnte sich mit einem entsprechenden Antrag allerdings nicht durchsetzen.