Die Aktion der Anti-Atomkraft-Initiativen am Samstag fand zeitgleich an sechs Standorten statt: Neckarwestheim, Philippsburg, Grafenrheinfeld, Isar, Grohnde und Lingen. Zum Sinn und Zweck erklärte Herbert Würth, Sprecher der Atomkraftgegner: "Aus Untersuchungen und Erfahrungen wissen wir, dass die Ausbreitung innerhalb von wenigen Stunden viele hundert Kilometer betragen kann. In den geltenden Katastrophenschutzplänen sind jedoch Evakuierungen nur innerhalb eines Zehn-Kilometer-Radius vorgesehen." Auch wenn jetzt die Ausweitung auf 20 Kilometer geplant werde, bleibe die Kritik an den Katastrophenschutzplänen bestehen, so Wirth. Die Anti-Atom-Initiativen fordern daher weiter die sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke.

Die Serie von Störfällen im GKN Neckarwestheim II in letzter Zeit hat im Übrigen auch beim Grünen-Umweltpolitiker Daniel Renkonen für Unmut gesorgt. Das trage nicht gerade zum Vertrauen in die "Auslauftechnologie" Atomkraft bei, kritisierte er in einer Pressemitteilung am Freitag.

In dem Atommeiler hatten sich innerhalb eines Monats rund sechs Zwischenfälle ereignet, die von der Aufsichtsbehörde allerdings als "nicht sicherheitsrelevant" eingestuft worden sind. Trotzdem dürfe der Betreiber EnBW nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern müsse " die Fehlerkette aufarbeiten und sein betriebsinternes Sicherheitsmanagement verbessern", fordert der Grünen-Landtagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Bietigheim-Bissingen.

Beim schwersten Störfall Ende Oktober waren beim Austausch eines defekten Brennelementes erhöhte Konzentrationen an radioaktiven Spurenstoffen ausgetreten. Nach Aussagen des Umweltministeriums habe aber keine Gefahr für das Betriebspersonal und die Bevölkerung bestanden, so Renkonen. Angesichts der Häufung derartiger Vorkommnisse solle die EnBW jedoch die Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen und künftige Sicherheitslücken beseitigen.