Für die 3624 Unterzeichner ist die Sache klar: Die neue Brücke über die Enz zwischen Walheim und Besigheim muss inklusive einer Unterführung für die Radfahrer gebaut werden. Das ist der Inhalt ihrer Online-Petition, die Anfang Oktober an den CDU-Bundestagsabgeordneten Eberhard Gienger übergeben wurde (die BZ berichtete). Doch ob es überhaupt noch eine Chance für diese Forderung gibt, ist mehr als ungewiss. Bei der Stadt Besgheim jedenfalls gibt es keine neuen Informationen über eine Änderung der Pläne, die lediglich die Errichtung einer Ampel vorsehen. Sie wird bei Bedarf von Fußgängern und Radfahrern geschaltet und hält den Autoverkehr auf der B 27 an.

Zu den Unterstützern der Forderung nach der Unterführung gehören auch die beiden Landtagsabgeordneten Daniel Renkonen von den Grünen und Fabian Gramling von der CDU. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Mittlerweile schieben Renkonen und Gramling die Verantwortung für das mögliche Scheitern der Gegenpartei in die Schuhe. Renkonen jedenfalls sieht, wie berichtet, die CDU-geführte Bundesregierung und vor allem das Bundesverkehrsministerium in der Pflicht, sich endlich für die Radwegunterführung auszusprechen. Denn der Bund ist zuständig für die B 27, die über die Brücke läuft, und damit auch für die Planung und Bezahlung der Radwegunterführung.

Diese Schuldzuweisung jedoch findet Gramling absurd. Das Verkehrsministerium in Stuttgart unter der Führung von Winfried Hermann (Grüne) habe sich vor einigen Jahren, als die Planung in Gang kam, allen Argumente für eine Radwegunterführung verschlossen und sich ebenso wie das Regierungspräsidium für die Lösung mit einer Bedarfsampel ausgesprochen. Erst später sei es zur Kehrtwende gekommen, doch dieser Sinneswandel des Verkehrsministers sei zu spät erfolgt, die Beamten in Berlin hätten sich an die Fakten auf ihrem Schreibtisch halten müssen, argumentiert Gramling. Von dieser Fehleinschätzung wolle sich Renkonen jetzt reinwaschen, kommentierte der CDU-Landtagsabgeordnete die Verlautbarungen seines Landtagskollegen.

Zahlt das Land doch alles?

Dass seine Äußerungen ein Stück weit als Provokation zu verstehen sind, das Verkehrsministerium in Berlin doch noch zu bewegen, die Planungen zu ändern, stritt Renkonen gegenüber der BZ keineswegs ab. Denn die Online-Petition hat keinerlei verpflichtenden Charakter, sondern ist reine Meinungsäußerung. Selbst Gramling räumt ihr wenig Chancen ein, wie er im Gespräch mit der BZ sagte.

Trotzdem scheint noch eine Hintertür für die Finanzierung der Radwegunterführung offen zu sein. Das Land, obwohl nicht zuständig, hat schon bisher zugesagt, 60 Prozent der geschätzten Kosten von 800 000 Euro zu tragen. Besigheim und Walheim wollen zwar auch einen Teil bezahlen, aber nicht den ganzen Rest. Gramling fordert nun den Verkehrsminister auf, die Unterführung komplett zu bezahlen. Darüber finden Gespräche statt, sagte Renkonen der BZ. Als Notlösung, wenn der Bund sich tatsächlich verweigern sollte, käme dies durchaus noch infrage.