Mit dem Smartphone durch die Steillagen am mittleren Neckar und dabei Wissenswertes über den Weinbau und die touristische Bedeutung der Weinbau-Terrassen erfahren – das ist das Ziel einer App, die wie bereits berichtet künftig Spaziergängern und Wanderern als Orientierung dienen soll. Um sie zu finanzieren, hat das Landratsamt Ludwigsburg einen Förderantrag beim Verband Region Stuttgart gestellt.

Doch es gibt weitere Projektpartner, das sind die Städte und Gemeinden Bönnigheim, Gemmrigheim, Hessigheim, Ingersheim, Kirchheim und Ludwigsburg und Partner aus der Wein- und Tourismusbranche, namentlich die Felsengartenkellerei, das Consortium Montis Casei, die 3B-Tourismusgemeinschaft, das Regionalmanagement Neckarschleifen und die Schiffslinie Neckar-Käpt’n. Die Stadt Besigheim allerdings, ebenfalls als Partner vorgesehen, zögert mit der Teilnahme, die 5000 Euro kosten würde, verteilt auf zwei Jahre. Im Gemeinderat an diesem Dienstag stellten die Stadträte viele kritische Fragen, die Entscheidung wurde verschoben. Der Verwaltungsausschuss wird am Dienstag, 12. November, erneut darüber beraten.

Informationen über den Weinbau, seine Geschichte, über die Tier- und Pflanzenwelt rund um die Trockenmauern, über Wanderwege, Aussichtspunkte, verkehrliche Anbindung, über die lokale Gastronomie, über einzelne Weine, über Besenwirtschaften, Weingüter, Genossenschaften und Direktvermarkter – das alles soll über die App abgerufen werden können. Rätsel und kleine Spiele könnten ebenfalls integriert werden. Und fast am wichtigsten: Die Einrichtung von W-Lan-Hotspots ist Teil des Projekts, dessen Initiator und Schrittmacher der Landkreis ist. Er beauftragt wiederum ein externes Unternehmen damit.

Doch was sind die Folgekosten? Wer bezahlt und finanziert die Hot Spots? Was haben Besigheimer davon, wenn Touristen mit dem Smartphone durch die Weinberge laufen? Ist es vielleicht nur eine App zur Wirtschaftsförderung, an der sich beispielsweise auch die Gastronomen beteiligen sollten? Das alles wollten Vertreter der Fraktionen von der Stadtverwaltung wissen, bevor sie über das Projekt abstimmten. Da half es auch wenig, dass Bürgermeister Steffen Bühler auf das langjährige Engagement der Stadt für die Erhaltung der Steillagen hinwies.

Das hatte auch bereits Kulturamtsleiterin Anette Walz in ihrer Vorlage versucht. Bewohner und Besucher könnten mittels der App auf „Entdeckungstour“ gehen, „und diese einzigartige Kulturlandschaft mit allen Sinnen erleben“, heißt es dort. Die Steillagen und die schwierige Arbeit der Wengerter darin sollen „emotionalisiert und zugänglich gemacht werden“. Die App könne mittels Wegweisung und Besucherführung auch eine Orientierung leisten, hofft sie. Die Steillagen-App soll sich weniger auf den Weinbau-Aspekt konzentrieren als vielmehr den Fokus auf den Tourismus und die touristische Nutzung der spektakulären Weinbau-Lagen legen.