Wenn am kommenden Montag, 9. Dezember, in der Neckarwestheimer Reblandhalle wieder die Kommission tagt, die über Sicherheitsfragen am GKN informiert, dann ist dort auch der Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar (BBMN) vertreten. Deren Sprecher Wolfram Scheffbuch sieht diese Beteiligung positiv: "Wir können Kontakt zum Kraftwerksbetreiber halten und Themen ansprechen, die uns wichtig sind", sagt er. So habe der BBMN in der vergangenen Sitzung Informationen über Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken eingeholt. Und am kommenden Montag geht es um die Emissionen des Kernkraftwerks im Normalbetrieb. Ansonsten aber, räumt Scheffbuch ein, dringt die Arbeit in der Informationskommission nicht in die "große Öffentlichkeit", überregional finde sie kaum Beachtung.

Das Gleiche dürfte momentan auch für die Bürgerinitiativen selbst gelten. Die Zeit der großen Demonstrationen sei vorbei, sagt Scheffbuch. Das bedeute aber keineswegs, dass der Protest der Bürgerinitiativen hinfällig sein. "Für uns ist die Sache erst erledigt, wenn alle Kernkraftwerke vom Netz sind." Solange dies nicht geschehen sei und in Block II weiter Abfall anfalle, werde der BBMN "aktiv im Hintergrund" Druck machen. Dazu zählen neben der Arbeit in der Infokommission die Gedenktage an die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima. Aktuell sei eine Arbeitsgruppe gebildet worden, die sich mit den Fragen des Rückbaus der beiden Kraftwerksblöcke in Neckarwestheim befasst.

Für Scheffbuch liegt es "in der Natur der Sache", wenn weniger Leute als früher zu den Veranstaltungen und Protestzügen kommen, da keine aktuelle politische Entscheidung bevorsteht. Aber "der harte Kern macht weiter", sagt er. Dies schon deshalb, weil er befürchtet, dass der Druck des Betreibers EnBW wieder wächst, sobald der Termin für die Abschaltung von Block II näher rückt. "Dann werden wir wieder präsent sein." Das gelte auch für den Fall, dass tatsächlich Castoren aus Obrigheim nach Neckarwestheim verlagert werden sollten. "Das wird noch einmal mobilisieren", ist Scheffbuch überzeugt.

Rund 80 Leute konnte Herbert Würth vor etwa zwei Wochen für eine Aktion vor den Toren des GKN mobilisieren, mehr als er selbst erwartet hat. Würth ist Sprecher des Aktionsbündnisses Castor-Widerstand, das dem BBMN angehört und seit langem die regelmäßigen Sonntagsspaziergänge organisiert. Auch er sieht keinen Grund, in dem Protest nachzulassen, zumal der Rückbau der Kernkraftblöcke aus seiner Sicht höchst problematisch ist. Beim Rückbau falle schließlich radioaktiver Abfall an, "von dem man bis jetzt noch nicht weiß, wo man ihn lagern soll", sagt er. Aus Sicht des Aktionsbündnisses sei es sicherer, mit dem Rückbau zu warten und die Gebäude stehen zu lassen, bis die Radioaktivität sich abgebaut habe, "anstatt sie in den Neckar oder in die Luft zu leiten". Im Januar starte das Aktionsbündnis eine Informationskampagne zu diesem Punkt, um eine breite öffentliche Diskussion anzuregen. Von der Mitarbeit in der von grün-rot eingesetzten Informationskommission hält Würth dagegen wenig. Sie sei zwar als Informationsquelle geeignet, aber "wir erwarten dort keine Unterstützung für die Angelegenheiten, die uns bewegen", sagte er.

Eine dieser Angelegenheiten ist die Verbesserung der Katastrophenschutzpläne, die bisher Würths Ansicht nach eine radioaktive Verstrahlung der Bevölkerung in Kauf nehmen. Das habe erneut die Luftballonaktion bewiesen, mit der die Ausweitung einer radioaktiven Wolke belegt werden sollte. Nach nur anderthalb Stunden sei der erste Luftballon in Karlsruhe gefunden worden. Der am weitesten geflogene Luftballon wurde nach nur zwölf Stunden 140 Kilometer entfernt in Frankreich gemeldet. In so kurzer Zeit ließen sich die Städte in der Region nicht evakuieren, argumentiert Würth. Für die Katastrophenschutzpläne gelte das Gleiche wie für die drohenden Castor-Transporte von Obrigheim her: "Wir verfolgen das ganz genau."

Mehr Transparenz und Informationen über das GKN