Schwerpunkt Verborgene Orte Am Enzweg wird Besigheimer Geschichte lebendig

Der kleine Weg entlang der Enz unterhalb von Besigheim ist versteckt. Man muss ein wenig suchen, um ihn zu finden.
Der kleine Weg entlang der Enz unterhalb von Besigheim ist versteckt. Man muss ein wenig suchen, um ihn zu finden. © Foto: Helmut Pangerl
Besigheim / Uwe Deecke 25.08.2018

Spaziergänger finden nicht ganz so leicht zu dem Fußweg entlang der Enz, aber die kurze Suche lohnt sich. Hier liegt der vielleicht ruhigste Ort Besigheims, keine Autos fahren und die Natur sieht noch unberührt aus. Eine Sandsteinmauer trennt den Weg von der Böschung hinab zum Fluss, wenn man hinter der Alten Kelter den Weg bergab nimmt.

Rund 400 Meter läuft man am Wasser entlang der Vorstadt, unter der Enzbrücke durch bis zur früheren Oberen Mühle. Hier in der Vorstadt, sagt Stadtarchivarin Sandy Krüger, waren früher die Gewerbe angesiedelt, die Wasser brauchten und mitunter auch Gestank verursachten. Häuser, die man nicht unbedingt in der Stadt haben wollte, sondern davor. Und so waren an der Enzpartie nicht nur die Mühlen angesiedelt sondern auch Gerbereien und Seifensiedereien. Kleine Treppen führten hinunter an den Fluss, wo es das für die Besigheimer benötigte Wasser gab.

Große Bedeutung hatte die Vorstadt in der Zeit des „Straßenstreits“. „Besigheim hatte ein ureigenes Interesse, dass die Straße von Bietigheim durch die Stadt führt“, erklärt die Archivarin. Die Bietigheimer Stadtoberen dagegen wollten die Waren westlich am badischen Besigheim vorbei transportieren, um keinen Zoll zu bezahlen. Aus diesem Grund kamen die Besigheimer auf die Idee, diesen Weg nach Walheim mit Absperrungen zu versehen und abzuriegeln.

Auch eine frühere Holzbrücke wurde erneuert: Im Jahr 1581 wurde sie durch eine imposante Steinbrücke ersetzt, die nun der offizielle Weg durch die Stadt nach Norden war. Von ihr sieht man heute leider nichts mehr, wenn man den Fußweg an der Enz entlang läuft. Die historische Enzbrücke wurde noch in den letzten Kriegstagen von den deutschen Truppen gesprengt.

Auch die Enzflößer waren hier unterwegs auf ihrem Weg zum Neckar, dann zum Rhein und manche sogar weiter nach Holland, wo das Holz knapp war. Die kleinen Enzflöße wurden zu immer größeren Flößen zusammen gebunden, bis sie schließlich die Größe von 400 Meter langen und bis zu 40 Metern breiten „Holländerflößen“ erreichten, die den Weg von Mannheim nach Norden nahmen. Das Holz von Eichen, Tannen und Fichten kam aus dem Schwarzwald und Flüsse waren der beste Transportweg für die Flößerei, die auch an der Enz zum einträglichen Geschäft wurde.

Am Ende des kleinen Enzwegs liegt die Obere Mühle, die ebenfalls das Wasser nutzte. Sie wurde schon im Jahr 1153 erwähnt und war eine Walk- und Lohmühle, in der Gewebe und Leder verarbeitet und veredelt wurden. Sie lag nah an der Brücke und außerhalb der inneren Stadtmauer, wie auch die anderen Gewerbe am Fluss und gab der Mühlgasse ihren Namen.

Pflicht zum Baden

Auch die Besigheimer Badstube, die im Jahr 1995 wieder entdeckt wurde, war bewusst nahe am Wasser gebaut, das es für den Betrieb brauchte. Für Walheimer war es damals Pflicht, die Badstube aufzusuchen, weiß Hans-Jürgen Groß vom Besigheimer Geschichtsverein. In Zubern gab es hier erwärmtes Wasser, das zum Waschen benutzt wurde – gegen eine Gebühr. „Im Jahr 1495 sprach man von einem Bann-Badstüble“ der Besigheimer, so Groß. Die ärmeren Bürger freilich hätten immer den Neckar oder die Enz zum Waschen benutzt.

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