Wer gute Blasmusik hören wollte, musste am vergangenen Freitagnachmittag vor allem eines: schwitzen. Während in den Besigheimer Straßen die Sonne bei gut 35 Grad vom Himmel brannte, war es auch in der Stadthalle Alte Kelter pünktlich zum jährlichen Abschlusskonzert der D2-Absolventen des Blasmusik-Kreisverbands Ludwigsburg kaum besser. Doch auch wenn es zu Hause vor dem Ventilator für den einen oder anderen wohl angenehmer gewesen wäre - vor der Hitze schreckte in der beinahe voll besetzten Stadthalle keiner zurück.

Stattdessen packte das Publikum die Fächer aus und griff zur Wasserflasche. Denn was ist schon so ein bisschen schwül-warme Sommerluft, wenn sich die frischgebackenen Absolventen des D2-Lehrgangs gemeinsam musikalisch ins Zeug legen? Nach acht erfolgreichen Tagen im Schullandheim Strümpfelbrunn zeigten die Jugendlichen bei ihrem traditionellen Abschlusskonzert, was sie in dieser Zeit alles dazugelernt hatten. Aus insgesamt 23 Städten und Gemeinden im Kreis waren zuvor junge Nachwuchsmusiker zwischen 14 und 16 Jahren zusammengekommen und eine Woche aufs Land gefahren, um sich dort ungestört und in gemütlicher Schullandheimatmosphäre musikalisch weiterzubilden.

Dass der D2-Lehrgang allerdings nicht nur fröhliches Beisammensein und gemeinsames Musizieren bedeutete, wurde den Jugendlichen spätestens klar, als es an die theoretischen und praktischen Prüfungen ging, die für den D2-Grad zu absolvieren waren. "Das Vermitteln der Musiktheorie ist immer etwas schwierig", erzählte Ausbilder Wolfgang Lutz aus Ossweil. Es läge dann eben an den Lehrern, "aus schwerer Kost etwas leicht Verdauliches" zu machen. Neben musiktheoretischen Klausuren musste sich jedes Mitglied des Lehrgangsorchesters zudem einzeln in der Praxis beweisen. Dabei ginge es vor allem darum, bestimmte Tonleitern zu bewältigen und aus vier zuvor ausgewählten Stücken zwei fehlerfrei vortragen zu können, erklärte Roland Haug, Ausbilder und Stadtmusikdirektor der Stadt Besigheim, der auch das Konzert dirigierte.

Nach einer Woche voll harter Arbeit zeigte er sich mit dem abschließenden Notendurchschnitt der diesjährigen Prüflinge mehr als zufrieden: "Durchschnittlich lagen wir diesmal bei 1,93 und alle haben bestanden. Das Ergebnis ist damit in diesem Jahr besonders gut."

Am vergangenen Freitag zeigten die Jugendlichen in der Besigheimer Stadthalle nun eindrucksvoll, was die Woche im Schullandheim musikalisch so alles gebracht hat: Im Wechsel standen die 73 Lehrgangsteilnehmer dabei als ganzes Orchester oder in ihren einzelnen Registern auf der Bühne und entführten ihre Zuhörer in musikalische Höhen.

Besonders als ganzes Ensemble verbreitete das Lehrgangsorchester eine beeindruckende Klangvielfalt. Bei Stücken wie "The Great Locomotive Chase" von Robert W. Smith meisterten die Musiker häufige Tempo- und Rhythmuswechsel klar und souverän und zeigten eine erstaunliche Bandbreite, die von träumerischen Melodien bis hin zu mitreißenden Rhythmen reichte.

Auch die einzelnen Register, die während des Lehrgangs getrennt voneinander geschult wurden, hatten am Freitagabend ihren großen Auftritt. Im Vergleich zu den gemeinsamen Stücken wirkten die Jugendlichen hier zwar etwas vorsichtiger und zaghafter, doch wurde die anfängliche Zurückhaltung schon bald durch die klare Spielweise der Register ausgeglichen.

Das Flötenregister beispielsweise überzeugte mit einer leisen und sehr einfühlsam vorgetragenen Version des Westlife-Hits "You Raise Me up", während das Saxophonregister mit dem bekannten Titelthema aus der Muppet Show für ausgelassene Stimmung sorgte. Die Klarinetten lieferten außerdem mit einer akzentuierten Version des Stücks "Bear Neccessities" aus Disneys Dschungelbuch einen stimmungsvollen Ausklang.

Zum Abschluss wurde aus dem Orchester sogar noch ein zeitweiliger Chor: Als letztes Stück stimmten die Jugendlichen Bruno Mars" "Marry You" an - inklusive Gesangseinlage und kleiner Choreografie.